Die Kirche in der Welt

Predigt über Römer 13, 1- 7: Das Verhältnis zur staatlichen Gewalt

23. Sonntag nach Trinitatis, 4.11. 2018, 9.30 und 11 Uhr,
Luther- und Jakobikirche Kiel

Römer 13, 1- 7

1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.
2 Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu.
3 Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten.
4 Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut.
5 Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen.
6 Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht.
7 So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

Liebe Gemeinde.

Am 31. Mai 1934 wurde auf der Bekenntnissynode in Barmen eine theologische Erklärung verabschiedet. Sie war von drei namhaften Theologen ausgearbeitet worden und wurde die zentrale theologische Äußerung der Bekennenden Kirche unter der nationalsozialistischen Herrschaft. Sie richtete sich gegen die falsche Theologie und das Kirchenregime der sogenannten „Deutschen Christen“. Die hatten damit begonnen, die evangelische Kirche der Diktatur des „Führers“ anzugleichen, und das war schlimm. Deshalb trennt die Barmer Erklärung Staat und Kirche voneinander und macht deutlich, welche Aufgabe der jeweiligen Institution zukommt. In Artikel fünf heißt es: „Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens […] für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche […] erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.“ (Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, Nr. 810,5)

Bis heute gilt die Barmer Erklärung als wegweisendes Lehr- und Glaubenszeugnis der deutschsprachigen evangelischen Kirche und ist deshalb in unserem Gesangbuch im Wortlaut abgedruckt.

Und das ist auch gut so, denn was hier formuliert ist, deckt sich mit dem Neuen Testament. Dort ist die Unterscheidung zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Welt ebenfalls grundlegend. Sowohl Jesus als auch Paulus sahen darin zwei Wirklichkeiten, die voneinander abgegrenzt sind, und daraus haben sie ihre Schlüsse gezogen. Hinter den Aussagen über die Obrigkeit, die Paulus im Römerbrief formuliert hat, steht diese Weltsicht ebenfalls, und es ist ganz wichtig für das Verständnis dieses Textes, dass wir das berücksichtigen.

Denn beim ersten Hören sind wir ja zunächst empört und regen uns auf. Paulus sagt hier, dass alle Obrigkeit von Gott eingesetzt ist. Deshalb ermahnt er zur Loyalität gegenüber den Staatsorganen. Die Christen sollten sich um Frieden und Liebe gegenüber jedermann bemühen, auch gegenüber den staatlichen Ordnungen und Autortäten. Denen sollten sich die Christen unterordnen, denn sie haben ihre Macht nicht an Gott vorbei, sondern üben sie aus, weil er es angeordnet hat. Wer sich der Staatsmacht widersetzt, lehnt sich also gegen den Willen Gottes auf. Das sagt Paulus hier. Damit will er aus den Christen zu Rom zwar keine kaisertreuen Patrioten machen, aber er mutet ihnen zu, ihren Bürgerpflichten nachzukommen. Besonders wichtig sind ihm die Zoll- und Steuerzahlungen. Sie dienten dazu – wie auch bei uns –, dass der Staat mit Hilfe des eingetriebenen Geldes tat, was allen zu Gute kam. Und daran sollten sich auch die Christen beteiligen. Paulus rät ihnen von Handlungsweisen ab, die als politischer Protest gedeutet werden könnten.

Und das empört uns wie gesagt. Es fällt uns in unseren Tagen nach zwei Weltkriegen und unzähligen blutigen Auseinandersetzungen schwer, diese Gedankengänge des Paulus nachzuvollziehen. Täglich hören wir Meldungen und sehen Bilder von Menschen, die unter Gewalt, Hunger und Vertreibung leiden, weil staatliche Ordnung versagt, der Stärkere sich nimmt, was er will, ohne Strafe zu fürchten. Da wollen diese sieben Verse aus dem Römerbrief nicht einleuchten. Sie scheinen die grausame Realität zu missachten und ihre Opfer zu verspotten. Was sollen wir damit also anfangen?

Sicher würden einige von euch dafür plädieren, sie gar nicht mehr zu lesen, sie zu ignorieren und bei Seite zu schaffen. Aber ist das sinnvoll und steht uns das zu? Können wir einfach so Teile aus der Bibel rausschmeißen, bloß weil sie uns nicht gefallen oder zu schwierig sind? Ich finde das problematisch. Außerdem lohnt es sich fast immer, über das nachzudenken, was uns erst mal nicht passt. Lasst uns das also mit dem Text von Paulus auch tun, und zunächst versuchen, ihn zu verstehen. In einem zweiten Schritt wollen wir dann überlegen, wie wir das auf unser Leben und in unserer Zeit anwenden können.

