Christus spricht: „Meinen Frieden gebe ich euch“

Predigt über Johannes 14, 15- 19. 23b- 27: Die Verheißung des Heiligen Geistes

Pfingstsonntag, 9.6.2019, 9.30 Uhr Lutherkirche Kiel

Johannes 14, 15- 19. 23b- 27

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit:
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.
18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.
19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.
23b Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Liebe Gemeinde.

Der Theologiestudent Nils Straatmann hatte die trockene Theorie satt. Er wollte die Orte, an denen Jesus gewirkt hat, mit eigenen Augen sehen. Mit einem Schulfreund reiste er deshalb 2016 in den nahen Osten, um der Route des historischen Jesus zu folgen. Die beiden wanderten vom vermeintlichen Geburtsort Bethlehem bis zum Berg Hermon an der syrisch-libanesischen Grenze. Sie wollten wissen, ob sie Jesus bei dieser Wanderung finden würden, 2000 Jahre später. Sie besuchten Handwerker in Nazareth, fuhren mit dem letzten Fischer auf den See Genezareth und feierten mit Drusen am Lagerfeuer.

Doch es blieb keine Reise in die Vergangenheit, im Gegenteil, das Unternehmen wurde zu einem aufrüttelnden Roadtrip, bei dem sie immer wieder auf Mauern, Panzer und bewaffnete Soldaten stießen. Und obwohl sie bei den Menschen, die sie trafen, ebenso viel Hoffnung, Hilfsbereitschaft und Weisheit erfahren haben, fanden sie Jesus auf ihrer Wanderung nicht. Das Fazit war vielmehr: „Eine Figur wir er wäre heute nicht mehr möglich!“ Das ist einer der letzten Sätze in dem Buch, das Nils Straatmann über diese Reise geschrieben hat. (Nils Straatmann, Auf Jesu Spuren, eine Reise durch Israel und Palästina, München 2017

Doch das hat ihn nicht entmutigt, er kommt vielmehr zu dem Ergebnis, dass „wir alle gute Menschen sind, solange wir es versuchen. Wer Frieden will, muss friedlich sein.“

Und genau das hätte auch Jesus sagen können, denn das hat er hinterlassen: Er hat uns die Möglichkeit und die Kraft geschenkt, in seinem Geist und im Frieden zu leben. In dem Evangelium von heute, das zugleich der Predigttext ist, heißt es am Ende: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“

Der Abschnitt ist ein Teil der sogenannten Abschiedsreden Jesu. (Johannes 13,1- 17,26) Er spricht hier mit seinen Jüngern und kündigt seinen Weggang an. Sie werden bald allein sein und sich auch als „Waisen“ fühlen. Das sagt er ihnen voraus, denn er weiß, dass das für sie nicht leicht sein wird. Sie hatten mit ihm endlich einmal erlebt, wie es ist, wenn Gott ganz nah ist. Jesus hatte ihnen Liebe und Barmherzigkeit gebracht. Er hat Menschen geheilt und viel Leid abgewendet. Sie hatten geglaubt, dass durch ihn nun endlich eine bessere Zeit anbrechen würde. Doch jetzt wird er sie bald wieder verlassen. Soll also alles bleiben wir vorher? Sollen sie weiter auf eine neue Welt, auf den Messias und den ewigen Frieden warten müssen?

Auf diese Frage geht Jesus hier ein und er sagt ganz eindeutig: Habt keine Angst, es hat sich etwas für euch geändert, selbst wenn ich jetzt weggehe. Denn ich werde euch jemanden schicken, der mich vertritt. Jesus nennt ihn den „Tröster“, man kann auch übersetzen „Fürsprecher“ oder „Beistand“. Er sagt: „Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“. Er wird diesen „Helfer“ also vom Vater erbeten und er verspricht ihnen, dass der immer bei ihnen bleiben wird. Es ist der „Geist der Wahrheit, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ So lauten die Worte Jesu. Die Jünger werden ihn also nicht vergessen und seine Lehre bewahren. Durch den Heiligen Geist ist sichergestellt, dass die Offenbarung Gottes weitergeht: „Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.“ So drückt Jesus das aus. Gott verbirgt sich nicht, sondern seine Kraft und Liebe werden lebendig bleiben, und zwar in denen, die Jesus kennen, ihn lieben und an ihn glauben.

Jesus sagt bewusst, dass „die Welt ihn nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht.“ Er bleibt der Welt also fremd. Nur die Jünger bekommen ihn geschenkt. „Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ Das ist seine Verheißung.

Jesus wird also an keinen Ort und an kein Land mehr gebunden sein und auch nicht an die Zeit, sondern an die, die an ihn glauben und auf sein Wort hören. Bei ihnen wird man ihn finden. Die Abläufe in der Welt verändern sich durch ihn nicht. Er sucht vielmehr den einzelnen Menschen. Und der muss sich persönlich an seinem Reich beteiligen. Er muss in den Dienst des Geistes treten, ihn suchen und erbitten und ihn auch in sich hinein lassen. Jesus sagt das mit den Worten: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ Und wo das geschieht, ist Jesus da, in dem Menschen, der sich zu im bekennt. Denn er und sein Vater „werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

Das ist die Pfingstbotschaft, die auch an uns gerichtet ist, und das ist gut. Denn wir fragen uns sicher oft, wo Jesus denn heutzutage ist. Dabei ist der Theologiestudent Nils Straatmann nicht der Einzige, der ausprobiert hat, ob er ihn eventuell in seinem historischen Heimatland findet. Viele Christen pilgern dorthin, um die Stätten zu besuchen, an denen Jesus gelebt und gewirkt hat. Es herrscht dort deshalb auch ein reger Tourismus, der natürlich von den Einheimischen gefördert wird. Es gibt überall Souvenirs, die an Jesus erinnern, und an einer Stelle im Jordan kann man sich sogar noch einmal taufen lassen. Viele Pilger geraten dabei in Verzückung und sind zu Tränen gerührt. Angeblich erleben sie die Nähe Jesu.

Aber hat das wirklich etwas mit seinem Geist zu tun? Es wirkt eher wie eine spirituelle Dienstleistung, mit der Geld gemacht wird. Jesus hätte das möglicherweise sogar abgelehnt. Denn es ging ihm um etwas ganz anderes: Um die Liebe und um sein Wort. Und das hat sich nach seinem Abschied zum Glück über Landesgrenzen hinweg ausgebreitet und ist heute auf der ganzen Welt zu hören. Die Macht Jesu und seine Liebe sind universal, sie umspannen den ganzen Erdkreis. Wir können ihn also überall und zu jeder Zeit finden. Es gibt dazu das sehr schöne Lied in unserem Gesangbuch, das mit der Zeile beginnt „der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“. (EG 266) Es steht unter der Rubrik „Ökumene“. Dieses Wort bezeichnet ursprünglich die ganze „bewohnte Erde“, wird aber insbesondere für die „Gesamtheit der Christen“ gebraucht. (Duden) Alle Kirchen und Konfessionen gehören dazu. Das Christentum ist zu einer Weltreligion geworden. Und dadurch gibt es immer irgendeinen Menschen, der sich an Jesus erinnert und seinen Geist in sich trägt. In dem Lied heißt es: „Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht. Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht: Und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.“ (EG 266, 3.4) Das ist der erste Gedanke, der sich aus dem ergib, was Jesus seinen Jüngern verheißt, und was wir zu Pfingsten feiern.

Wenn wir wissen wollen, wo Jesus ist, dann müssen wir also eine ganz andere Reise unternehmen als nach Israel, und zwar die Reise nach innen. Und das heißt, wir müssen in uns hineinschauen und überprüfen, was da los ist. Welcher Geist erfüllt uns? Welche Gedanken bestimmen uns? Woran erinnern wir uns am liebsten? Oft sind wir ein Teil dieser Welt und halten uns an das, was wir in ihr finden. Das sind all die Dinge, die wir sehen und hören, was sich unseren Sinnen darbietet. Aber auch das, was wir planen und tun, gehört dazu, unsere Aktivitäten und Beziehungen. Mit all dem sind wir oft so beschäftigt, dass wir nicht mehr merken, dass es auch noch etwas ganz anderes gibt, nämlich die Gegenwart Christi und seinen Geist. Seine Verheißung fordert uns deshalb auf, uns immer wieder zu entscheiden, was uns erfüllen soll. Wir müssen selber Schritte tun, aufbrechen und gelegentlich die Blickrichtung ändern, weg von dem vielen, das uns umgibt und hin zu dem einen, der uns regiert und in uns wohnen möchte. Er hat uns seine Liebe und sein Wort gegeben, und es ist gut, wenn wir uns darauf einlassen. Oft bedeutet das, dass wir innerlich umkehren, aber es ist sehr verheißungsvoll. Denn wir werden zu etwas sehr Schönem eingeladen. Jesus spricht ja nicht umsonst vom „Tröster“, von einem „Beistand“ und „Fürsprecher“. Wir können ihn empfangen, und das tut gut, denn er erfüllt uns mit neuer Kraft und Zuversicht. Und die ist unabhängig von der Welt. Sie wird uns von Gott geschenkt, der nicht abwesend ist, sondern eigentlich immer darauf wartet, dass wir uns auf diese Weise für ihn öffnen. Das ist der zweite Gedanke.

Und als drittes kann sich dadurch etwas in der Welt verändern. Frieden wird möglich, denn den hat Jesus uns versprochen. Sein Geist ist vor allen Dingen ein Geist der Liebe und des Friedens. Wenn er in uns einzieht, werden wir fähig, von uns selber Abstand zu nehmen, loszulassen und aufeinander zuzugehen. Konflikte und Kriege entstehen ja immer dadurch, dass Menschen für das kämpfen, was sie für das Gute und Richtige halten. Sie wollen ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche durchsetzen, zur Not mit Gewalt. In dem Buch von Nils Straatmann wird das eigentlich am deutlichsten, denn diese Situation ist im Nahen Osten allgegenwärtig. Der Student hat bei seiner Reise sowohl Palästinenser als auch Juden getroffen, und alle haben ihm immer ihre Sicht der Dinge dargestellt. Jeder und jede fühlte sich im Recht und sah in den anderen das Problem. Keiner kam auf die Idee, die eigenen Gedanken einmal zu relativieren und sich in die Gegenseite hineinzuversetzen. Lieber leidet und wartet man auf bessere Zeiten, oder man kämpft und sichert sich ab.

Und so ist es fast immer zwischen Menschen, die in einem Konflikt miteinander leben. Das gibt es ja überall, auch in viel kleineren sozialen Zusammenhängen, wie in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft usw. Wir streiten uns oft, denn es ist schwer, von den eigenen Vorstellungen einmal abzulassen und die Dinge anders zu sehen, als wir es gewohnt sind. Das geht nicht so einfach, denn wir hängen viel zu sehr an unseren Ideen und Wünschen. Aus eigener Kraft schaffen wir das kaum.

Aber genau deshalb hat Jesus uns seinen Geist hinterlassen. Wenn wir ihn in uns hineinlassen, können wir von uns selber absehen, und umgekehrt: Um den Geist Jesu zu empfangen, müssen wir loslassen. Beides gehört zusammen. Und auch wenn das im ersten Moment wie ein Verzicht wirkt, so liegt darin eine ganz große Befreiung: Wir werden befreit zum Lieben und zum wahren Leben. Menschen finden zueinander, die sich vorher feind waren, Konflikte werden beigelegt, Streit wird beendet und Kriege hören auf.

Es lohnt sich deshalb, wenn wir  den Geist Jesu in uns wohnen lassen und friedlich werden. Und es ist gut, wenn wir ihn selber darum bitten, so wie das auch Georg Werner 1638 in seinem Pfingstlied „Freut euch, ihr Christen alle“ tut. (EG 129) Er sagt in der dritten Strophe:

„Verleih, dass wir dich lieben, o Gott von großer Huld, durch Sünd dich nicht betrüben, vergib uns unsre Schuld, führ uns auf ebner Bahn, hilf, dass wir dein Wort hören und tun nach deinen Lehren: das ist recht wohlgetan.“

Amen.

 

Christus ist unser guter Hirte

Predigt über Johannes 10, 11- 16. 27- 30: Jesu Rede über den guten Hirten

2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini, 5.5.2019
Luther- und Jakobikirche Kiel

Johannes 10, 11- 16. 27- 30:

1 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,
13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
15 wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;
28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.
30 Ich und der Vater sind eins.

Liebe Gemeinde.

Der Wolf ist wieder da. Seit einigen Jahren erobern sich die Tiere ihre ursprüngliche Heimat zurück, nachdem sie in Deutschland seit Anfang des 20. Jahrhunderts als ausgerottet galten. Doch in fast allen Bundesländern siedeln sie sich mittlerweile wieder an. Das ist deshalb möglich, weil Wölfe äußerst anpassungsfähig und nicht auf unberührte Wildnis angewiesen sind. Sie kommen in unserer Kulturlandschaft gut zurecht. Naturschutzverbände begrüßen die Wiederbesiedlung Deutschlands durch den Wolf.

Ob das gelingt, ist allerdings von der Akzeptanz und Toleranz durch die Bevölkerung abhängig. Besonders die Halter von Schafen sind da sehr kritisch, denn es gibt immer wieder Übergriffe von Wölfen, die dann ein oder mehrere Schafe reißen. In den Medien erregt das viel Interesse, denn die Debatte darüber ist sehr kontrovers. Dass die Nutztierherden besser geschützt und die Schäfer wirtschaftlich unterstützt werden müssen, ist sowohl den Gegnern als den Befürwortern von Wölfen in Deutschland klar. Angewiesen sind die Wölfe auf die Schafe nicht, denn eigentlich erbeuten sie wilde Tiere. Dass sie sich an Nutztieren vergreifen, ist eher die Ausnahme.

Die gab es allerdings bereits in biblischen Zeiten. Das Verhältnis zwischen Wolf und Hausschaf war offensichtlich schon immer angespannt. Das geht aus vielen Stellen in der Bibel hervor, so auch aus dem Evangelium von heute. Es steht bei Johannes und ist ein Teil der Rede Jesu über „den guten Hirten“. Das ist eine der großen Bildreden, die wir im Johannesevangelium finden. In ihnen offenbart sich Jesus seinen Jüngern mit bildhaften Selbstaussagen. Er bezeichnet sich darin unter anderem als „das Brot des Lebens“ (Joh. 6,35), „das Licht der Welt“ (Joh.8,12) oder „den wahrhaftigen Weinstock.“ (Joh.15,5) Alle diese Bilder sind mit einer Verheißung und einer Einladung an die Hörer verbunden, und so ist es auch in unserem Text: Das Bild ist hier der Hirte, die Verheißung besteht darin, dass er sein Leben für die Schafe hingibt, um sie zu bewahren, und die Einladung ist die, auf seine Stimme zu hören und ihm zu folgen.

Und dieses Bild taucht wie gesagt an mehreren Stellen in der Bibel auf, die berühmteste ist Psalm 23. Dort wird Gott als der gute Hirte bezeichnet, und das beinhaltet viele schöne, romantische Vorstellungen: Von einer „grünen Aue“ und „frischem Wasser“ ist da die Rede, von der „Erquickung der Seele“ und sicherer „Führung“.

Natürlich schwingt diese Idylle auch in der Rede Jesu mit, aber er erwähnt sie bewusst nicht. Was hier genannt wird, klingt vielmehr eher hart und sehr ernst, fast sogar ein bisschen düster. Denn Jesus beginnt gleich mit der Aussage: „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Das wiederholt er nachher sogar noch einmal. Dieser Hirte leidet und stirbt also, er opfert sich selber, und das ist nun gar nicht idyllisch. Jesus redet dann auch im Weiteren erst mal nur von den grausamen Seiten dieses Bildes, denn er erwähnt die Gefahren, denen die Schafe ausgesetzt sind. Dazu gehörte als markantestes Problem offensichtlich der Wolf, der die Schafe zerriss. Das kannten die Menschen. Und es kam wohl nicht selten vor, dass der Schäfer dann floh und die Schafe im Stich ließ. Allerdings geschah das nur, wenn ihm die Herde nicht selber gehörte und er lediglich angestellt war. Er entzog sich einfach den Gefahren und der Verantwortung. Das greift Jesus jedenfalls als Gleichnis auf. In der Lutherübersetzung wird der Lohnarbeiter „Mietling“ genannt. Er „kümmert sich nicht um die Schafe“, wie Jesus sagt.

Er kennt sie ja auch gar nicht richtig, sie bedeuten ihm nichts. Das ist der Punkt, auf den Jesus hier hinaus will. Denn das ist bei dem Besitzer der Schafe anders, und mit ihm vergleicht Jesus sich. D.h. er hat zu denjenigen, die zu seiner Herde gehören, also zu den Menschen, die an ihn glauben, eine lebendige Beziehung. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater.“ Es gibt zwischen ihm und den Gläubigen also eine enge Verbundenheit, die sogar mit der himmlischen Gemeinschaft zwischen Gott und Jesus verglichen wird. Jesus nennt Gott hier seinen Vater, und so wie er und der Vater eins sind, so kommt es auch zu einer geistigen Einheit zwischen ihm und den Gläubigen.

Etwas weiter unten beschreibt er das noch einmal genauer, denn da sagt er: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ Das ist seine Verheißung. Und damit ist die Einladung verbunden, wirklich auf ihn zu hören und ihm nachzufolgen, d.h. ihm zu vertrauen und sich seinem Schutz zu unterstellen. Wir sind aufgefordert, uns der Herde Jesu anzuschließen und uns von ihm führen zu lassen.

Sicher versuchen wir das auch, denn uns gefällt das Bild von dem guten Hirten. Aber möglicherweise fragen wir uns manchmal, ob das überhaupt etwas bringt. Vor welchen Gefahren beschützt Jesus uns denn? Was kann er und was tut er? Ist er tatsächlich da? Wir sind doch unzähligen Notlagen ausgesetzt, gegen die er nichts unternimmt. Es kommt uns oft so vor, als ob er sich gar nicht wirklich um uns kümmert. Denn auch wenn wir an Jesus glauben, ist das Leben häufig sehr leidvoll. Es kann z.B. eine schlimme Krankheit sein, die uns befällt. Oder eine Naturkatastrophe bricht über uns herein. Wir sehen gerade in Mozambique, wieviel Leid das verursacht. Auch Krieg und Ungerechtigkeit verhindert Jesus nicht, im Gegenteil, es werden mehr Christen verfolgt und getötet als Gläubige aus anderen Religionen. „Wölfe wüten“ in ihren Reihen, und Jesus scheint davor zu „fliehen“. Was sollen wir also mit dem Bild von dem angeblich „guten Hirten“ anfangen? Das fragen wir uns. Wir zweifeln an seiner Wahrheit.

Deshalb müssen wir darüber nachdenken, wie es gemeint sein kann, und dazu sind mir drei Punkte eingefallen.

Zunächst einmal sollten wir erkennen und zugeben, dass es nicht nur äußere Gefahren gibt, die unser Leben bedrohen und zerstören können. Es gibt auch „innere Wölfe“, die uns von innen her zerreißen. Das sind all unsere negativen Eigenschaften und Kräfte. Zu jeder äußeren Bedrohung gibt es immer ein inneres Gegenstück: Bei einer Krankheit sind es die Angst und die Sorge, bei Krieg und Katastrophen die Bitterkeit und der Groll, bei schweren Verlusten die Traurigkeit und Schwermut usw. Aber auch unsere Begierden gehören zu den Gefahren von innen: Es kann ein unstillbarer Drang nach einem Menschen sein, der gar nicht mit uns zusammen sein will, eine Besessenheit. Ebenso zählt eine Abhängigkeit dazu, ein schweres Laster oder eine Sucht, und vieles mehr. Unser Leben ist von unzähligen inneren Nöten bedroht, unsere Seele ist ständig in Gefahr, zerrissen zu werden.

Und vor all dem kann Jesus uns durchaus bewahren. Wir müssen nur auf seine Stimme hören und ihm folgen, ihm vertrauen und mit seiner Kraft rechnen. Anstatt uns den negativen Kräften hinzugeben, können wir zu ihm rufen und ihn um seinen Beistand bitten. Er kümmert sich dann um uns, er läuft nicht weg, sondern passt auf uns auf. Er verscheucht die negativen Gedanken und Gefühle. Wir werden nicht von innen her zerrissen, sondern durch seine Liebe und Gegenwart geheilt. Der „Wolf“ wird kontrolliert und verzieht sich irgendwann. Das ist das erste, was unser guter Hirte Jesus machen kann.

Als zweites müssen wir beachten, dass er uns kein problemfreies irdisches Leben verspricht, darum geht es hier gar nicht. Es geht ihm vielmehr um die Ewigkeit. In erster Linie wird Jesus die Seinen nicht in diesem Leben hier auf Erden versorgen, er gibt ihnen vor allem Anteil an der himmlischen Welt. Er versteht sich selbst als ein Gesandter der Ewigkeit und da will er die Seinen hinein holen, in das Reich Gottes, das grenzenlos ist.

Die Verheißung Jesu reicht also viel weiter, als ein liebliches Idyll. Er ist in das Leid der Menschen hinabgestiegen, er hat es auf sich genommen und sein Leben geopfert, damit wir in Ewigkeit leben. Er ist für uns gestorben und auferstanden, damit wir mit Gott verbunden werden. Und Gott „ist größer als alles“, das betont er hier. Niemand kann deshalb die Schafe „aus des Vaters Hand reißen“. Wenn sie einmal mit dem Vater verbunden sind, der größer als alles ist, dann sind sie bis in alle Ewigkeit gerettet. Das ist seine Verheißung.

Jesus denkt also an noch viel mehr, als an grüne Wiesen und frisches Wasser, und das ist auch realistisch. Damit wird er dem Leben viel eher gerecht. Denn was nützt die ganze Versorgung, wenn am Ende doch der Tod siegt? Wir brauchen tatsächlich noch mehr, als nur den Traum von einer schönen Landschaft, in der wir behütet werden. Wir brauchen eine Perspektive und eine Hoffnung, die über den Tod hinausweist. Nur dann werden wir in der Tiefe unserer Seele wirklich frei und ruhig. Und genau das schenkt Jesus uns. Das ist der zweite Punkt.

Und als drittes tut Jesus etwas, das er in unserem Text folgendermaßen anspricht: „Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“ Um das zu verstehen, müssen wir uns folgendes in Erinnerung rufen: Die christliche Mission fing in den Synagogen und in der jüdischen Gemeinde an. Die ersten Christen waren demnach Juden, also Menschen, die an die Verheißung Gottes glaubten, das auserwählte Volk zu sein. Und für sie war es nicht selbstverständlich, dass das Evangelium von Jesus Christus allen galt, auch denen, die vorher keine Juden waren, sondern aus ihrer Sicht eben Heiden. An mehreren Stellen im Neuen Testament wird aber genau das betont: Dass alle Menschen auf der Welt zum Heil berufen sind. Die Kirche Gottes kennt keine Grenzen, sie ist weltweit und wird aus Menschen aller Völker und Nationen zusammengesetzt. Und genau diese Behauptung taucht hier innerhalb der Rede Jesu auf. Er meint mit „den anderen Schafen“ die „Heidenchristen“. Sie werden zusammen mit den „Judenchristen“ die eine Kirche Gottes bilden.

Was der gute Hirte stiftet, ist also eine Gemeinschaft, die völlig unabhängig von jedem menschlichen Zusammengehörigkeitsgefühl ist. Niemand muss vorher schon irgendetwas besonderes sein, es gibt keine Bedingungen, an die sich das Heil anknüpft. Wer sich Jesus anvertraut, gehört vielmehr dazu. Und dadurch werden Menschen verbunden, die einander vorher fremd waren. Der gute Hirte stiftet Frieden und überwindet Grenzen und Intoleranz. Das ist das dritte, was er kann und bewirkt.

Es ist also durchaus sinnvoll, dass wir ihm vertrauen und an ihn glauben. Die Vorstellung von Jesus als dem guten Hirten ist keineswegs unrealistisch. Er bannt vielmehr tatsächlich die Gefahren, denen wir in diesem Leben ausgesetzt sind: Den Gefahren von innen, der Gefahr einer ewigen Verlorenheit und der Gefahr des Unfriedens in der Gemeinde. All diese „Wölfe“ werden vertrieben oder kontrolliert. Sie müssen sich unter seine Macht beugen und haben keine Möglichkeit mehr, das Leben zu zerstören.

Amen.

 

 

 

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Das himmlische Erbe

Predigt über 1. Petrus 1, 3- 9: Lebendige Hoffnung

1. Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti
28.4.2019, 9.30 Uhr, Lutherkirche Kiel

In dem Gotttesdienst wurde eine Jugendliche getauft.

1. Petrus 1, 3- 9

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,
4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,
5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.
6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,
7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.
8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,
9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Liebe Gemeinde.

Die meisten Menschen erben etwas, wenn ihre Eltern oder nahe Angehörige verstorben sind. Oft rechnen sie sogar damit, weil schon vorher darüber gesprochen wurde. Viele Eltern wollen ihren Kindern auch gerne etwas hinterlassen, das für diese dann einen Wert hat. Das kann ein Haus sein, Geld oder Gold oder anderes Vermögen. Es freut die Erben normalerweise, denn sie können damit in der Regel etwas Sinnvolles anfangen.

Ein Erbe kann allerdings auch Nachteile haben. Wenn ein Mensch nur Schulden hinterlässt, ist es z.B. ratsam, es nicht anzutreten. Eine weitere traurige Begleiterscheinung eines Erbes ist nicht selten Streit in der Familie. Irgendeiner aus der Erbengemeinschaft fühlt sich ungerecht behandelt, und es kommt zu bitteren Zerwürfnissen. Und schließlich müssen wir noch berücksichtigen, dass ein Erbe – wie alle materiellen Güter – der Vergänglichkeit unterworfen ist. Geld zerrinnt, wenn wir es ausgeben, und Häuser verfallen, wenn wir sie nicht pflegen. Wir begrüßen es zwar, wenn wir etwas Schönes oder viel erben, aber für ewig glücklich macht es uns nicht.

Daran dachte der Verfasser des ersten Petrusbriefes, als er schrieb, dass die Christen ein ganz anderes Erbe antreten, als andere Menschen, nämlich „ein unvergängliches und unbeflecktes und unverwelkliches Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel.“ Wenn wir an Christus glauben, treten wir also ein Erbe an, das unzerstörbar und vollkommen ist. Wir bekommen etwas, das uns keiner mehr wegnehmen kann und ewig halten wird. Es liegt für uns im Himmel, d.h. es ist unsichtbar, aber es hat einen Wert, der alles andere weit übersteigt. Jesus Christus hat es für uns hinterlassen, und zwar mit seiner Auferstehung. Er hat den Tod überwunden, er lebt und regiert in Ewigkeit, und daran bekommen wir alle Anteil. Wir erben durch ihn das ewige Leben. Wir müssen nur daran glauben und auf ihn vertrauen, das wird in dem Briefabschnitt weiterhin deutlich.

Es ist der Anfang des ersten Petrusbriefes, eine Art Loblied, in dem Gott für seine „große Barmherzigkeit“ gepriesen wird. Es war in neutestamentlicher Zeit üblich, Briefe mit so einem Dank zu beginnen. Der Schreiber, der sich Petrus nennt, wahrte also die Form. Doch das war nicht der einzige Grund für diesen Briefanfang. Er wollte mit dem, was er hier sagt, außerdem den Glauben derjenigen stärken, an die er schrieb.

Es waren Christen der sogenannten zweiten Generation, d.h. sie waren Jesus Christus nicht persönlich begegnet, sondern durch die Predigt der Apostel zum Glauben an ihn gekommen. Sie hatten „ihn lieb und glaubten an ihn, obwohl sie ihn nicht gesehen haben“, wie es heißt. Sie hatten sich also für Christus entschieden, und das war am Anfang mit viel Freude verbunden. Wir wissen aber, dass das Glücksgefühl dieser Menschen nicht lange dauerte, denn sie gerieten bald in Bedrängnis. Von vielen Außenstehenden wurden sie verdächtigt, geschmäht, angeklagt und sogar vor Gericht gestellt, und so waren sie „traurig in mancherlei Anfechtungen“.

Das hat der Schreiber des Petrusbriefes vor Augen, und er will den Christen Mut machen. Sie sollen sich von ihrem neuen Bekenntnis nicht abbringen lassen, auch wenn sie deswegen verfolgt werden. Dazu erinnert er sie an Gottes Handeln in Jesus Christus. Es war gut, dass sie sich darauf eingelassen hatten, denn sie haben dadurch einen neuen Daseinsgrund. Das wesentliche Merkmal ihrer Existenz ist nicht mehr die Angst vor dem Tod, sondern „der Seelen Seligkeit“, wie er es formuliert.

Der Verfasser stellt den Christen also die Ewigkeit vor Augen. Er lässt das himmlische Erbe in ihrem Geist lebendig werden, und damit will er sie zum Durchhalten motivieren. Die Anfechtungen sind eine Prüfung, durch die ihr „Glaube als echt und viel kostbarer befunden wird als das vergängliche Gold.“ Das Leid ist kein Grund, vom Glauben wieder abzufallen. Es ist vielmehr eine Bewährungsprobe, mit der seine Echtheit festgestellt wird. Es dauert auch nur „eine kleine Zeit“ im Vergleich zur Ewigkeit, die auf sie wartet. Gott wird sie durch seine „Macht bewahren“ und „dann werden sie sich freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude“. Sie werden dabei sein, wenn „Jesus Christus offenbart wird“. Und das alles ist wie „eine neue Geburt“, die eine lebendige Hoffnung begründet.