Was Paulus betrifft, so ist es wie gesagt in seinem ganzen Denken grundlegend, dass er zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Welt unterscheidet. Dabei ist Gott für ihn auf jeden Fall der Mächtigere, der Schöpfer und Ordner, von dem alles kommt und zu dem alles geht. Was dabei die Menschen betrifft, so hat er sie befähigt, ihr Zusammenleben zu organisieren und soziales Chaos zu verhindern.

Wir hören unseren Text leicht so, als seien Gott und die Ordnungen der Welt identisch, als stünde da mathematisch gesehen ein „ist gleich“ (=). Doch das ist nicht so, es steht ein „ist größer“ (>) dort. Gott ist nicht die Obrigkeit, er hat sie vielmehr eingesetzt, d.h. auch sie ist ihm untergeordnet. Alles muss ihm gehorchen, und dadurch relativiert sich auch alles, was in der Welt geschieht, sowohl das Gute als auch das Schlechte. Wer an Gottes Macht glaubt und sich an ihn bindet, für den ist die Welt zweitrangig. Davon waren das Lebensgefühl und das Denken von Paulus bestimmt. Das müssen wir als erstes beachten.

Dazu kam bei Paulus die Überzeugung, dass es mit dieser Welt sowieso bald zu Ende gehen würde. Paulus lebte in der sogenannten Naherwartung, und das hieß für die christlichen Hausgemeinden, dass sie Christus angehörten, dem endzeitlichen Herrn der Welt, und sie gingen als seine Zeugen auf den nahe bevorstehenden Gerichtstag Gottes zu. Es lohnte sich für sie also gar nicht, in dieser Welt noch etwas zu ändern. So sah Paulus das. Sie sollten deshalb die bestehende Regierungsmacht und deren Geldansprüche respektieren und sich ruhig verhalten.

Und schließlich müssen wir berücksichtigen, dass der römische Staat zu den Lebzeiten von Paulus noch funktionierte. Die Christenverfolgungen und Gräueltaten setzten erst später ein. Paulus hat erlebt, dass die weltlichen Ordnungen die Bürger schützten. Es gab für ihn keinen Grund zur Klage. Er sah es vielmehr so, dass Gott mittels der staatlichen Autoritäten zugunsten aller Menschen und auch der Gemeinden das Gute befördert und das Böse in Grenzen hält. Auf die Frage, wie die Christen sich in einem Unrechtsstaat verhalten sollten, geht Paulus hier also gar nicht ein.

Wenn wir das alles beherzigen, verstehen wir den Abschnitt besser und können zur zweiten Frage übergehen, die lautet: Wie wenden wir das nun auf unser Leben an? Um das zu beantworten, möchte ich gerne wieder mit der Vorstellung und der Lehre beginnen, dass es zwei Reiche gibt, das Reich Gottes und das Reich der Welt.

Als Christen gehören wir zum ersten, denn dafür hat Jesus Christus gesorgt. Er hat durch sein Sterben und Auferstehen das Reich Gottes für alle geöffnet, die an ihn glauben. Wenn wir das tun, wissen wir also um mehr als diese Welt. Wir erkennen hinter allem, was geschieht, noch eine andere Macht als nur die menschliche. Wir sind auf Gott bezogen und schöpfen unsere Zuversicht aus seiner Gegenwart. Wir sind bereits erlöst und freuen uns auf die Ewigkeit. Auch im Leiden und Sterben sind wir noch geborgen. Wir können demnach getrost in dieser Welt leben und ihre Ordnungen anerkennen. Wir können uns unauffällig verhalten und dabei hoffnungsfroh und ruhig bleiben.

Das besagt die Zwei-Reiche-Lehre, und es tut gut, sie anzunehmen. Es ist heilsam und befreiend, das Reich Gottes von dem Reich der Welt zu unterscheiden. Wenn alle Menschen das täten, gäbe es auch kein Unrecht mehr. Fast alle Gräueltaten haben darin ihren Ursprung, dass Menschen sich plötzlich zu Göttern erheben, dass sie Gottes Macht nicht mehr anerkennen und sich selber an oberste Stelle setzen.

Genau dagegen wendet sich auch die Erklärung von Barmen. Es heißt in dem Artikel fünf weiter: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.“ (EG 810,5)

Die Barmer Theologen kritisierten zum einen die Anmaßungen Hitlers und zum anderen die Verirrung der „Deutschen Christen“. Und Paulus hätte das sicherlich unterschrieben. Auch er war gegen eine Verwechslung von staatlicher Obrigkeit und dem Anspruch des Evangeliums. Aus der Nachfolge Christi folgt weder eine Diktatur noch die Anarchie. Sie befähigt vielmehr, in dieser Welt, die noch „nicht erlöst“ ist, friedlich als Christ zu leben. So ist seine Ermahnung, „der Obrigkeit zu gehorchen“, gemeint.