Die Botschaft lautet hier also: Durch die Auferstehung Jesu Christi haben alle, die an ihn glauben, eine ewige Zukunft. Ihnen wird ein neues Dasein geschenkt, das im Tod nicht aufhört, es geht weiter. Die Freude des Heils ist zeitlos und weist über alles Irdische hinaus. Diese schöne Verheißung gilt bis heute allen Gläubigen, sie ist also auch an uns gerichtet: Wir werden mit Christus auferstehen, weil wir durch die Barmherzigkeit Gottes zu einem neuen Leben wiedergeboren werden.

Die Frage ist allerdings, was das für unsere Lebensführung bedeutet. Freuen wir uns darüber wirklich? Wie können wir diese Hoffnung denn gewinnen und behalten? Vieles in der Welt und in der Menschheit ist so schlimm und bedrückend, dass wir sie manchmal verlieren. Wir können die Probleme, die es in unserer Zeit gibt, auch nicht einfach durch den Glauben herunterspielen. Sie behalten ihre Macht und stellen solche Verheißungen, wie wir sie hier hören, in den Schatten.

Wir finden es oft am besten, selber etwas zu tun. Das zeigt ihr Jugendlichen uns gerade mit euren Demonstrationen „Fridays für Future“. Du, Clara, machst da auch mit. Ihr wollt, dass etwas geschieht, damit – in diesem Fall – der Klimawandel gestoppt wird.

Und das ist auch richtig. Natürlich müssen wir alles tun, was wir können, damit die Welt und die Menschen gerettet werden. Jeder und jede muss ihre Gaben und Fähigkeiten einbringen, Zeit und Geld investieren, Ideen entwickeln und sich engagieren, damit das Leiden weniger wird.

Aber das allein reicht nicht, denn unser Handeln wird immer unvollkommen bleiben, und das wissen wir auch. Alles, was wir erreichen und aufbauen, kann aufhören, es ist vergänglich und brüchig. Wir werden oft enttäuscht, verlassen, betrogen oder hintergangen. Unsere Leistungsfähigkeit lässt im Laufe des Lebens nach. Und so sind wir über weite Strecken des Lebens gar nicht zuversichtlich und hoffnungsvoll, sondern traurig, ärgerlich oder erschöpft. Auch Angst und Sorge sind ständige Begleiter. Und am Ende macht uns das Sterben zu schaffen. So lange es geht, verdrängen wir es, aber es kommt, und es ist unausweichlich. Dann erleben wir, wie unsere Kräfte schwinden und der Körper zerfällt. Und das ist eine Not, auf die es keine Antwort gibt. Das kann kein Mensch durch Demonstrationen ändern.

Es ist deshalb wichtig, dass wir nicht ausschließlich diesseitig denken, dass unsere Lebensinhalte nicht nur weltlich und irdisch sind und damit ein Verfallsdatum haben. Das ist der erste Schritt, der uns zum Glauben und zu einer ewigen Hoffnung führen kann: Wir müssen ehrlich und realistisch sein und unsere Grenzen erkennen.

Als zweites ist es dann wichtig, dass wir die Beziehung zu Gott, von der die Bibel redet, auch leben und seine Barmherzigkeit annehmen. Es liegt an uns, ob wir das Erbe antreten, das er für uns bereit hält. Wir müssen uns für den neuen Daseinsgrund entscheiden, den wir durch den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi gewinnen können, und uns darauf verlassen, dass es etwas gibt, das ewigen Bestand hat, das nicht von dieser Welt und damit auch nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist. Und das heißt, wir sind eingeladen, unsere Sichtweise und unser Bewusstsein zu ändern. Die irdischen Nöte können uns den Blick versperren und die himmlische Verheißung in den Schatten stellen, aber es kann auch genau anders herum verlaufen: Wir vertrauen auf die großartige Perspektive, die das Evangelium uns schenkt, und dadurch wird alles andere zweitrangig und verliert seine Schrecken.

Unser Lebensgefühl wandelt sich, wenn wir diesen Richtungswechsel vollziehen, es ist dann bestimmt von der neuen Wirklichkeit, die Jesus Christus heraufgeführt hat. Das ist der dritte Schritt, und der erfolgt bereits bei der Taufe. Da werden wir mit dem Auferstandenen verbunden und von Gott her „neu geboren.“ Unser Leben besteht dadurch aus noch viel mehr als aus unseren Taten und Erfolgen. Auch unser Geld oder Gold muss uns nicht bestimmen, denn wir erben die himmlische Zukunft und lassen uns davon prägen. Das Heil Gottes wird bei der Taufe in unser Inneres eingesenkt. Unser Leben ist in Jesus Christus begründet, in seiner Auferstehung und in der Ewigkeit.

Nicht umsonst sind die Taufkleider traditionsgemäß weiß. Das ist deshalb passend, weil die Farbe Weiß im Zusammenhang mit Freude steht. Sie symbolisiert außerdem Unschuld und Reinheit, ebenso Unsterblichkeit und Unendlichkeit, all das, was über das Erbe im Himmel in unserem Briefabschnitt ausgesagt wird. Und das passt zur Taufe, weil sie wie eine neue Geburt ist, nach der der Mensch unschuldig und rein ist. Auch das ewige Leben wird ihm in der Taufe geschenkt. So heißt es in einem Lied über die Taufe: „Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater mich erklärt.“ (EG 200, 2)

Es ist deshalb ganz schön, dass du, Clara, dich heute taufen lassen willst. Du bist bereits alt genug, um all das zu beherzigen, was dir damit geschenkt wird. Du kannst dich in dem Bewusstsein üben, dass Gott bei dir ist. Dann empfängst du jeden Tag aufs Neue Zuversicht und Trost. Eine gute Praxis ist dafür das regelmäßige Wiederholen des christlichen Bekenntnisses. Es ist gut, Gott immer wieder zu loben und ihm für „seine große Barmherzigkeit“ zu danken. Dann wird die Hoffnung lebendig, und die „Auferstehung Jesu Christi“ bleibt aktuell. Sie verleiht dir die Kraft zum Handeln, lässt dich durchhalten, auch wenn es einmal leidvoll wird. Freude und Jubel bleiben dir erhalten.

Es ist deshalb eine alte und sehr sinnvolle Tradition, dass der Taufsegen die Zusage des ewigen Lebens enthält. Die klassische Formulierung lautet: „Der allmächtige Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der dich von neuem geboren hat durch das Wasser und den heiligen Geist und dir alle deine Sünde vergibt, der stärke dich mit seiner Gnade zum ewigen Leben.“ Auch Säuglingen wird dieser Segen gegeben, d.h. sie werden bereits bei der Taufe in die Wirklichkeit hineingenommen, die auch nach dem Tod noch da ist. Durch ihre Taufe legen wir den neuen, ewigen Daseinsgrund, und der trägt bis zum Ende. Deshalb gilt auch das Umgekehrte: Bei der Grablegung erinnern wir an die Taufe mit folgenden Worten: „Gott vollende an dir, was er dir in der Taufe geschenkt hat und gebe dir Anteil an seiner Herrlichkeit“. So kommt zum Ausdruck, dass das ganze Leben von der Taufe bis zum Tod wie ein großer Bogen ist, der sich unter der Barmherzigkeit Gottes auspannt.

Lasst uns deshalb dankbar dafür sein, dass wir getauft sind, und unsere Freude darüber mit dem Lied zum Ausdruck bringen, aus dem ich eben schon einen Satz zitiert habe:

„Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott, Vater, Sohn und Heilger Geist.“ (EG 200)

Amen.

„Ich habe den Herrn gesehen!“

Predigt über Johannes 20, 11- 18: Maria Magdalena sieht den  Auferstandenen

Ostersonntag, 21.4.2019, Luther- und Jakobikirche Kiel

Liebe Gemeinde.

„Welchen Namen hat das Kind?“ Das fragen wir am Taufstein noch einmal, kurz bevor wir ein neugeborenes Kind taufen. Das hängt damit zusammen, dass die Namensgebung und die Taufe meistens in einem engen zeitlichen Rahmen liegen. Die Taufe ist dadurch so etwas wie ein Namensgebungsritual geworden. Wir denken dabei auch an das „Buch des Lebens“, das in der Offenbarung des Johannes erwähnt wird. Am Ende der Zeiten wird es aufgeschlagen, und dann werden die gerettet, deren Namen darin aufgeschrieben sind, und das geschieht bei der Taufe. (Off.17,8; 20,15) An ihren Namen werden die Menschen erkannt, und dazu sind Namen ja auch da.

Sie geben einer Person ihre Identität und sind eng mit dem jeweiligen Individuum verbunden. Wenn wir den Namen von jemandem nennen, der anwesend ist, dann meinen wir ihn auch. Wir wenden wir uns ihm zu, geben ihm Aufmerksamkeit und wollen etwas von ihm. Er soll auf uns hören und sich auch uns zuwenden. Es kann sein, dass wir ihn warnen wollen, ihm drohen, belehren oder ermahnen. Es kann aber auch liebevoll und freundlich gemeint sein, wenn wir jemanden bei seinem Namen nennen, und Zuneigung und Nähe ausdrücken.

In einer der Ostererzählungen war letzteres der Fall. Sie handelt von Maria Magdalena und Jesus, und beide sagen den Namen des jeweils anderen voller Wohlwollen und Zärtlichkeit. Sie steht im Johannesevangelium und berichtet von der ersten Erscheinung des Auferstandenen:

Johannes 20,11- 18:

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab
12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.
13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.
15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.
16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!
17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

Im Mittelpunkt dieser Erzählung steht Maria Magdalena. Das war eine Frau, die sich zu Jesu Lebzeiten dem Jüngerkreis angeschlossen hatte. Sie war eng mit Jesus befreundet gewesen. Es gibt sogar die Meinung, dass sie seine Geliebte war. Auf jeden Fall war sie wie alle anderen, die ihm nahe gestanden hatten, nach seinem Tod tief traurig und erschüttert. Sie hatte jemanden verloren, der ihr sehr viel bedeutet hatte.

Deshalb will sie den Leichnam Jesu noch einmal besuchen, solange das möglich ist, und geht – mit Tränen in den Augen – am Sonntag nach seiner Hinrichtung, also zwei Tage später zu seinem Grab. Dort erlebt sie dann allerdings etwas ganz anderes, als sie erwartet hat. Das Grab ist offen, und sie schaut hinein. Und nun kommt die Überraschung: Der, den sie sucht, ist nicht da. Stattdessen erblickt Maria zwei Engel, mit denen sie in ein Gespräch über das leere Grab kommt. Doch bevor die Engel ihr sagen, wo Jesus ist, dreht sie sich um und sieht ein drittes Mal etwas: Hinter ihr steht ein Mann. Auch der spricht sie an und fragt, warum sie weint. ,Das ist der Gärtner‘, denkt sie, ,und der wird mir sagen können, wo der Leichnam Jesu geblieben ist.‘ Doch das ist ein Irrtum, denn in Wirklichkeit steht der lebendige Jesus vor ihr, sie erkennt ihn nur nicht. Und nun kommt die Schlüsselszene der Erzählung: Jesus nennt Maria bei ihrem Namen. Das ist ein beeindruckender Moment, durch den sich alles ändert, denn jetzt sieht Maria ihn, Jesus. Er ist nicht tot, sondern er lebt! Voller Ehrfurcht und Liebe spricht auch sie ihn an und nennt ihn „mein Meister“.

Am liebsten möchte sie ihn anrühren, ihn wahrscheinlich umarmen, aber das will er nicht. Denn Jesus ist nicht mehr so, wie früher. Er ist der Auferstandene, der sich nur zeigen will, den sie sehen soll. Das ist alles. Er wird sie wieder verlassen, weil er zu seinem Vater geht. Aber sie soll Gewissheit haben, dass er lebt, deshalb offenbart er sich ihr. Und er gibt ihr den Auftrag, den Jüngern von diesem Erlebnis zu berichten. Das tut sie auch, und in dem Satz, den sie ihnen sagt, „Ich habe den Herrn gesehen“, kommt zum Ausdruck, dass sie nicht nur etwas erblickt hat, sie hat auch etwas erkannt und begriffen. Maria geht in dieser Geschichte also durch einen Prozess: Erst guckt sie hin, dann sieht sie jemanden, danach erkennt sie und am Ende hat sie verstanden und glaubt.

Dabei ist es eine schöne Einzelheit, dass Maria Jesus zuerst nicht wiedererkannte, weil sie gar nicht damit rechnete, dass er da sein könnte. Sie begriff das erst, nachdem er sie angesprochen und ihren Namen genannt hatte. Und das tat er nicht ärgerlich oder belehrend, sondern liebevoll und zugewandt. Er redete sie ganz persönlich an, stellte eine Beziehung her, in der sie vorkam. Und dadurch wurden ihre Augen geöffnet. Sie erkannte ihn nicht nur an seiner Stimme, sondern alles, was sie mit ihm erlebt hatte, ihre gegenseitige Liebe und Freundschaft kam in dieser Anrede vor. Es fiel ihr wieder ein, und dadurch wusste sie, wen sie da vor sich hatte. Sie weinte daraufhin nicht mehr, sondern ging fröhlich zu den Jüngern.

Und diesen Prozess können auch wir durchlaufen, wenn wir zum Glauben an den Auferstandenen kommen wollen. Wir haben als aufgeklärte Menschen ja so unsere Probleme mit der Auferstehung. Hat es das wirklich gegeben, und überzeugen uns die Berichte aus den Evangelien? Wir halten sie für unwahrscheinlich und zweifeln daran, dass Jesus wieder lebendig wurde.

Dabei würden wir das wahrscheinlich gerne glauben, denn gerade die Ostererzählungen enthalten eine sehr frohe Botschaft. Sie verkünden uns, dass der Tod besiegt ist. Sie wollen uns eine Hoffnung geben, die über die innerweltliche Hoffnung hinausweist. Uns wird der Weg in eine Zukunft gewiesen, die eine ganz andere Qualität hat, als die zeitliche. Sie bleibt nicht horizontal und auf das Diesseits gerichtet, sondern ist vertikal und transzendent. Und das klingt faszinierend und schön.

Wir sehnen uns danach auch, denn oft ist dieses Leben dunkel und voller Leid. Auch wir kennen Traurigkeit und Tränen. Wir haben Angst vor vielem, das uns bedroht. Die Vergänglichkeit macht uns zu schaffen, wir kommen oft nicht klar. Bosheit und Unsicherheit, Krankheit und Schwermut, Enttäuschung und Einsamkeit und vieles mehr verdunkeln unser Dasein immer wieder. Wir suchen eine Zuversicht und ein Vertrauen, das tiefer geht, als die vielen oberflächlichen Tröstungen, die es so gibt.

Denn die reichen oft nicht. Ob wir Abwechslung suchen und uns zerstreuen, Medikamente nehmen oder eine Therapie machen, vieles von dem hat keinen bleibenden Erfolg. Wir brauchen eine Antwort auf unsere Lebensfragen, die uns durch alles Leid hindurch trägt, die dauerhaft ist und nicht so schnell wieder verblasst. Wir sehnen uns nach Erlösung. Und genau die verspricht uns die Osterbotschaft. Hier wird uns eine Hilfe zugesagt, die größer ist, als alles andere. Es würde sich also lohnen, daran zu glauben. Lasst uns deshalb fragen, wie wir dahin kommen können. Die Geschichte von Maria Magdalena gibt uns dafür ein paar sehr schöne Hinweise.

Zunächst einmal sagt sie uns, dass Jesus selber dafür sorgt, dass wir ihn erkennen und ihm vertrauen. Er steht längst hinter uns, wir müssen uns nur umdrehen und hinsehen. Und auch wenn wir nicht sofort wahrnehmen, dass er da ist, so erkennt er uns auf jeden Fall. Er weiß, wer wir sind und spricht uns an. Wir müssen selber gar nicht viel dazu tun.

Das ist im Glauben oft unser Irrtum: Wir meinen, er kommt durch unsere Aktivität und unser Denken zu Stande. Wir entwickeln bestimmte Theorien und Ideale, über die wir dann diskutieren und nach denen wir vielleicht auch handeln. Und das ist ja auch nicht schlecht. Wirklich an den Auferstandenen zu glauben, geht jedoch weit darüber hinaus. Denn entscheidend ist nicht das, was wir machen oder denken, sondern das, was Jesus tut. Es geht nicht um unsere Taten, sondern um das, was wir geschenkt bekommen und was an uns geschieht.

Das einzige, was wir dazu beitragen können, ist, dass wir uns bereit halten, uns darauf vorbereiten. Das hat Maria auch getan, indem sie zum Grab ging. Sie sehnte sich nach Jesus, und das ist für uns genauso wichtig, dass wir nach der Gegenwart Jesu verlangen und mit ihm zusammen sein wollen. Wir müssen nach ihm suchen und nach ihm fragen und dabei unsere eigenen Vorstellungen von ihm ablegen. Wir dürfen uns überraschen lassen.

Und dazu müssen wir uns einfach nur umwenden. Maria tut das hier gleich zweimal, einmal, als sie merkt, dass da jemand hinter ihr steht, und dann noch einmal, nachdem Jesus ihren Namen genannt hat. Das ist eigentlich unlogisch, aber gerade daran wird deutlich, dass dieses Umwenden im übertragenen Sinn gemeint ist: Wenn wir Jesus erkennen wollen, müssen wir uns immer wieder umdrehen, d.h. uns von unseren üblichen Gedankengängen wegwenden und unsere Blickrichtung verändern. Bildlich gesprochen, dürfen wir nicht zu lange ins Grab gucken, d.h. in das Düstere, den Tod und die Gefahr. Es gilt, den Bick davon abzulenken und dahin zu schauen, von woher die Zuversicht kommen kann.

Das ist als letztes wichtig, dass wir auf Jesus blicken und auf seine Stimme hören. Er nennt auch uns bei unserem Namen, er spricht auch uns an, und das ist in sich selber sinnvoll und schön. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir geliebt und gesehen werden und bei Gott vorkommen. Unsere Namen sind längst in sein Buch geschrieben. Es reicht, wenn wir das annehmen und uns darüber freuen. Dann entsteht auch bei uns die Gewissheit, dass Jesus auferstanden ist, dass er lebt und bei uns ist. Es ist keine leibliche Begegnung, die dadurch zu Stande kommt. Wir können Jesus genauso wenig anrühren, wie Maria, denn er ist nicht Raum und Zeit unterworfen. Aber Seele und Geist werden erfüllt von der Ewigkeit, und das ist befreiend und heilsam.

Spätestens bei unserer Taufe fängt das alles an. Sie ist eng mit Ostern verknüpft und erhält von daher ihren Sinn. Wir empfangen ewiges Leben von Gott und werden unter seinen Schutz gestellt. Es ist deshalb ein schöner Brauch, dass in der Osternacht Menschen getauft werden.

In Luther:

Das war in der Alten Kirche so, und heute passiert es ebenfalls in vielen Gemeinden. Die Taufe ist wie Ostern ein Zeichen des Neubeginns und der Auferstehung. Gott erkennt uns dabei, er nennt unsere Namen und verbindet sie mit dem Namen des auferstandenen Christus. Seit unserer Taufe ist der lebendige Gott bei uns und begleitet uns durch unser ganzes Leben, wir müssen nur immer wieder auf ihn schauen.

Amen.

Seht, welch ein Mensch!

Predigt über Johannes 18, 28- 19, 5: Jesus vor Pilatus

5. Sonntag der Passionszeit, Judika, 7.4.2019
9.30 und 11 Uhr, Luther- und Jakobikirche Kiel
„Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Schöpfung“

Der fünfte Sonntag in der Passionszeit hat den Namen „Judika“. Das ist das lateinische Wort für „Schaffe mir Recht“, mit dem Psalm 43 beginnt. Die ersten beiden Verse daraus lauten: „Schaffe mir Recht, o Gott, und errette mich! Denn du bist der Gott meiner Stärke.“ In der kirchlichen Tradition ist das die Antiphon (dt.: Vorton) zu dem Wochenpsalm. Dieser Sonntag thematisiert also in besonderer Weise Recht und Gerechtigkeit. Deshalb schlägt die Nordkirche seit vier Jahren vor, die Gottesdienste unter das Motto zu stellen: „Auf dem Weg zur Gerechtigkeit“. In diesem Jahr stehen die Klimagerechtigkeit und die Schöpfung dabei im Mittelpunkt. Wir haben uns dem Vorschlag heute angeschlossen und bedacht, was Gott in diesem Zusammenhang von uns will und wozu er uns befähigt.

Johannes 18, 28- 19, 1

18 28 Da führten sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten.
29 Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor?
30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet.
31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten.
32 So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.
33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden?
34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben dir’s andere über mich gesagt?
35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan?
36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.
37 Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?
Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
39 Es besteht aber die Gewohnheit bei euch, dass ich euch einen zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden losgebe?
40 Da schrien sie wiederum: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.
19 1 Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.
2 Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an
3 und traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht.
4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde.
5 Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!

Liebe Gemeinde.

„Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass alle Geschöpfe Gottes, Mensch und Tier, heute und in Zukunft den Lebensraum haben, den sie benötigen, um sich entfalten zu können.“ Das ist eine von vielen Antworten auf die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet, die zur Vorbereitung auf diesen Sonntag gesammelt wurden. Jan Christensen hat das gesagt, der Pastor für Umweltfragen der Nordkirche. Und er hat damit sehr schön auf den Punkt gebracht, wie Gerechtigkeit und Schöpfung zusammengehören. Man hört aus seinem Satz auch sofort die Klage heraus, dass das leider sehr oft missachtet wird: Wir zerstören den Lebensraum anderer mit unserem Verhalten.

Und das ist nicht erst heutzutage so. Die ganze Menschheitsgeschichte ist von unendlich viel Ungerechtigkeit durchzogen, es scheint ein nie endendes Problem zu sein. So ging es auch im Prozess gegen Jesus sehr ungerecht zu, das wird deutlich, wenn wir folgende Antwort beachten: „Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass jeder Mensch dieselbe Wertschätzung und denselben Respekt erfährt.“ Das ist die Erklärung von Nina Golde, der Verantwortlichen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Ökumenischen Forum in der Hafencity in Hamburg.

Genau darum scherten sich nämlich die Ankläger und Entscheidungsträger im Gerichtsverfahren gegen Jesus kein bisschen. Anstatt von „Wertschätzung und Respekt“ ließen sie sich von Macht und Gewalt leiten. Das bezeugt die johanneische Schilderung vom Prozess Jesu vor Pilatus. Dieser Ausschnitt aus der Leidensgeschichte Jesu ist im Blick auf die Ungerechtigkeit, zu der Menschen in der Lage sind, zutiefst deprimierend. Was passierte hier?

Jesus wurde am Morgen nach seiner Gefangennahme und dem Verhör vor dem Hohenpriester zu der politischen und gerichtlichen Behörde in Jerusalem gebracht, dem Prätorium. Es war die Residenz des Provinzstatthalters Pilatus, der gleichzeitig der oberste römische Richter in Judäa war. Zum Passahfest war er nach Jerusalem gekommen, weil er dort wegen der großen Menschenmengen Unruhen befürchtete. „Bloß kein Aufruhr!“, das war sein Ziel.

Doch das erreichte er nicht, denn es gab schon ein großes Problem: Einige Oberpriester und Diener, die vom Hohenpriester beauftragt worden waren, hatten Jesus öffentlich angeklagt, und die Menschen in der Stadt waren bereits aufgebracht. Alle verlangten von Pilatus, Jesus zu verurteilen.

Für den römischen Statthalter war das eine innerjüdische Streitigkeit, die er möglichst schnell los werden wollte, eine lästige Angelegenheit. Recht und Gerechtigkeit interessierten ihn in diesem Fall gar nicht, sonst hätte er die Klage führenden Männer abgewiesen. Doch das tat er nicht, er spielte stattdessen seine Macht aus. Dafür gab er sich weltmännisch und suchte zunächst das gepflegte Gespräch mit dem Gefangenen. Es ging um die Frage der Wahrheit. Die Antworten Jesu erschienen ihm zwar rätselhaft, aber nicht gefährlich. Er ging zwischen dem Angeklagten und den Anklägern hin und her, und bekundete dann vor ihnen: „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Doch anstatt dabei zu bleiben und Jesus freizulassen, wollte er sich bei denen, die am lautesten schrien, beliebt machen. Er war in dem Drama ein schwacher Regent, ein lächerlicher Statthalter, der nicht den Mut aufbrachte, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Und so überließ er Jesus, der ihm augenscheinlich völlig egal war, seinen Soldaten. Sie konnten mit ihm tun, was sie in ihrer Einfalt wollten. Spott und rohe Gewalt fielen ihnen ein. Sie kosteten ihren Freibrief zur Erniedrigung des Wehrlosen aus. Einen Kranz aus Dornen setzten sie ihm, der König sein sollte, auf den Kopf, und legten ihm einen purpurnen Mantel um. Sie verspotteten ihn und mit ihm als Königskarikatur das jüdische Volk, und schlugen ihm ins Gesicht.

Derart misshandelt führte Pilatus ihn dann nach draußen vor das Prätorium. Wieder sagte er: „Ich finde keine Schuld an ihm“, doch erneut blieb das ohne Folgen. Pilatus, der sich stark und weise zeigen wollte, wirkte mit jedem Schritt und jedem Wort schwächer und einfallsloser.

Jesus dagegen sagte am Ende nichts mehr. Er erduldete, was ihm angetan wurde, und darin lag keine Schwäche. Es war bereits die Kraft der Auferstehung, die ihn trug. Er wirkte auf geheimnisvolle Art stark und überlegen. Das musste auch Pilatus zugeben. Der Evangelist legt ihm die Worte in den Mund: „Seht, welch ein Mensch!“ Und Pilatus ahnte nicht, was er damit sagte. Der schwache Statthalter verkündete mit diesem Satz die tiefste Wahrheit. Gegenüber den Anklägern bedeuteten seine Worte: Der, den ihr da anklagt, ist nur ein einfacher Mensch. Was habt ihr? Was fürchtet ihr ihn? Für uns aber, die wir das Evangelium hören und lesen, liegt in dem Ausruf noch viel mehr, denn wir glauben, dass dieser Mensch zugleich Gott ist.

Gottes Wort hat in ihm Gestalt angenommen, ist Fleisch geworden, und er hat sich bewusst erniedrigen lassen. In diesem einfachen, wehrlosen Menschen, der zum Spielball weltlicher Macht wird, ist Gott gegenwärtig. Im zutiefst menschlichen Leid, dem des ausgelieferten und verspotteten Gefangenen, ist Gott ganz in der Welt angekommen. Und er ist für alle sichtbar. Seine Menschlichkeit und die Gewalt, die ihm angetan wird, werden nicht mehr verheimlicht.

Und damit hat Gott allen, die Unrecht leiden, einen neuen Weg eröffnet. Es ist möglicherweise nicht der Weg, auf dem ihnen menschliches und weltliches Recht zu Teil wird, aber sie bekommen eine Hoffnung und eine Zuversicht, die weit über die Welt hinausweist.

Und das ist eine wichtige Botschaft, auch für uns. Denn wir leiden alle darunter, dass dieses Leben nicht perfekt ist. So vieles geschieht, was wir nicht wollen und gutheißen: Es gibt Zerstörung und Unrecht, das Böse ist da. Niemand scheint das Große und Ganze im Blick zu haben, viele suchen nur ihren eigenen Vorteil. Selbstsucht, Gier und Arroganz bestimmen das Verhalten unzähliger Menschen. Man lebt auf Kosten anderer und missachtet ihre Rechte. Und wer übernimmt schon Verantwortung oder nennt Ungerechtigkeit ungeschminkt beim Namen? Das sind nur wenige, und selbst wenn wir dazu gehören, fühlen wir uns oft machtlos. Was können wir schon tun, damit das alles aufhört? Die Resignation lauert um die Ecke und manchmal erfasst sie uns auch. Wir haben dann keine Hoffnung mehr und schauen zu, wie die Welt und die Menschheit ihrem Ende näher kommt.

Doch genau das ist nicht nötig, denn Jesus Christus hat durch seine Stärke in jede Leidensgeschichte eine Hoffnung gebracht. Die Leidenden und Entrechteten sind nicht allein in ihrer Erniedrigung. Gott nimmt sich ihres Leids an und trägt es selbst.

Wir sind deshalb eingeladen, uns mit ihm zu verbinden, seine Nähe zu suchen und seine Kraft in uns aufzunehmen. Wir können ihn um Zuversicht bitten. Denn er zeigt uns auch, dass es so, wie es ist, nicht sein und bleiben soll. In Jesus ist der zu uns gekommen, der Himmel und Erde geschaffen und der das Unrecht und den Tod überwunden hat. Eines Tages wird er seine Gerechtigkeit ganz zum Sieg führen und die Menschheit erlösen.