Doch was sollen nun die Menschen tun, denen die Regierenden Unrecht zufügen? Die staatliche Macht kann ja dämonische Züge annehmen. Gilt das, was Paulus hier sagt, dann weiterhin? Sollen wir wirklich alles erleiden und nie aufbegehren? Diese Frage geht wie gesagt über unseren Text hinaus, aber natürlich müssen wir uns in diesem Zusammenhang damit beschäftigen. Wenn wir Paulus das fragen, würde er sicher zunächst sagen: „Es lohnt sich mehr, wenn du so viel wie möglich erträgst. Du kannst damit Christus ähnlich werden und an seinem Sterben und Auferstehen Anteil bekommen. Ein Christ oder eine Christin ist zum Leiden und Sterben befähigt. Auch durch Unrecht kannst du zu Gott finden. Du kannst sogar gerade im Sterben ihm nahe kommen, es ist wie die Tür zu seinem Reich.“ Paulus hat so gelebt und ist so gestorben. Er war durchdrungen von der Gewissheit, dass er an der Auferstehung teilhat. Und diese Erfahrung können wir alle machen. Unsere Seele und unser Geist sind viel elastischer, als wir denken. Wir können sie sehr weit dehnen und uns damit nach Gott ausstrecken.

Trotzdem ist natürlich irgendwann die Dehngrenze erreicht. Wenn wir ein Gummiband immer weiter auseinanderziehen, reißt es irgendwann. Und so ist auch mit der Seele. Was wir ertragen müssen oder wollen, kann an einem bestimmten Punkt zerstörerisch sein, dann halten wir es nicht mehr aus, und es führt uns auch nicht zu Gott. Wir zerbrechen vielmehr daran. Wann das so ist, lässt sich nicht pauschal festlegen, darüber kann man keine allgemein gültigen Aussagen machen. So wie wir, die wir hier sitzen, körperlich alle unterschiedlich beweglich sind, so ist es auch mit der Seele und dem Geist. Wir halten verschieden viel aus, und jeder und jede muss selber erkennen, wann für sie Schluss ist. Dann gilt nicht mehr der Satz „Es ist notwendig, sich unterzuordnen“, sondern: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Das hat Petrus in der Apostelgeschichte gesagt. (Apg. 5,29) Er begründete damit gegenüber dem Hohen Rat, dass er nicht aufhören wird, das Evangelium zu predigen, selbst wenn der Staat es verbietet. Das war seine Entscheidung, und so müssen auch wir letzten Endes selber entscheiden, ob wir etwas ertragen oder verändern wollen.

Im Blickfeld des Neuen Testamentes lag es noch nicht, dass die Christen auf eine humane Staatsform dringen sollen, die den Ansprüchen des Evangeliums entgegenkommt, aber natürlich können wir das heutzutage versuchen. Wir haben ja auch ganz andere Möglichkeiten als z.B. Paulus. Gerade in Deutschland haben wir eine Verfassung und ein Grundgesetz, die die Freiheit der Einzelnen schützen. Wir können mitbestimmen, mitreden und für das Gute kämpfen. Keiner verbietet uns das oder hindert uns daran, und dafür dürfen wir dankbar sein. Wir sind auch eingeladen, für die Regierenden immer wieder zu beten und Gott darum zu bitten, dass sie seinen Willen tun.

Bloß verwechseln sollten wir die beiden nicht. Gott ist nicht der Staat und die Regierung hat nicht dieselbe Macht wie er. Letzten Endes sind wir als Christen an ihn und an seinen Sohn Jesus Christus gebunden, so wie es am Anfang der Barmer Erklärung heißt: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ (EG Nr. 810,1)

Amen.

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Gott gibt uns Zukunft und Hoffnung

Predigt über Jeremia 29, 1. 4- 7. 10- 14: Jeremias Brief an die Weggeführten in Babel

21. Sonntag nach Trinitatis, 21.10. 2018, Jakobikirche Kiel

Jerermia 29, 1.4-7.10-14

1 Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte
4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:
5 Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte;
6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet.
7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.
10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.
11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.
12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören.
13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,
14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Liebe Gemeinde.

Normalerweise möchte sich jeder Mensch gerne irgendwann niederlassen und da bleiben, wo er ist. So geht es auch denjenigen, die hierher nach Deutschland geflohen sind. Sie suchen in unserem Land eine neue Perspektive. Wenn sie noch jung sind, wollen sie gerne eine Ausbildung machen, Geld verdienen und eine eigene Wohnung mieten. Wenn sie bereits eine Familie haben, soll die am liebsten hierher kommen können, denn das gehört dazu, wenn man irgendwo langfristig bleibt.

Und das ist ganz normal. Jeder Mensch braucht ein zu Hause, eine Bleibe, die so eingerichtet ist, dass man sich darin wohl und geborgen fühlt, und aus der man nicht vertrieben wird. Es muss uns auch nicht gesagt werden, dass wir uns so etwas schaffen sollen. Das Bedürfnis ist einfach da und führt uns von selber dazu, uns niederzulassen. Entsprechend zermürbend ist es, wenn man nicht weiß, ob man bleiben darf und monatelang warten muss.