Das ist unser Glaube, der die Hoffnung in uns am Leben erhält. Aus ihm heraus können wir das Nötige tun. Wir können den Keim des Trostes und der Hoffnung säen, indem wir die „Würde aller anderen Lebewesen achten“, uns zusammensetzen und miteinander reden, Hierarchien in Frage stellen und auf die „Ausgewogenheit in jeder Beziehung“ achten, sei es „zwischen den Menschen oder zwischen der Menschheit und der Schöpfung“. Wir können „aktiv einen Beitrag leisten für ein gutes Leben für alle“, so dass alle „Menschen und Geschöpfe Lebensfülle und Frieden haben.“

Das sind weitere Erklärungen zu der Frage, was Gerechtigkeit bedeutet. Dr. Frederik O. Shoo, der leitende Bischof der Lutherischen Kirchen in Tansania, hat es kurz und knapp gesagt: „Gerechtigkeit ist, wenn die Schöpfung Gottes respektiert wird.“ Und er hat  dazu berichtet, was das in seinem Land und in seiner Kirche konkret bedeutet. Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass wir nie die Hoffnung aufgeben müssen:

„Wir alle wissen: Der weltweit zunehmende Ausstoß von CO2 verursacht einen Klimawandel, dessen Auswirkungen wie Dürre, Hunger, Überschwemmungen und Tod immer dramatischer werden. In meiner Kirche versuchen wir dem entgegenzutreten und das Unsere in der ,verwandelnden Nachfolge‘ etwa dadurch zu tun, dass wir an den Hängen des Kilimandscharo, des höchsten Berges von Afrika, Bäume pflanzen. Jeder Konfirmand und jede Konfirmandin pflanzt zehn Bäume. Denn wir wissen: Bäume binden CO2. Bäume sorgen für gute Luft. Bäume halten Wasser und die fruchtbare Erde. Bäume sind Leben. So haben wir es geschafft, in über zehn Jahren schon mehr als drei Millionen Bäume am Kilimandscharo zu pflanzen.
2. Wir alle wissen: Der weltweit zunehmende Plastikmüll ist eine Gefahr für die Umwelt. Während die EU-Kommission die Reduzierung von Plastiktüten bis 2025 auf immerhin noch 40 Tüten pro Person im Jahr anstrebt, gehen viele afrikanische Länder weiter. So versuchen sich selbst Regierungen in meinem Heimatkontinent in dieser ,verwandelnden Nachfolge‘ – auch wenn sie es selber wohl nicht so bezeichnen würden – und verbieten die Plastiktüte. 13 Länder sind es inzwischen: Äthiopien, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Malawi, Mali, Marokko, Mauretanien, Ruanda, Somalia, Südafrika, Tansania und Uganda. Deswegen möchte ich fragen: Afrika macht es vor – wann macht es Europa nach?“

Anregungen für die Predigt und die Zitate sind dem Materialheft zu diesem Sonntag entnommen, das die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, Hauptbereich Mission und Ökumene, herausgegeben hat. 

 

 

Der Herr ist bei mir

Predigt über Jeremia 20, 7- 11a: Die Last des Prophetenamtes

3. Sonntag der Passionszeit, Okuli, 24.3.2019, 9.30 Uhr, Lutherkirche Kiel

Jeremia 20, 7- 11a

7 HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich.

8 Denn sooft ich rede, muss ich schreien; „Frevel und Gewalt!“ muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich.

9 Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen.

10 Denn ich höre, wie viele heimlich reden: „Schrecken ist um und um!“ „Verklagt ihn!“ „Wir wollen ihn verklagen!“ Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: „Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.“

11 Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.

Liebe Gemeinde.

In den letzten Tagen kamen die sogenannten „Influencer“ ins Gerede, es ging um den Vorwurf der Schleichwerbung. Diese Bezeichnung stammt von dem englischen „to influence“, was auf Deutsch „beeinflussen“ heißt, denn die entsprechenden Personen sagen in den sozialen Netzwerke im Internet ihre Meinung und werden zu Experten und Vorbildern für andere. Meistens sind es junge Leute, die gut aussehen und bestimmte Produkte empfehlen. Als Influencer werden sie bezeichnet, wenn sie eine große Anzahl an „Followern“ haben, d.h. Leuten, die sich regelmäßig anschauen und lesen, was sie zum Besten geben. Weniger als 100.000 Menschen dürfen das allerdings nicht sein. Wenn man bedeutungsvoll sein möchte, müssen schon mehrere Millionen erreicht werden.

Dass die Influencer dabei für bestimmte Firmen Werbung machen, interessiert die Leser und Leserinnen nicht in erster Linie. Es zählt vielmehr das Gefühl, mit ihnen befreundet zu sein. Und das entsteht dadurch, dass die Influencer viel von sich selber erzählen, jeden tollen Moment ihres Lebens mit der Kamera festhalten und mit den anderen teilen. Sie vermitteln menschliche Nähe und genießen dadurch eine hohe Anerkennung und Wertschätzung.

Es geht ihnen also ganz anders als dem Propheten Jeremia. Der hatte auch eine Botschaft und wollte seine Landsleute davon überzeugen, aber es gelang ihm nicht. Sie folgten ihm nicht nur nicht, sie verachteten und verspotteten ihn sogar. Das erfahren wir in dem Abschnitt aus dem Alten Testament, den wir vorhin gehört haben.

Jeremia äußert da sehr viel Frustration. Er grollt und ärgert sich, lehnt sich auf und hat auch Angst. Denn sein Prophetenamt ist für ihn eine große Enttäuschung. Das Wort Gottes hat sich ganz anders ausgewirkt, als er erwartet hat. Es hat sich gegen ihn gewendet, denn er musste dauernd im Auftrag Gottes öffentlich Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen üben, Unheilsdrohungen aussprechen, unerfreuliche und unbequeme Wahrheiten verkünden, die ihm alle übel nahmen. Er erntete dadurch Schimpf und Schande und darunter litt er.

Jeremia versuchte deshalb, dem Auftrag Gottes auszuweichen, einfach nicht mehr an Gott zu denken, was ihm allerdings nicht gelang. Im Gegenteil, die Sache wurde schlimmer, denn dieser Versuch bereitete ihm noch mehr Qualen. Er beschreibt sie mit den Worten: „Es war in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, das ich’s nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen.“ Es bereitete ihm also körperliche Schmerzen, eine unerträgliche Spannung, die ihn bis zur Erschöpfung führte. Gottes Macht war in seinem Inneren, und die konnte er nicht ignorieren. Er spürte Gott bis in jede Faser seiner Seele und seines Körpers hinein.

Deshalb ergab er sich schließlich und wehrte sich nicht mehr dagegen. Im Gegenteil, er wendete sich an Gott, trug ihm alles vor, rief zu ihm und vertraute sich ihm an. Es ist ja ein Gebet, das hier vorliegt, eine Klage und ein Dank. Und durch dieses Gebet wurde Jeremia wieder ruhig. Er achtete nicht mehr auf die Folgen seines Auftrags, sondern verpflichtete sich zum Gehorsam und willigte ein. Seine Auflehnung gegen Gott schlug in die Freiheit um, zu allem ja zu sagen, was Gott von ihm wollte. So wurde aus der bitteren Klage Gewissheit und aus Erschöpfung Stärke. Das bezeugt Jeremia mit den Worten: „Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.“ Jeremia konnte vor Gott nicht fliehen, er wurde ihn nicht los, obwohl er sich das manchmal gewünscht hat. Seine einzige Rettung lag in der Hingabe an Gott. Erst dadurch fand er inneren Frieden. Das beschreibt er hier. Und es ist nicht die einzige Stelle, wo er uns Einblick in seine Seelenkämpfe gewährt. Es gibt noch mehr solcher Bekenntnisse in seinem Buch. Wir nennen sie seine „Klagen“, und sie erschrecken uns.

Wozu lesen wir das? Zeigt sich daran nicht lediglich, dass Jeremia möglicher Weise irgendetwas falsch gemacht hat? Als Vorbild wählen wir ihn jedenfalls nicht besonders gern. Wir, die wir hier sitzen, interessieren uns zwar weniger für die sogenannten Influencer, aber auch wir lieben wie Millionen andere die schönen Menschen, die uns das Gefühl von Glück und Nähe geben. Es zählt auch in unserer Meinung als Erfolg, wenn jemand viele Nachfolger und Nachfolgerinnen hat und sich dafür strahlend und positiv präsentiert. Von einem Ruf, der „Frevel und Gewalt“ beinhaltet, würden wir uns – genauso wie die Menschen zur Zeit Jeremias – eher abgestoßen fühlen.

Doch so schnell sollten wir uns von Jeremia nicht verabschieden. Es lohnt sich durchaus, über seinen Weg nachzudenken und auf seine Worte zu hören. Und es hilft zum Verständnis, wenn wir ihn einmal genau mit denjenigen vergleichen, die heutzutage viel mehr Erfolg zu haben scheinen. Es gibt da ein paar gravierende und bedeutungsvolle Unterschiede.

Zunächst einmal ist die Motivation jeweils eine ganz andere. Die Influencer inszenieren sich selbst, und dadurch haben sie eigentlich kein richtiges Privatleben mehr. Sie sind nie mehr wirklich allein und stehen permanent unter dem Druck, etwas veröffentlichen zu müssen. Sie machen sich abhängig von ihren Followern, und das geht auf keinen Fall ein Leben lang. Irgendwann wird es zu viel.

Und das ist bei Jeremia ganz anders, denn er handelte nicht aus sich selbst heraus. Er hatte sich dieses Leben, das er führte, nicht ausgesucht. Gott hatte ihn vielmehr berufen und Jeremia gehorchte. Er stellte sich in den Dienst Gottes, war selbstlos und erkannte viel mehr, als sein eigenes Leben. Er sah in die Zukunft und wies über sich selber hinaus.

Was er lebte und verkündete, war deshalb sehr viel ernsthafter und dauerhafter. Die Stars aus dem Internet sind eine Zeiterscheinung, und was sie präsentieren, ist sehr oberflächlich. Es ist eigentlich auch nur für junge Menschen interessant und besitzt keine Allgemeingültigkeit. Jeremia dagegen verkündete etwas, das für alle Menschen wichtig war, Junge und Alte, Fröhliche und Traurige, Schöne und Hässliche, denn er erinnerte an Gott und an seinen Willen.

In unserem Abschnitt erfahren wir nicht genau, worin seine Botschaft im Einzelnen bestand. Das wird aber deutlich, wenn wir mehr in seinem Buch lesen. Außerdem müssen wir uns klar machen, wann er lebte und in welcher Situation er predigte. Zu seinen Lebzeiten stand es nämlich schlecht um das Volk Israel. Der König hatte sich von Gott abgewandt und die Religion zerfiel. Stattdessen regierten Prunksucht und Grausamkeit. Dazu kam die Bedrohung von außen: Die Babylonier waren auf dem Vormarsch, um das Land zu erobern. Und wie alle Propheten erkannte Jeremia einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Menschen und diesen politischen Gefahren. Er sah den Grund dafür in dem Ungehorsam des Volkes.

Deshalb erinnerte er an die Gebote Gottes. Wenn Israel auf die Stimme Gottes hört, wird eine Wende eintreten. Das war seine Botschaft. Deshalb ermahnte er die Menschen dazu, nach dem zu fragen, was dem Leben dient. Dann würden sie Sicherheit und Schutz empfangen. Er verwies also auf die tiefere Wirklichkeit, die allem Leben zu Grunde liegt, auf eine Dimension, die dem Leben seinen wahren Sinn verleiht, ihm Richtung und Ziel gibt. Das ist der zweite Punkt.

Und damit gab er Antworten auf die wirklichen Lebensfragen. Jeremia erkannte die Gefahren im Leben, die Abgründe, die sich auftun können, Verirrungen, die das Miteinander zerstören. Und er verkündete, dass es einen ewigen Halt gibt, eine göttliche Ordnung, die Heil und Frieden gewährt.

Und wenn wir das nun mit dem vergleichen, was wir oft für wichtig halten, dann kommt es dagegen in der Tat nicht an. Es ist vielmehr eine große Täuschung. Wer nur das Schöne liebt, gibt sich Illusionen hin und verkennt die Realität. Denn die ist viel komplizierter. Das ist der dritte Unterschied zwischen Jeremia und den sogenannten Influencern.

Und wenn wir das alles beachten, merken wir, dass es sich doch lohnt, auf die Worte Jeremias zu achten. Er hat ja auch einen Ausweg aus seinem Leiden gefunden, und zwar indem er sich Gott letzten Endes hingab. Jeremia hörte in sich die Stimme Gottes, und das hatte etwas Segensreiches. Genau das können auch wir tun, und es ist sehr heilsam.

Dazu gehört es, dass wir uns einmal von dem abwenden, was uns blendet, und zu der Welt mit ihrem schönen Schein auf Distanz gehen. Wir sollten unsere Wertvorstellungen regelmäßig hinterfragen und kritisch betrachten. Erfolg oder Geld, Macht, Wohlstand und Glück sind nicht das Wesentliche Das. Entscheidende spielt sich nicht da ab, wo der „große Haufen“ sich versammelt. Im Gegenteil, es ereignet sich möglicher Weise gerade im Hässlichen und Verachteten, da, wo Menschen nichts mehr aus sich selber machen, sondern einfach nur vertrauen und lieben, hoffen und glauben. Das sollten wir einsehen und unseren Blick auf die Welt ändern. Dann beurteilen wir vieles neu und entdecken Vorgänge, die unter der Oberfläche geschehen.

Außerdem tut es unserer Seele gut, denn auch wir gehören ja eher zu denen, die unscheinbar sind oder sogar leiden. Die Schönen und Erfolgreichen sind in der Minderheit. Sie beeindrucken uns zwar, aber sie verursachen immer auch ein bisschen Neid und Druck. Wir fühlen uns schlechter als sie und kommen da nicht mit. Doch genau das ist nicht schlimm, wenn wir uns auf Gott einlassen. Im Gegenteil, er sieht uns mit all unseren Schwächen und Nöten, wir müssen nichts vor ihm verbergen.

Denn was ihn interessiert, ist nicht unser äußeres Gehabe, sondern unser Inneres. Da will er wohnen, und da können wir ihn auch am ehesten erleben. Gott ist – wie bei Jeremia – in unserem Inneren wie ein Feuer, d.h. wie eine Flamme, die uns erwärmt. Er ist unser tiefstes Geheimnis, etwas, das in uns lebt und uns Richtung und Ziel weist. Wir müssen nur darauf achten. Und dazu ist es gut, wenn wir immer wieder umkehren und uns nicht in der Welt verlieren. Es geht vielmehr darum, auf „die Gesänge unseres Geistes zu horchen“, wie Friedrich Schlegel es einmal ausgedrückt hat, und uns dem lebendigen Gott hinzugeben, der wie ein „starker Held“ unser Leben von Anfang an leitet. Es reicht, wenn „der Herr bei uns ist“, und wir ihm treu bleiben.

Als Christen haben wir es da leicht, denn durch Jesus Christus ist allen Menschen zugesagt worden, dass Gott uns für immer nahe ist, uns annimmt und erlöst. In Christus sehen wir, wer Gott ist, was er will und kann und tut. Durch den Glauben an Jesus Christus wird die göttliche Flamme in uns entzündet, und es ist gut, wenn das unser Bewusstsein erfüllt.

Denn damit erreichen wir das wahre Ziel unseres Lebens, wir finden den tiefen Sinn, den Gott für uns vorgesehen hat, und gehen nicht mehr verloren. Wir werden erlöst und sind frei von den Zwängen unserer Wünsche und Neigungen, frei von allem Leistungsdruck und aller Einbildung. Wir werden lebendig und erfüllt, stark und gesund.

Und davon profitieren dann auch andere. Besonders die Menschen in unserer nächsten Umgebung werden davon „beeinflusst“. Sie bekommen von der Kraft und Liebe Gottes etwas ab. Denn wir können uns ihnen ungezwungen zuwenden, sie beachten und ihnen helfen. Wir tragen die Liebe Gottes ganz von selber in die Welt hinein, auch ohne Internetauftritt und strahlende Videos. Unser Wirkungskreis beginnt in unsren Familien, bei unsren Kindern und weitet sich von da aus. Wie groß er ist, richtet sich nach der Kraft und Liebe, die wir in uns tragen, aber das ist gar nicht die entscheidende Frage. Viel wichtiger ist, dass wir das Bild Gottes in uns hüten, es mit unserem inneren Auge immer wieder anschauen und genießen.

Amen.

 

 

 

 

Lasst uns frei hinzutreten zum Thron Gottes

Predigt über Hebräer 4, 14- 16: Der Gnadenthron

1. Sonntag der Passionszeit, Invokavit, 10.3.2019, 9.30 Uhr, Lutherkirche Kiel

Hebräer 4, 14- 16

14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unsrer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

Liebe Gemeinde.

Ein Thron war schon in der Antike das Symbol der Könige und Götter. Es ist ein Stuhl, oder besser gesagt ein Sessel, der meistens aufwendig gestaltet ist. Auf ihm nimmt der Herrscher oder die Herrscherin zu besonderen Anlässen Platz, z.B. bei Krönungszeremonien, bei der Rechtsprechung oder der Verkündigung von Gesetzen und Erlässen. Dem Thron wird deshalb immer eine unmittelbare Verbundenheit mit der königlichen Macht zugesprochen, er ist das symbolische Zentrum des Herrschaftsbereiches. Man kann sich ihm in der Regel nur mit einer besonderen Erlaubnis nähern, und wenn es geschieht, dann sind Ehrfurcht und Gehorsam geboten.

In Deutschland gibt es keinen König oder keine Kaiserin mehr, und damit auch keinen klassischen Thron, aber aus anderen Ländern kennen wir das durchaus. Außerdem ist uns das Bild aus der Geschichte oder der Kunst vor Augen.

In der Bibel gibt es den Thron ebenfalls. Der König Salomo baute z.B. einen, von dem es heißt, dass „dergleichen vorher nie gemacht worden war.“ Er bestand aus Elfenbein, das mit Gold überzogen war, und sechs Stufen führten zu ihm hinauf. So steht es im ersten Buch der Könige. (1. Könige 10,18-20)

Doch das ist nicht der einzige Thron, der in der Bibel erwähnt wird. Im Tempel von Jerusalem lag ganz hinten ein besonderer Raum, das Allerheiligste, das durch dichte Vorhänge vom übrigen Tempel abgetrennt war. Früher befand sich da die Bundeslade mit den Gesetzestafeln, später stellte man sich vor, dass dort der Thron Gottes stand. Der Raum durfte nur vom Hohenpriester betreten werden, wenn er am großen Versöhnungstag die Sühnehandlung für ganz Israel zu vollziehen hatte. Er empfing dort stellvertretend für das Volk die Vergebung Gottes. Natürlich wussten die Menschen, dass ein kleiner Raum wie das Allerheiligste im Tempel Gott nicht fassen kann, aber es war ein Sinnbild. Es versicherte den Menschen: Gott ist bei uns. Nur nähern durfte man sich ihm nicht. Nichts Unheiliges oder Unreines sollte Gott beleidigen. Gottes Herrlichkeit war zu furchtbar, zu groß, zu verzehrend, als dass ein normal Sterblicher sie aushalten würde. Das war der Glaube. Deshalb war das Allerheiligste von den normalen Menschen abgeschirmt, und nur der Hohepriester vertrat die Menschen dort vor Gott.

Das alles wusste der Schreiber des Hebräerbriefes und er war mit der Tempelpraxis offensichtlich vertraut. Denn er benutzt dieses Geschehen in seinem Brief an einigen Stellen als ein Bild. In dem Abschnitt, der heute unsere Epistellesung und auch unser Predigttext ist, stellt er sich vor, wie der Hohepriester durch die Vorhöfe und Hallen des Tempels in das Allerheiligste geht, und er sagt: So schreitet Jesus durch die Himmel und tritt für uns vor den Thron Gottes. Und daran schließt er die unglaubliche, ja fast skandalöse Botschaft an, dass jeder und jede, die sich Christus anschließt, ebenfalls in das Allerheiligste hineingehen darf. Der Verfasser stellt also die außerordentliche Behauptung auf, dass der Zutritt zu Gott durch Jesus Christus und sein Heilswerk für jeden Menschen frei ist. Man kann Gott ohne Angst und Schrecken begegnen.

Und er begründet das damit, dass Jesus Christus der „große Hohenpriester“ ist. So nennt er ihn, weil er ein für alle Mal Versöhnung zwischen Gott und Mensch bewirkt hat. In ihm ist Gott selber Mensch geworden. Dabei wird hier sehr schön beschrieben, was das heißt: „Jesus leidet mit unserer Schwachheit mit und wurde versucht wie wir.“ D.h. er war ein Mensch aus Fleisch und Blut, er fühlte und kannte Angst und Not, wie sie jeder und jede in dieser Welt schmerzlich erfahren muss. Persönliche innere Kämpfe sind ihm nicht erspart geblieben, er musste wie alle Menschen den vielfältigen Versuchungen widerstehen.

Doch genau das ist ihm gelungen wie keinem anderen. Er blieb in all dem „ohne Sünde“ und ist Gott bis zum Tod am Kreuz gehorsam gewesen. Selbst in dieser radikalen Grenzsituation hat er dem Willen Gottes entsprochen. Deshalb hat Gott ihn erhöht und ihn selber auf den „Thron der Gnade“ gesetzt.

An dieses „Bekenntnis“ sollen wir uns „halten“. Wir dürfen uns ihm „mit Freudigkeit nähern“, und werden „Erbarmen empfangen und Gnade finden“, so dass uns „zur passenden Zeit Beistand und Schutz“ zu Teil wird. Das ist hier die Botschaft. Es ist eine Einladung, die lautet: „Komm herein, die Tür steht offen. Du brauchst dich nicht zu fürchten, Gott erwartet dich vielmehr und sieht dich freundlich an.“ Ein wunderbares Angebot ist das, und es tut uns gut, wenn wir es annehmen.

Doch was heißt das nun? Wie geht das, und was gehört dazu? Das müssen wir uns fragen, und dabei hilft es, wenn wir die einzelnen Schritte, die hier aufgezählt werden, einmal entfalten und uns klar machen, was sie für unseren Lebenswandel bedeuten. Fünf Maßnahmen werden hier genannt, die alle sehr viel beinhalten:

Erstens sollen wir „am Bekenntnis festhalten“; dann dürfen wir „hinzutreten“; drittens „erlangen wir Barmherzigkeit“; viertens „finden wir Gnade“; und als letztes „wird uns geholfen“. Damit wird ein innerer Weg beschrieben, auf dem sich so einiges ereignet. Wir müssen uns das nur ausmalen, dann wird klar, was in der Seele und im Geist geschieht, wenn wir von dem Hohenpriester Jesus mit Gott versöhnt werden.

Zuerst ist da das „Bekenntnis“, an dem wir „festhalten“ sollen. Damit ist die anerkannte Behauptung gemeint, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Die Christen sind darin übereingekommen, das zu glauben, und es gilt, diesen Glauben selber zu ergreifen. Unserem Leben als Christen liegt kein Wissen zu Grunde und auch kein Gesetz, sondern das Vertrauen auf die Botschaft des Evangeliums. Wir kennen die Zeugnisse über Jesus Christus aus der Bibel und auch aus der Verkündigung, die bis heute ergeht. Darauf gilt es zu hören, das Evangelium ernst zu nehmen und sich darauf einzulassen. Wir dürfen es für uns in Besitz nehmen und behalten. Das ist der erste Schritt.

Die nächste Handlung ist das „Hinzutreten“, d.h. wir müssen uns in Bewegung setzen, herbeikommen und uns Jesus „nähern“. Man kann es auch mit „besuchen“ übersetzen, oder sich „an ihn wenden“, und zwar mit „Zuversicht“, wie es in der Lutherübersetzung heißt. Das griechische Wort, das dort steht, bedeutet auch „Offenheit“, „Freudigkeit“ und „Freimütigkeit“, und das beinhaltet mehr, als beim ersten Hören deutlich wird. Denn es ist die Einladung zur Ehrlichkeit. Wir dürfen so kommen, wie wir sind, frei und unverstellt. Und das klingt zwar ganz schön, ist aber in Wirklichkeit gar nicht so einfach. Denn dazu gehört, dass wir nicht nur unsere positiven Eigenschaften einbringen, sondern auch alle unsere Schwächen und Fehler zugeben.

Das ist hier sowieso der Hintergrund. Natürlich geht der Schreiber des Hebräerbriefes wie alle neutestamentlichen Verfasser davon aus, dass wir die Erlösung brauchen. Wir sind Menschen, die immer wieder versucht werden und den Versuchungen auch erliegen. Keiner und keine von uns ist ohne Laster. Es gibt in jedem Leben Schuld und Vergehen. Worin das im Einzelnen besteht, ist genauso vielfältig wie wir Menschen sind.

Drei Beispiele haben wir in der Versuchungsgeschichte von Jesus gehört (Matthäus 4, 1- 11). Da ist die erste Hürde die Aufforderung, Steine in Brot zu verwandeln, und damit ist der Materialismus gemeint. Dem erliegen wir alle zu einem bestimmten Grad, denn wir lieben die Dinge dieser Welt und binden uns gerne daran. Als zweites soll Jesus von der Zinne des Tempels springen und sich von den Engeln auffangen lassen. Damit ist ein Glaube angedeutet, der am liebsten Beweise haben will, und das gehört ebenfalls zu unseren Untugenden. Und schließlich bietet der Teufel Jesus uneingeschränkte Macht an, wenn er ihn anbetet. Viele Menschen erliegen dieser Versuchung tatsächlich. Aber das sind wie gesagt nur drei Beispiele für das, was unser Leben gefährdet. Es gibt noch viel mehr. Jede Sucht gehört dazu, Begierde und Abhängigkeit. Manchmal rutschen wir unversehens dahinein und merken erst später, dass wir Irrwege gehen, nämlich dann, wenn wir anfangen zu leiden. Dazu können innere Leere und Sinnlosigkeitsgefühle gehören, fehlende Zuversicht und Freude, Rücksichtslosigkeit oder Ungerechtigkeit und vieles mehr. Die Laster können das Leben auf jeden Fall zerstören.

Dieses alles schauen wir uns nur ungern an, aber genau das ist notwendig, wenn wir zum „Thron der Gnade hinzutreten.“ Es bedeutet, dass wir offen und ehrlich sind und unsere üblichen Wege verlassen, umkehren und uns an Jesus wenden. Das ist der zweite Schritt.

Und daraus folgen die nächsten drei, die alle darin bestehen, dass Gott selber handelt. Wenn wir so zu ihm kommen, dann hat er Mitleid mit uns. Er verurteilt uns nicht und weist uns auch nicht ab. Er wendet sich uns vielmehr zu und verschont uns. Wir werden angenommen und „empfangen Barmherzigkeit“, d.h. auch ohne liebenswert zu sein, werden wir geliebt.

Außerdem finden wir „Gnade“, d.h. Freundlichkeit und Wohlwollen. Wir werden freigesprochen. Ein Thron kann ja auch ein Richterstuhl sein, von dem aus Urteile ergehen, und die können durchaus Strafen beinhalten. Von einem „Gnadenthron“ aus geschieht genau das Gegenteil: Uns wird ein Liebesdienst erwiesen, mit altertümlichen Worten ausgedrückt, wird uns „Huld und Gunst erzeigt.“

Und das bedeutet als letztes und fünftes, dass wir die angemessene Hilfe bekommen. Es ändert sich also etwas in unserem Leben. Wir bekommen Unterstützung und Beistand. Wir sind nicht mehr auf uns allein gestellt. Es gibt eine feste Grundlage, einen Schutz, unter dem wir unser Leben führen. Wir bekommen neue Kraft und das Leben wird schön. Wir werden erlöst und sind frei. Die Versuchungen können uns viel weniger anhaben, denn wir können die Dinge der Welt plötzlich lassen, wir hören auf, zu viel davon zu erwarten. Wir sind in der Lage, zu vertrauen, und auch von der Macht können wir uns verabschieden. Ein neues Leben beginnt.

Das alles steckt in den drei Versen aus dem Hebräerbrief, über die wir heute nachdenken. So ist es, wenn wir der Einladung folgen, die hier an uns ergeht.

Und dafür, wie das ganz konkret geschehen kann, gibt es in unserer Kirche und im Gottesdienst zwei schöne Möglichkeiten, die beide heute da sind. Das erste ist die Fastenzeit, die ja am Mittwoch begonnen hat, d.h. heute ist darin der erste Sonntag. Oft denken wir, diese Zeit dient der Selbstüberwindung und dem Verzicht. Wir müssen es endlich einmal hinbekommen, diese Welt und unser Leben besser zu machen. Doch das ist gar nicht der Schwerpunkt. Viel entscheidender ist, dass es eine Zeit „des Hinzutretens zum Thron der Gnade“ wird, d.h. eine Zeit der besonderen Nähe zu Jesus. Wir sind eingeladen, verstärkt die Gemeinschaft mit ihm zu suchen. Gerade in dieser Zeit geht es um seine menschlichste Seite, um sein Versucht-werden, sein Leiden und Sterben. Es geschah bei ihm „ohne Sünde“, und damit hat er uns das Heil geschenkt. Das bedenken wir in der Passionszeit, und deshalb ist sie eine besondere Heilszeit, eine Zeit der Gnade und Barmherzigkeit, der Hilfe und der Freude. Sie dient der Erneuerung und Veränderung, dem Frieden und der Gerechtigkeit. Wir müssen sie nur auch so nutzen.