Deshalb ist so ein Brief, wie wir ihn vorhin in der alttestamentlichen Lesung gehört haben, erst einmal verwunderlich, denn darin fordert der Prophet Jeremia seine Landsleute zu etwas auf, das eigentlich selbstverständlich ist: „Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte“, sagt er. Seine Aufforderung lautet also: Macht euch sesshaft. Das war offensichtlich möglich, aber sie taten das nicht von selber. Sie wollten sich dort, wo sie gerade waren, nicht niederlassen oder fest einrichten. Und das hatte auch einen Grund. Sie wollten da in Wirklichkeit nämlich gar nicht sein und rechneten damit, dass sie bald wieder weggehen würden. Es war für sie nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, und deshalb blieben ihre Behausungen provisorisch.

Und dafür gab es Gründe. Sie waren nicht freiwillig dort, noch nicht einmal für eine Flucht hatten sie sich entschieden, sondern sie waren verschleppt worden. Jeremia schrieb den Brief an „den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte.“

Sie kennen die Geschichte sicherlich. Im Jahr 597 vor Christus zog der König Nebukadnezar von Babylon gegen Jerusalem, um es einzunehmen. Er hatte Erfolg, und nahm den jüdischen König Jojachin und alle anderen wichtigen Leute aus seinem Land gefangen. Ein Teil der Bevölkerung wurde also deportiert und lebte danach im Exil in Babylonien. Die Daheimgebliebenen waren Gefangene im eigenen Land. Und um den ganzen die Krone aufzusetzen, wurde die Stadt Jerusalem von Nebukadnezar zerstört. Auch der Tempel fiel seinem Raubzug zum Opfer, und damit war das Ende des Staates Juda besiegelt.

Der Prophet Jeremia hat das alles mit erlebt. Er hatte den König auch mehrfach gewarnt, dass es eintreten würde, aber keiner hatte ihn ernst genommen. Sie hatten ihn sogar ein paar Mal eingesperrt, weil er ihre Ruhe störte. Sie mochten ihn überhaupt nicht, und mit diesem Brief hat er sich sicher auch nicht gerade beliebt gemacht, denn er prophezeite ihnen darin schon wieder eine unerfreuliche Zukunft: Sie werden nicht so schnell wieder aus dem Exil zurückkehren, das sagt er ihnen hier. Die, die jetzt da sind, werden dort auch sterben, denn erst nach 70 Jahren wird für „Babel die Zeit voll sein“, wie er sich ausdrückt. Erst dann wird Gott sein Volk heimsuchen und ihm gnädig sein und es wieder nach Jerusalem zurückbringen.

Und genau das ist der Grund, warum sie sich im Exil einrichten sollten. Sie sollten nicht ständig daran denken, dass morgen vielleicht alles besser wird, sondern sich auf die Situation einstellen, sie akzeptieren und konstruktiv damit umgehen. Sie sollten sich nicht in irgendwelchen unrealistischen Hoffnungen verlieren, sondern ihr Leben dort vor Ort in die Hand nehmen und das Beste draus machen.

Das war für die Juden sehr schwer, denn das Land, aus dem sie vertrieben worden waren, war mehr als einfach nur eine Heimat. Es war ihnen ja von Gott versprochen worden, er hatte es ihnen geschenkt, und deshalb war er ihnen eigentlich auch nur dort wirklich nahe. Das glaubten sie jedenfalls. Sie fühlten sich nicht nur von ihrem zu Hause vertrieben, sondern auch von Gott getrennt und von ihm verlassen. Psychologisch gesehen waren sie traumatisiert und verbittert, und dieses Gefühl, diesen Zustand wurden sie nicht los.

Jeremia verfolgt mit seinem Brief also therapeutische und seelsorgerliche Ziele. Er fordert die Juden zu einem Umdenken und einem anderen Verhalten auf. Dazu gehört auch die Botschaft, dass Gott sie keineswegs vergessen hat. Im Gegenteil, er hat „Gedanken des Friedens und nicht des Leides“ über sie. Er wird sie befreien und zurückführen. Sie haben keinen Grund, an ihm zu zweifeln, sondern sollen ihn jetzt erst recht anrufen, denn er will sie erhören. Sie sollen sogar für die Babylonier beten, denn wenn es denen gut geht, wird es ihnen auch gut gehen.