Und das andere Angebot, das uns gemacht wird, ist das Abendmahl. Bei diesem Sakrament „treten“ wir buchstäblich „herzu“ und nähern uns Gott. Der Altar erinnert uns an den „Gnadenthron“, zu dem wir gehen, um mit Gott Gemeinschaft zu haben. Wir brauchen dafür keine besondere Erlaubnis und wir müssen uns auch nicht unterwerfen. Uns wird beim Abendmahl vielmehr „Barmherzigkeit und Gnade“ geschenkt.

Amen.

Gottes Kraft, sein Ziel und seine Treue

Predigt über 1. Korinther 1, 4- 9: Dank für Gottes reiche Gaben in Korinth

5. Sonntag vor der Passionszeit, 3.2.2019, 9.30 und 11 Uhr, Luther- und Jakobikirche Kiel

1. Korinther 1, 4- 9

4 Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus,
5 dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in aller Lehre und in aller Erkenntnis.
6 Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden,
7 so dass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe
und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus.
8 Der wird euch auch fest erhalten bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
9 Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.

Liebe Gemeinde.

„Ich habe geschrieben und gelehrt, nichts hat genützt!“ Das sagte Luther am Ende seines Lebens, als er ahnte, dass der Tod näher kam. In den letzten Jahren war seine Grundstimmung von der Bedrückung geprägt, dass all sein Predigen, Lehren und Kämpfen genauso vergeblich gewesen sein könnte, wie der Versuch, „Getreide auf Granit zu säen und zu ernten.“ Er war von „Altersresignation“ befallen, Gewissensnöte und Bitterkeit quälten ihn. Dazu kam der Kummer über den Tod seines dreizehnjährigen Töchterchens Magdalena und Enttäuschungen in der Wittenberger Gemeinde. Er sorgte sich um das öffentliche Wohl und das Schicksal des Reiches. Er verzweifelte an sich selbst, hatte häufig Wutausbrüche und verfasste eine letzte große Streitschrift, „wider das Papsttum“. Es war eine Generalabrechnung. (s. Hellmut Dewald, Luther, eine Biographie, Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes GmbH&Co, 1982, S. 360ff)

Das alles klingt erschreckend und passt eigentlich nicht in das Bild, das wir uns gerne von Luther machen. Aber er war ein Mensch wie wir alle, und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass er am Ende verzagte. Mit diesem Erleben ist er auch nicht allein, ich kenn das von anderen Menschen ebenso. Und von vielen wissen wir einfach nur nicht, wie es ihnen am Ende ihres Lebens ging. Was den Apostel Paulus betrifft, so ist darüber z.B. nichts überliefert.

Es kann allerdings sein, dass er vor solchen Selbstzweifeln geschützt war. In dem Briefabschnitt, den wir vorhin gehört haben, ist er nämlich voller Dankbarkeit über das, was – in diesem Fall in Korinth – durch sein Predigen geschehen war.

Der Text gehört zu seinem Eingangsgruß, und Paulus folgt darin einer antiken Briefsitte. Es war üblich, dass am Anfang eine Danksagung stand. Doch bei Paulus war das nicht einfach nur eine Höflichkeitsfloskel oder eine diplomatische Liebenswürdigkeit, es ist vielmehr bezeichnend für seine Glaubenshaltung, denn mit dem Dank will er Gott ehren. Er lenkt gleich am Anfang die Aufmerksamkeit auf die „Gnade Gottes“, die der Gemeinde in Christus gegeben wurde. Die Korinther sind dadurch „reich“ geworden, sie haben viele „Charismen“ empfangen, das ist das griechische Wort für  „Gnadengaben“. Besonders hebt Paulus die „Lehre und Erkenntnis“ hervor, man kann auch übersetzen „Wort“ und „Einsicht“. Sie haben also Gott erkannt und sind geistlich urteilsfähig. „Die Predigt von Christus ist in ihnen kräftig geworden.“ Und so sind alle Merkmale einer von Gottes Kraft und Geist geschaffenen Gemeinde da. Paulus blickt sowohl auf ihre Vergangenheit als auch auf ihre Gegenwart und ist für alles dankbar.

Schließlich mündet sein Dank in den Blick nach vorne, und zwar auf die zukünftige Vollendung und die Wiederkunft Christi. Das war für ihn sowieso ein wichtiges Thema. Er erwartete dieses Ereignis und ging davon aus, dass er es noch erleben würde, das Ende dieser Welt und die Aufrichtung der endgültigen Himmelsherrschaft Christi. Es war von den Propheten im Alten Testament angekündigt worden, und auch Jesus hatte davon gesprochen.

Dabei gingen jedoch alle davon aus, dass das nicht nur ein freudiges Ereignis werden würde. Auch in unserem Briefabschnitt klingt an, dass das Erscheinen Christi zwar die Welt erneuern wird, aber es wird gleichzeitig mit einem Endgericht einhergehen. Wer gerettet werden will, muss also „untadelig“ sein. Und das klingt düster und bedrohlich. Diese Ankündigung sollte allerdings keine Angst machen, sondern die Rede darüber geht im Neuen Testament immer mit der Botschaft einher, dass Christus den Menschen im Endgericht beisteht. Er hilft allen, die an ihn glauben, und darauf sind sie auch angewiesen, denn keiner und keine ist vollkommen. Dafür bedankt Paulus sich hier ebenso: Dass Christus die Korinther „fest erhalten wird bis ans Ende“. Gott selber wird dafür sorgen, dass keine Vorwürfe gegen sie erhoben werden, dass alle ihre Fehler getilgt und eventuelle Strafen erlassen werden. Dessen dürfen sie sich gewiss sein.

Und das hat seinen letzten Grund in der Treue Gottes. „Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid“, sagt Paulus am Ende seiner Danksagung. Gottes Wille ist unerschütterlich ein und derselbe. Er hat sein Werk an der Gemeinde begonnen, und er wird es auch vollenden. Er hat die Korinther berufen, und das Ziel ist die Gemeinschaft mit Christus. Von dieser Tat Gottes her lebt die Gemeinde. Sie wartet also auf das Kommen ihres Herrn als die Schar derer, die mit Jesus Christus bereits unlöslich verbunden sind. Sie haben teil am Leben des Auferstandenen und Erhöhten.

Das alles sagt Paulus in seiner Danksagung am Anfang seines Briefes, und das ist interessant. Er hatte – was die Korinther betrifft – nämlich genauso viele Gründe zur Sorge. Der Anlass für den Brief waren sogar schwerwiegende Streitigkeiten in der Gemeinde in Korinth. Es gab Parteiungen, Auseinandersetzungen mit der Weisheit der griechischen Philosophie, dem Heidentum und dem Judentum, die Leugnung der Auferstehung, Selbstüberschätzung etlicher Gemeindeglieder, sittliche Missstände und vieles mehr. All das wich erheblich von dem ab, was Paulus dort einmal gepredigt hatte. Er hätte also seinen Brief auch mit dem Ausdruck tiefster Sorge beginnen können und wie Luther sagen: „Ich habe geschrieben und gelehrt, nichts hat genützt!“ Doch das tut Paulus nicht. Am Anfang besinnt er sich vielmehr auf all das Gute, das er erkennt. Und das ist deshalb lesenswert, weil Paulus dabei auf Gott schaut. Er bedankt sich für sein Handeln, und dazu sind auch wir eingeladen, und es tut jedem und jeder gut. Lasst uns also den Inhalt dieses Briefabschnittes einmal genau betrachten.

Dabei können wir drei Leitworte herauslesen, die wichtig für den Glauben sind: Es sind „die Kraft Gottes“, „das Ziel Gottes“ und „die Treue Gottes“. Auch für uns ist es wichtig, diese drei Motive im Handeln Gottes immer wieder zu erkennen, denn wir sind oft genauso voller Sorge um das Christentum, die Kirche und die Gemeinde wie z.B. Martin Luther. Was ist denn noch da? Die Zahlen der Kirchenmitglieder gehen stetig zurück, Gottesdienstbesucher und -besucherinnen werden weniger, der Glaube nimmt ab und die Verweltlichung nimmt zu. Das macht auch uns oft verzagt.

Dazu kommen möglicherweise noch eigene Zweifel: Ist an dem Evangelium wirklich etwas dran? Wirkt Gott noch in unserer Zeit? Und ist der Tod tatsächlich besiegt? Wir erfahren im Laufe unsres Lebens sehr vieles, das dagegen spricht. Auch persönliche Schicksalsschläge oder Enttäuschungen gehören dazu, wie bei Martin Luther. Trägt unser Glaube uns dann immer? Befallen uns nicht auch oft Traurigkeit und Wut, Depression und Ängste? Manchmal scheint Gott doch fern zu sein, und wir fragen uns, ob er überhaupt da ist. Dazu sehen wir, dass es „den Gottlosen gut geht“ (Ps. 73,3), und so wissen wir manchmal nicht mehr, warum wir uns noch an den Glauben halten sollen. Zweifel und Verzagtheit bestimmen unser Lebensgefühl.

Doch das muss nicht sein. Paulus zeigt uns, wie wir aus dieser negativen Grundstimmung herausfinden können. Er lädt auch uns ein, unseren Blick auf Gott zu lenken und unsere Haltung zu ändern.

Dazu gehört es, dass wir zugeben, wie sehr wir immer auf unsere menschlichen Möglichkeiten schauen, auf unsere eigenen Fähigkeiten und Ziele, die oft sehr hoch gesteckt sind. Wir wollen viel und trauen uns viel zu. Zwischendurch und am Ende vergleichen wir dann das, was wir geschafft haben mit dem, was wir einmal wollten. Oder wir vergleichen uns mit anderen, von denen wir das Gefühl haben, dass sie besser sind. Das betrifft auch unsere Sicht auf die Kirche und die Gemeinde und unseren Umgang damit. Und dadurch entsteht das Leiden, denn wir fühlen unsre Unzulänglichkeit und unsere Schwäche. Es sind gar nicht die Umstände, die uns verzagen lassen, sondern unser Wollen und die Art und Weise, wie wir die Dinge sehen und beurteilen. Diese Haltung ist es, die zu unserer schlechten Stimmung führt.

Es gilt also, das zu ändern, oder zumindest immer wieder zu unterbrechen. Wir müssen uns eingestehen, dass wir viel weniger können, als wir meinen. Gott dagegen kann unendlich viel. Vor allem die Kirche und die Gemeinde sind sein Werk. Niemand könnte an ihn glauben, wenn nicht Gott ihn dahin führen würde. Und so ist es auch im Leben: Gott ist da, sein Wirken ist bloß oft ganz anders, als wir es uns vorstellen. Er lenkt unseren Weg, und wir verdanken ihm unser Leben. Das dürfen wir uns immer wieder bewusst machen und ihm dafür danken. Dann sehen wir unser Leben anders. Es gibt dafür ein einfaches mathematisches Bild: Die Gegenwart Gottes ist wie das positive Vorzeichen vor einer Klammer. Mag innerhalb der Klammer noch so viel Negatives stehen, so kann das nie das Vorzeichen ändern. Und das besteht darin, dass Gott bei uns ist. Er wird uns fest erhalten, was auch kommen mag. Wenn wir das glauben und darauf schauen, werden wir innerlich sicher und gewiss. Das ist der erste Gedanke, der sich aus dem Briefabschnitt ergibt.

Das zweite Motiv, das hier auftaucht, ist das „Ziel Gottes“, und das ist groß und wunderbar. Gott hat eine Zukunft für uns eröffnet, die weit über diese Welt hinausweist. Er will, dass wir ihn eines Tages ganz sehen, dass wir Christus begegnen, wenn er sich endgültig offenbart. Und er wird selber dafür sorgen, dass wir „untadelig“ sind. Wir haben also immer eine Zukunft, der gegenüber unsere Zukunftssorgen fast kleinlich wirken. Oft denken wir nämlich lange nicht weit genug. Unsere Ziele sind viel zu irdisch, selbst wenn es uns um die Kirche geht. Wir wollen hier und jetzt vollere Kirchen, lebendigere Gemeinden und fröhlichere Christen und Christinnen. Doch darum geht es letzten Endes gar nicht. Die Kirche ist nicht eine menschliche Gemeinschaft, sondern ein Abbild für die ewige Gemeinschaft der Menschen mit Gott. Seine Zukunftsvision ist viel weitreichender: Er sieht eine erlöste Menschheit, in der der Tod nicht mehr regiert. Und da will er uns hinführen. Auch wir sollten dieses große Ziel nie aus den Augen verlieren und daran glauben. Dann weitet sich unser Geist, die Seele atmet auf und der Leib kann sich entspannen. Uns durchströmen bereits jetzt die Kräfte der Ewigkeit, wir sind erlöst und frei. Das ist das zweite Thema, das hier aufleuchtet.

Und als drittes nennt Paulus die „Treue Gottes“. Treue spielt ja in einer Beziehung eine Rolle. Wir versprechen sie z.B., wenn wir heiraten, denn sie sorgt dafür, dass wir unabhängig werden von dem Auf und Ab, das jede Ehe mit sich bringt. Sie gewährt Dauer und Beständigkeit. Und genauso ist es mit Gott. Er hat sich uns verbürgt und er ist zuverlässig. Im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi hat er seine Treue besiegelt. Er will die Gemeinschaft mit uns, er will uns teilhaben lassen an der Auferstehung. Das ist der Grund für unsere Gewissheit.

Und all das, der Glaube an die Kraft Gottes, an sein Ziel mit uns und an seine Treue, kann uns fröhlich und zuversichtlich machen. Ganz am Ende ging es auch Luther so. In den allerletzten Wochen und Tagen seines Lebens distanzierte er sich von der Welt. Die Klagen über die Erfolglosigkeit so vielen Tuns wurden weniger laut. Er wurde verhaltener, und plötzlich beobachteten seine Mitmenschen eine ungewöhnliche Gelassenheit an ihm. Sein Glaube äußerte sich nun als Überlegenheit, die nicht mehr von irdischer Verbundenheit bestimmt war. Er war vielmehr von der Erwartung der jenseitigen Welt getragen. Es gibt ein paar sehr späte, persönliche Briefe von ihm, die vergnügt und fast munter klingen. Und eine seiner letzten Aussagen ist berühmt geworden. Sie bezieht sich auf die Heilige Schrift, über die Luther sagte. „Neige dich vor ihren Spuren! Wir sind Bettler. Das ist wahr.“  Und bevor er seinen letzten Atemzug tat, betete er wie Jesus Christus laut: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Ein Augenzeuge berichtet: „Er tat einen tiefen, doch sanften Atemzug, mit dem er seinen Geist aufgab, mit Stille und großer Geduld.“ (s.o., S. 370f)

Und das ist schön, so kann es auch uns gehen, wenn wir fest auf Jesus Christus blicken und ihm für alles danken, was er uns geschenkt hat.

Amen.

Gott geht mit den Seinen

Predigt über Josua 3, 5-16: Israel geht durch den Jordan

1. Sonntag nach Epiphanias, 13.1. 2019, 9.30 Uhr, Lutherkirche Kiel

Josua 3, 5- 16

5 Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.
6 Und zu den Priestern sprach er: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her.
7 Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, adich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: bWie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein.
8 Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen.
9 Und Josua sprach zu den Israeliten: Herzu! Hört die Worte des HERRN, eures Gottes!
10 Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter:
11 Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers über alle Welt wird vor euch hergehen in den Jordan.
12 So nehmt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels, aus jedem Stamm einen.
13 Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Lade des HERRN, des Herrschers über alle Welt, tragen, in dem Wasser des Jordans stillstehen, so wird das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, nicht weiterlaufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall.
14 Als nun das Volk aus seinen Zelten auszog, um durch den Jordan zu gehen, und als die Priester die Bundeslade vor dem Volk hertrugen
15 und an den Jordan kamen und ihre Füße vorn ins Wasser tauchten – der Jordan aber war die ganze Zeit der Ernte über alle seine Ufer getreten –,
16 da stand das Wasser, das von oben herniederkam, aufgerichtet wie ein einziger Wall, sehr fern, bei der Stadt Adam, die zur Seite von Zaretan liegt; aber das Wasser, das zum Meer hinunterlief, zum Salzmeer, das nahm ab und floss ganz weg. So ging das Volk hindurch gegenüber von Jericho.

Liebe Gemeinde.

Um von einer Seite des Nordostseekanals auf die andere zu kommen, gibt es 10 Brücken, 14 Fähren und einen Tunnel. Überall dort, wo vor dem Bau bereits eine Straße war, musste die Überquerung gewährleistet werden, deshalb gibt es so viele Möglichkeiten. Über einen Fluss führen normalerweise weniger Brücken oder Fähren, geschweige denn, dass ein Tunnel darunter hinweg geht. Denn das sind natürliche Wasserläufe, die nicht selten auch eine Ländergrenze bilden. Das hat sich im Laufe der Geschichte ganz von allein ergeben, weil es in früheren Jahrhunderten noch wesentlich schwieriger war, über einen Fluss zu kommen. Die ersten festen Brücken wurden von den Römern im 5. Jahrhundert vor Christus gebaut. In vorgeschichtlicher Zeit verwendete man umgestürzte Bäume, bewusst platzierte Stämme, Lianen, Steine und hölzerne Planken. Sie überwanden allerdings nur kurze Distanzen.

Über den Jordan, den Fluss, der von Norden nach Süden durch Palästina fließt, kamen die Menschen in der Frühgeschichte Israels also nur ganz schwer. Der war zu breit und lag außerdem in einem tiefen Graben. Als die Israeliten dort ankamen und auf die andere Seite wollten, waren sie demnach erst einmal ratlos. Nur durch ein Wunder gelang es ihnen, den Fluss zu überqueren.

So wird es in der Geschichte erzählt, die wir vorhin gehört haben. Sie handelt von dem Durchzug des Volkes Israel durch den Jordan. Wenn wir uns vorstellen, was da beschrieben wird, sehen wir Abertausende von Menschen, wie sie nach der langen Wüstenwanderung endlich zum Jordan gelangt sind. Sie waren kurz vor dem Ziel, denn auf der anderen, der westlichen Seite, lag das „gelobte Land“, das ihnen von Gott verheißen war. Diese Verheißung hatte sie auch geführt. Gott hatte sie einst den Vätern und später Mose gegeben. Nun lag das versprochene Land vor ihnen, zum Greifen nah, aber da floss der Jordan. Unüberwindlich tat sich der Graben des Stromes vor ihnen auf, und keiner wusste, wie sie dort hinüber gelangen sollten. Und noch etwas machte ihnen Angst: Selbst, wenn sie es schafften, wie würde es ihnen drüben ergehen? Sie kannten das Land nicht. Lauerten dort nicht Feinde? Mehrfach waren sie auf ihrer Wanderung angegriffen worden. Wer sagte ihnen, dass es jenseits des Jordan nicht wieder zu Kämpfen kommen würde?

Doch mit diesen Fragen mussten sie sich nicht lange beschäftigen, Gott selber gab ihnen die Antwort: Mit einer unsichtbaren Macht hielt er das Wasser des Jordan zurück, so dass Männer, Frauen und Kinder trockenen Fußes durch das Flussbett ziehen konnten. Seine starke Hand beschützte sie.

Dabei spielte die sogenannte Bundeslade eine Rolle. Das war ein hölzerner Kasten, in dem die Gesetzestafeln lagen. Sie war das Heiligtum des Volkes Israel, das sie durch die Wüste getragen und bei einer Rast jeweils in einem besonderen Zelt, der Stiftshütte, aufgestellt hatten. Später stand sie im Tempel in Jerusalem. Mit ihr gelang es den Israeliten nun, durch den Jordan zu ziehen, denn als die Priester mit der Lade den Fluss betraten, wich das Wasser zu beiden Seiten. Es wurde in seiner reißenden Strömung angehalten. Nach dem Durchzug kehrte das Wasser in sein Bett zurück.

Das Ereignis erinnert an einen Bericht des arabischen Geschichtsschreibers Nuwairi, nach dem im 13. Jahrhundert n. Chr. einmal das Jordanwasser aussetzte, weil sich im Oberlauf nach einem Ufereinsturz ein Damm gebildet hatte. Ob sich in unserem Text eine Erinnerung an einen ähnlichen Vorfall erhalten hat, muss offen bleiben. Hier ist der Bericht Teil einer theologischen Konzeption: Es geht um ein wunderbares Eingreifen Gottes.

Dabei erinnert das beschriebene Wunder an den Durchzug durch das Rote Meer (2. Mose 14). Mit ihm hatte Gott dem Volk die Flucht vor den Ägyptern und den Weg durch die Wüste ermöglicht. Am Ende ihrer Wanderung stand nun wieder so ein göttliches Handeln, mit dem das Werden Israels im verheißenen Land begann. Die Heilsgeschichte nahm ihren weiteren Verlauf, der bis hin zum Kommen Jesu reicht.

So wird es uns in der Bibel erzählt. Was jedoch genau geschehen ist, als das Volk Israel in das „gelobte Land“ einzog, wissen wir nicht. Die Geschichten in der Bibel, die davon handeln, sind keine historischen Berichte. Sie wollen vielmehr hauptsächlich die Macht Gottes beschreiben, seine Gegenwart und Treue. Es geht um die Geschichte Gottes mit seinem Volk: Er tut, was er verheißen hat, das war der Glaube Israels. Und bei dieser Betrachtung der Vergangenheit sind im Nachhinein ganze Jahrhunderte zusammengerückt und haben sich ineinander geschoben. In Wirklichkeit war die sogenannte Landnahme nämlich ein langer Prozess. Die Ahnen Israels waren wohl eher Kulturlandnomaden, die sich im Laufe des 2. Jahrtausends v. Chr. im alten Palästina friedlich angesiedelt haben.

Es ist wichtig, dass wir uns das klar machen, denn in der Geschichte klingt ja an, dass es einen „Heiligen Krieg“ gegeben hat, mit dem Israel das Land einnahm. Erst dadurch wurde es angeblich frei für die Neubesiedelung. Dieser Krieg wird im weiteren Verlauf des Josuabuches dann auch mit manchen grausamen Schilderungen ausgeführt. Danach war es Gott selbst, der für Israel kämpfte.

Das tut unseren heutigen Ohren weh, denn ein Teil dieser Vorstellung ist die Vernichtung der Feinde im göttlichen Auftrag. Das macht uns Mühe, weil diese Ausführungen in der Geschichte und bis in die Gegenwart hinein Nachwirkungen hatten, sowohl im Islam als auch im Christentum. Und erst recht nach den Erfahrungen des letzten Jahrhunderts verbietet es sich, dass wir uns eine Vertreibung und einen Völkermord im Auftrag Gottes vorstellen, davon reden, geschweige denn ihn durchführen.

Doch so müssen wir das Alte Testament auch nicht verstehen. Es ist wichtig zu sehen, dass es sich im Buch Josua um einen späteren, geschichtstheologischen Entwurf handelt, in den leidvolle Erfahrungen Israels aus den Kämpfen vor dem Exil eingeflossen sind. Tatsächlich erfolgte die Landnahme wie gesagt friedlich, und es gab diesen Krieg so gar nicht. Hier spricht sich vielmehr ein Glaube aus, der sich in rauen Zeiten bewähren musste. Das Bild von einem kriegerischen Gott verändert sich auch bereits im Alten Testament gründlich. Und vollends das Neue Testament versteht Gott dann ganz anders.

Unsere Geschichte enthält also kein historisches Ereignis, sondern eine theologische Aussage: Die wunderbare Macht und Gegenwart Gottes wird hier beschrieben. Es geht um eine Glaubenserfahrung. Und die hat natürlich auch für uns eine Bedeutung. Wir können vieles aus der Erzählung sehr schön auf unser Leben anwenden.

Dafür ist es gut, wenn wir uns als erstes bewusst machen, dass unser Leben ein Weg ist. Gerade am Anfang eines neuen Jahres nehmen wir das wahr. Wir merken, es geht immer weiter. Und es nicht immer einfach. Es gibt viele „Grenzflüsse“, d.h. Grenzen, an die man gleichsam nach langer Wanderung gelangt ist, und man weiß: man muss hinüber. Aber da ist die bange Frage, es wie gelingt, über die Grenze zu kommen. Und wie wird es drüben sein? Was kommt auf mich zu? Solche Grenzen können Entscheidungen im persönlichen Leben sein, oder auch größere Geburtstage, die das Leben unübersehbar gliedern. Einen tiefen Einschnitt bildet immer auch der Verlust eines Menschen, eine Krankheit, ein Unfall usw.

Wenn wir fragen, wie wir da hindurch bzw. hinüber kommen, schildert unsere Geschichte nun etwas Unerhörtes: Der Weg in das jenseits liegende Land wird frei. Auf trockenem Boden gelangt das ganze Volk hinüber. Und damit soll kein plattes Wunder und auch kein satter Glaube beschrieben werden, dem alles in den Schoß fällt. Nein, Schritt für Schritt müssen die Menschen erst einmal in die Gefahr hinein, müssen das Flussbett überqueren, obwohl das Wasser jeden Augenblick zurückkehren könnte. Was sie erfahren, ist also dies: Gottes Gegenwart trägt sie durch, eben Schritt für Schritt, bis sie am anderen Ufer ankommen. Und auch dort wird sich, gegen alle scheinbare Bedrohung, die Verheißung erfüllen, dass es „ihr Land“ ist.

Und diese Erfahrung können wir ebenfalls machen: Wir müssen nur nach Gottes Willen fragen, auf ihn vertrauen und uns an ihn halten. Dann macht er uns den Weg frei, er zeigt ihn uns, wenn wir ihn gehen, und er hält die Gefahren zurück.

Dabei ist es sehr schön, dass in unsrer Geschichte zwei Details genannt werden, die uns einen Hinweis auf unsere Glaubenspraxis geben können. Zum einen heißt es am Anfang nämlich, dass das Volk sich vor dem Überqueren des Jordan „geheiligt“ hat. Sie haben also an Gott gedacht und sich auf seine Gegenwart eingestellt. Und das ist auch für uns ratsam. Es bedeutet, dass wir uns in der Stille auf Gott und seine Führung einrichten, zu ihm beten und seinen Geist empfangen. Paul Gerhardt hat das in einem Lied, das er für den Jahresbeginn dichtete, sehr schön zum Ausdruck gebracht. Es beginnt mit den Worten: „Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.“ (EG 58,1) Darin bestünde unsere „Heiligung“, dass wir singend und betend unseren Weg gehen.

Die andere Einzelheit in der Geschichte, die wir auf unsere Frömmigkeit übertragen können, ist die „Bundeslade“, die die Israeliten mit sich führten. Sie war ein Zeichen für die Gegenwart Gottes. Eine Bundeslade haben wir zwar nicht, aber Gott gibt auch uns Zeichen, an denen sich unser Glaube festmachen kann. Das sind z.B. die Bibel und der Gottesdienst. Sie bezeugen Gottes Gegenwart, erzählen uns von ihm und stärken unseren Glauben. Materiell haben wir Gott damit nicht; aber er hat uns diese Dinge gegeben, damit sie uns immer wieder an ihn erinnern.

Sie können das, weil uns in ihnen Jesus Christus begegnet, der Sohn Gottes. Er ist das eigentliche und lebendige Zeichen, das allen anderen vorkommt. Er wurde gesandt, damit wir an ihm erkennen, was Gott kann und tut, an seinem Weg, seiner Verkündigung, seinem Kreuz und seiner Auferstehung. Konkret begegnet er uns bei unserer Taufe und im Abendmahl. Die Sakramente bezeugen die Liebe Gottes und den „neuen Bund“, den er mit uns in Jesus Christus schloss. Es sind Quellen der Kraft, um über die Grenzen in unserem Leben hinüberzugelangen, Schritt für Schritt, im Glauben getragen.

Heute, wo wir wissen, wie man Brücken baut, können wir uns gerne auch eine Brücke vorstellen, die in entsteht, wenn wir unseren Weg über eine Grenze wagen. Sie verbindet zwei Ufer, die ohne sie voneinander getrennt sind, und gibt uns einen sicheren Halt. Jenseits wartet ein Stück „verheißenes Land“, und auch dort werden wir den Weg finden. Im vollen Sinn gilt das schließlich für die letzte Grenze im Leben und für die Zukunft jenseits der Zeit. Bis dahin trägt uns Gott mit der Kraft seiner Liebe.

Wenn wir uns in dieser Weise im Glauben üben, wächst im Laufe der Zeit das Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes. Das Gefühl der Geborgenheit bei ihm wird stärker. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass er wirklich etwas kann und tut. Wir gründen uns auf eine unsichtbare Macht, die überall da ist, wo wir sind. Sie umgibt uns von allen Seiten.

Das wird in einem Reisesegen aus der Tradition der Kirche sehr schön zum Ausdruck gebracht, der auch in unserem Gesangbuch steht. Er lautet: „Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen, und dich zu schützen. Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen. Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen. Der Herr sei über dir, um dich zu segnen. So segne dich der gütige Gott.“ (EG, Ausgabe für die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, Nr. 922).

Amen.