Der Brief enthält also Anweisungen zu einem konstruktiven Umgang mit dem Leben, er lädt zum Glauben und zur Zuversicht ein. Er wendet sich gegen Ungeduld und Niedergeschlagenheit, gegen Zorn und Verbitterung. Von all dem waren die Juden nämlich befallen. Und wenn sie sich weiter von der widrigen Situation, in der sie gerade steckten, beeindrucken ließen, würden sie darin auch versinken. Davor wollte Jeremia sie bewahren. Sie sollten aus ihrer Verbitterung herausfinden, loslassen und neue Lebenswege und Alternativen suchen. Es würde sich für sie etwas öffnen, wenn sie den Blick auf ihre Situation veränderten. Gott hatte sie nicht aufgegeben, sondern hielt eine Zukunft für sie bereit, und dieser Glaube sollte die Grundlage ihres Lebens sein. An seinen Verheißungen sollten sie sich orientieren, daran, dass er bei ihnen war und sie immer noch liebte. Denn nur dann würden sie das Leben dort in der Fremde bewältigen. Das würde ihnen die Kraft geben, auch im Exil ihr Leben in die Hand zu nehmen und es bewusst zu gestalten.

Und diese Botschaft ist es, die den Brief Jeremias auch für uns interessant macht. Das kommt uns zunächst nicht so vor, denn wir wollen wie gesagt alle gerne hierbleiben. Wir sind in einer ganz anderen Situation, als die Juden damals im Jahr 597 v.Chr. Wir leben nicht im Exil, im Gegenteil, die meisten von uns sind hier in Deutschland geboren, vielleicht sogar in Kiel, und es geht uns auch ganz gut. Und wer hierher geflohen ist, versucht wie gesagt alles, um eine feste Bleibe zu bekommen.

Trotzdem enthält Jeremias Brief auch für uns eine gute Botschaft, denn das psychologische Problem, das die Juden hatten, kann auch uns heimsuchen.

Ich habe darüber kürzlich einen Zeitungsartikel gelesen (in: „Die Volksstimme“, Nachrichten aus der Altmark, Sachsen-Anhalt). Da wird der Psychotherapeut Michael Linden zitiert, der an der Berliner Charité die Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation leitet. Und er hat für eine bestimmte Diagnoseeinen neuen Begriff geprägt, und zwar den der „posttraumatischen Verbitterungsstörung“. 1989 wurde er auf das Problem aufmerksam, denn immer wieder begegnete er Patienten, die sich als „Verlierer der Wende“ betrachteten, weil sie im vereinten Deutschland beruflich nicht Fuß fassen konnten. Sie litten an chronischer Verbitterung, d.h. sie ließen sich nicht versöhnen und hielten an ihrem Zorn fest.

Und das geht vielen Menschen so. Auch auf Grund anderer Erlebnisse kann es dazu kommen, wie z.B. einer Kündigung oder einer Trennung. Enttäuschungen, Kränkungen, Ungerechtigkeiten, Vertrauensbrüche, all das sind Ursachen, die zu hilfloser Verbitterung führen können. Sie nehmen im persönlichen Leben das Ausmaß einer Katastrophe an. Dabei gibt es noch viel schlimmere Ereignisse, wie z.B. der Krieg, vor dem Menschen hierher fliehen müssen, der gewaltsame Verlust eines Angehörigen durch einen Bombenangriff, eine Vergewaltigung, ein Erdbeben usw. Wenn eins von diesen Dingen eintritt, werden die Betroffenen genauso traurig, zornig, ungeduldig und niedergeschlagen wie die Juden im Exil, denen Jeremia schreibt. Sie hoffen vielleicht, dass morgen alles besser wird, aber das bleiben ganz oft nur Vorstellungen und Wünsche. Es kann gut sein, dass sie sich vom Leben zurückziehen, Schafstörungen bekommen und sich zu nichts mehr aufraffen können. Das alles sind Symptome, unter denen Menschen leiden, die etwas Schweres und Einschneidendes erlebt haben, deren Lebenskonzept empfindlich gestört wurde. Sie sind genauso traumatisiert wie die Juden im Exil und brauchen Hilfe.

Und die sind in dem Brief Jeremias vorhanden, denn er enthält sehr schöne Anregungen, die aus der Verbitterung herausführen können.

Zum einen gibt er praktische Ratschläge. Seine Landsleute sollen lernen loszulassen und sich auf das neue Leben einlassen, das sie nun führen. Es gibt eine Alternative zu der Traurigkeit, und die sollen sie nutzen. Es geht darum, kreativ zu werden und Veränderungen zu wagen. In dem Zeitungsartikel, den ich erwähnte, ist davon die Rede, dass die Patienten in der Therapie lernen, den Blick auf das Geschehene zu verändern, und zwar so, dass sie in die Lage versetzt werden, aus der Verbitterung herauszufinden. Am Ende wird der Schriftsteller Mark Twain zitiert, der einmal gesagt hat: „Enttäuschungen sollte man verbrennen, nicht einbalsamieren.“ Und genau das ist der therapeutische Tipp, den Jeremia seinen Landsleuten gibt.

Aber dazu kommt bei ihm noch mehr, und das ist die schöne Verheißung Gottes, die am Ende seines Briefes steht. Gott sagt durch den Propheten zu den Juden: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ Und das können wir gerne auch auf uns beziehen. Es ist eine allgemeingültige Botschaft, die besagt, dass es noch mehr gibt, als dieses Leben. Es wird letzten Endes sogar brüchig bleiben, doch das muss uns nicht zornig machen. Wir können vielmehr darauf vertrauen, dass Gott das längst weiß und an uns denkt. Egal, was in unserem Leben geschieht, seine Fürsorge hört nicht auf. Er liebt uns und hat für jeden von uns einen Weg. Das gilt es zu glauben. Dann haben wir auf jeden Fall einen tragfähigen Grund, der völlig unabhängig ist von den äußeren Umständen, in denen wir gerade stecken. Wir können uns immer wieder an Gott wenden, uns sozusagen auf ihn werfen. Dann wird er uns auch tragen und festhalten. Jeremia drückt das aus, indem er sagt: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“ Und das können wir ruhig glauben. Wir verlassen uns damit auf eine Wirklichkeit, die haltbarer ist, als alles andere. Es ist die Liebe Gottes, die niemals aufhört.

Lassen Sie uns also darauf vertrauen, denn das gibt unserem Leben eine ganz andere Qualität. Es schützt uns vor Ungeduld und Niedergeschlagenheit, vor Verbitterung und Zorn. Wir „überwinden dadurch das Böse mit Gutem“, wie es in unserem Wochenspruch heißt. (Römer 12,21) Und das gibt uns dann auch die Kraft und den Mut, unser Leben immer wieder anzunehmen und zu gestalten, es zum Positiven zu wenden und neu zu beginnen, wenn einmal etwas zusammengebrochen ist.

Zum Glück geht es vielen Menschen, die zu uns geflohen sind, genauso. Sie haben es geschafft, sich in unserem Land eine neue Existenz aufzubauen, haben die Sprache gelernt und eine Arbeit gefunden. Sie sind gut integriert. Das ist kein leichter Weg, denn es gibt viele Hindernisse. Geduld und Durchhaltevermögen gehören dazu. Und das gelingt auch unter den Geflüchteten am ehesten denjenigen, die einen starken Glauben haben. Denn sie haben einen inneren Halt, der ihnen die Kraft gibt, das Alte loszulassen und hier neu anzufangen.

Solche Beispiele können uns allen Mut machen, „Gottes Gedanken über uns“ immer wieder zuzulassen. Sie sind oft anders als unsere eigenen, denn es sind auf jeden Fall „Gedanken des Friedens und nicht des Leides.“ Wer mit Gott lebt, muss nicht verbittern, sondern kann erfahren, dass es „eine Zukunft und eine Hoffnung“ gibt, die niemals aufhören.

Amen.

Gott sorgt für uns

Predigt über 1. Mose 28, 10- 15: Jakob schaut die Himmelsleiter

15. Sonntag nach Trinitatis, 9.9.2018, Lutherkirche Kiel

1. Mose 28, 10- 15

10 Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran
11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.
12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.
13 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.
15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.

Liebe Gemeinde.

Während wir schlafen, träumen wir alle, und zwar in jeder Phase. Wie stark wir uns daran erinnern, ist allerdings sehr unterschiedlich. Und wenn das geschieht, sind uns meistens nur die Bilder vor Augen, die kurz vor dem Aufwachen unseren Traum begleitet haben. Sie sind dann noch sehr lebhaft und oft mit intensiven Gefühlen verbunden. In der Wachrealität sind die Geschehnisse größtenteils eher unwahrscheinlich oder sogar unmöglich. Nur manchmal entsprechen sie auch realen Dingen.

Allerdings haben sie immer etwas mit dem zu tun, was wir wirklich erlebt haben. Das Unbewusste ist beim Träumen aktiv, und wir verarbeiten vieles. Deshalb lohnt es sich auch, Träume zu deuten. In der Psychotherapie geht man davon aus, dass jeder Traum eine Botschaft an uns erhält. Wenn wir sie entschlüsseln, können unsere Träume uns also helfen, uns selber besser zu verstehen und Probleme zu lösen.

Insofern sind Träume immer eine Mischung aus Realem und Irrealem. Anders herum ist es ja auch so, dass wir beim Träumen manchmal wirklich sprechen, weinen oder schreien, oder sogar aufstehen und herum wandeln.

In der Bibel gibt es viele Geschichten über Träume, und dort haben sie immer ganz viel mit der Realität zu tun und sind von großer Bedeutung. Meistens spricht Gott im Traum zu den Betroffenen und gibt ihnen einen Auftrag, eine Warnung, eine Verheißung oder ähnliches. So ist es auch in der Geschichte über den Traum Jakobs von der Himmelsleiter.

Ich vermute, dass ihr die alle kennt, denn es ist eine schöne Geschichte, die in jeder Kinderbibel steht und die wir gerne weitererzählen. Sie ist hell und positiv. Schon das Bild von einer Leiter, die in den Himmel führt und auf der die Engel Gottes auf- und absteigen, vermittelt Hoffnung und Freude. Und dazu bekommt Jakob am Ende noch eine grandiose Verheißung von Gott, die wir gerne auch auf uns beziehen können.

Es ist eine sehr aussichtsreiche Geschichte, und dieser Charakter wird noch stärker, wenn man zusätzlich die Begleitumstände berücksichtigt, in denen das hier geschieht: Jakob hatte nämlich seine Heimat verlassen, er war also auf der Wanderschaft, und das war nicht freiwillig geschehen: Er war auf der Flucht und wurde sozusagen als Verbrecher gesucht. Denn er hatte sich gerade das gesamte Erbe seines Vaters erschlichen und dabei seinen Bruder Esau betrogen. Und Esau war so wütend darüber, dass er seinen Bruder sogar umbringen wollte. Deshalb musste Jakob fliehen. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, um sein Leben zu retten. Gerechterweise hätte Gott ihn für den Betrug auch bestrafen müssen. Ein Todesurteil stand darauf zwar nicht, aber in Ordnung war das Verhalten von Jakob auf keinen Fall gewesen.

Doch erstaunlicher Weise kommt die Strafe nicht. Gott ist nicht zornig und zieht Jakob nicht zur Rechenschaft. Im Gegenteil, er schenkt ihm gleich am Anfang seiner Reise diesen schönen Traum von der Himmelsleiter. Er verbündet sich also mit Jakob und verspricht ihm, dass alles gut wird. Gott wird mit ihm bleiben und ihn behüten, er wird ihn niemals verlassen, und er wird ihm sogar Segen und Reichtum schenken bis weit in die nachfolgenden Generationen. Eine bessere Verheißung kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Gott verspricht ihm alles, was er sich nur wünschen kann, ohne dass er das auch nur im Geringsten verdient hätte.

Dies geschah im Traum, aber es war beim Aufwachen für Jakob Realität. Er hatte Gott wirklich erlebt und gehört, und die Erinnerung daran war mit einem Gefühl von Ehrfurcht und Ergebenheit verbunden. Er war erfüllt von Gewissheit und Vertrauen. Er wusste sich von der Stunde an wirklich bei Gott geborgen und gewann dadurch Trost und Mut.

Das ist die Geschichte, die wir wie gesagt wahrscheinlich alle kennen und mögen. Trotzdem müssen wir uns fragen, wie real diese Verheißung denn nun eigentlich ist. Wenn uns heute jemand erzählen würde: „Ich habe letzte Nacht im Traum eine Leiter gesehen, die bis in den Himmel reicht, und Gott hat mir eine ganz tolle Verheißung geschenkt.“, dann würden wir glaube ich eher auf Abstand gehen und diesen Menschen für etwas überspannt halten. Wir nehmen unsere Träume zwar ernst, aber nicht so. Sie geben uns wie gesagt Aufschluss über uns selbst und über das Unbewusste, aber eine reale Gottesbegegnung leiten wir daraus eher nicht ab. Die Frage ist also, was ist in dieser Geschichte Realität, und was ist nur ein Traum?

Und darauf können wir auch eine Antwort bekommen, und zwar indem wir so etwas wie einen Realitätscheck machen. Wir können ja mal testen, ob an den Bildern des Traumes und an der Verheißung etwas dran ist, und ob sie auch uns tragen kann, und zwar indem wir einfach darauf vertrauen und sie einmal für wahr halten.

Normaler Weise sind wir ja auf die sinnlich wahrnehmbare Welt fixiert: Was wir sehen und hören, anfassen, riechen und schmecken, das existiert für uns und füllt über weite Strecken unseren Alltag. Es prägt unsere Gedanken und Gefühle, und bildet für uns die Wirklichkeit. Auch der Verstand spielt eine Rolle, wenn es um Realität geht. Wahr und wirklich ist, was wir verstehen.

Und darauf gründen wir deshalb auch unser Leben. Irdische Dinge sind der Inhalt unserer Hoffnungen und Pläne. Wissen und Bildung verschaffen uns Sicherheit und Selbstvertrauen, andere Menschen machen uns Mut und geben uns Halt.

Die Frage, die wir uns in diesem Zusammenhang stellen müssen, ist allerdings, ob das alles ausreicht. So sicher und entspannend sind die „irdischen Güter“ doch gar nicht. In der Bergpredigt spricht Jesus davon, dass die „Motten und der Rost unsere Schätze zerfressen“ (Mt.6,19) , d.h. sie sind vergänglich. Außerdem geht es mit viel Sorge einher, die weltlichen Dinge auch zu erhalten. Wir machen uns viel vergebliche Unruhe damit. Und wenn sie uns genommen werden, fallen wir in ein Loch. Unerwartete Armut oder Krankheit, das Zerplatzen von Wünschen, der Verlust eines Menschen und ähnliche schwerwiegende Ereignisse verdunkeln das Leben. Sie führen uns in Einsamkeit und Angst, Hilflosigkeit und Trauer.

Es ist deshalb gut, wenn wir die Tragfähigkeit und auch den Realitätsgehalt all dieser Dinge von vorne herein kritisch sehen. Es ist ratsam, nach noch mehr zu fragen. Vielleicht besteht die Wirklichkeit ja gar nicht nur aus der Welt und unserem Verstand, und wir können noch viel mehr erleben als das, was wir sehen, fühlen oder denken. Unsere Geschichte lädt uns ein, das einmal auszuprobieren. Darin besteht der Realitätstest.

Er beginnt damit, dass wir uns Zeit nehmen und uns auf die Symbole, die hier vorkommen, einmal einlassen, sie ernst nehmen und betrachten. Religiöse Symbole entspringen alten Mythen, d.h. es sind Bilder, die wir alle im Unterbewusstsein mit uns herumtragen. Sie bringen unsere tiefsten Sehnsüchte zum Ausdruck, und als solche sind sie dann auch real. Es lohnt sich also, in diese Geschichte sozusagen einzusteigen und uns einmal an die Stelle Jakobs zu legen. Dann ergeben sich einige Dinge, die sehr viel Realitätsgehalt haben und dem Test standhalten. Er fällt dann positiv aus.

Zunächst ist da das Bild von der Himmelsleiter, auf der die Boten Gottes hinauf und hinabsteigen. Es macht deutlich, dass es eine Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde gibt. Die Leiter ist der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren. Die Engel sind dabei die Wesen, durch die Gott in diese Welt hineinkommt. Sie überwachen die Erde, gehen zu einzelnen Menschen und sagen ihnen, was Gott will.

Dieses Bild können wir ruhig genießen, dann wird es hell in unserem Bewusstsein. Das Dunkel lichtet sich, Sorgen werden kleiner, wir fühlen uns nicht mehr allein. Dabei dürfen wir auch die Worte, die Gott hier spricht, auf uns beziehen. Es ist eine ganz persönliche Botschaft. Er sagt: „Ich werde mit dir sein, dich allenthalben behüten, wohin du reist, und dich endlich in dieses Land zurückführen. Denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan was ich dir zugesagt habe.“ Das verspricht Gott auch uns. Wenn wir darauf hören und es ernst nehmen, merken wir, dass das nicht nur ein Traum ist, sondern Wirklichkeit. Es wirkt sich aus, wir bekommen Gewissheit und Kraft, wir werden ruhig und getröstet. Das ist ein Ergebnis unseres Testes.

Doch das ist noch nicht alles. Es ist außerdem von Bedeutung, dass Gott Jakob beim Schlafen trifft. Jakob war passiv, er hat selber nichts dazu getan, dass es zu dieser Begegnung kam. Er wurde einfach von Gott aufgesucht und beschenkt. Er durfte sein, wer er war, mit allen Schwächen und Fehlern. Gott hat ihn trotzdem erwählt. Und das heißt für uns, dass auch wir so, wie wir sind, von Gott alles erwarten dürfen. Wir müssen nichts leisten, nicht vorher schon gut sein. Uns wird vergeben, was wir eventuell falsch gemacht haben, weil Gott von sich aus ein Interesse an uns hat. Wenn wir uns das vorstellen, fühlen wir uns frei und erlöst. Wir können uns entspannen, es entstehen Heiterkeit und Freude. Und auch das sind reale Vorgänge, an denen wir merken, dass Gott wirklich da ist.

Die Kindertaufe ist dafür ein sehr schönes Zeichen. Da öffnet sich der Himmel über einem Menschen, ohne dass der etwas dazu tut, und Gott begleitet ihn fortan.

Und daraus ergibt sich als letztes, dass von unserer Seite allein der Glaube dazu gehört, damit das alles geschieht. Wenn die Verheißung Gottes wirken soll, müssen wir nur darauf vertrauen, d.h. seine Liebe in Anspruch nehmen. Dann kann sie sich in unserem Leben entfalten. Es ist also wichtig, dass wir immer wieder bewusst die Wirklichkeit Gottes zulassen, das Sorgen sein lassen und die irdischen Güter relativieren. Dann erweist Gott sich als derjenige, der uns wirklich beschützt und segnet.

Es ist kein Traum, sondern Wirklichkeit. Sie übersteigt zwar unseren Verstand, aber das ist auch gut so. Wir werden hineingenommen in einen Wirkbereich, der größer und heller und schöner ist als die Welt.

Wir dürfen auch gerne das Zeugnis unzähliger anderer Menschen in Anspruch nehmen, die das ebenfalls erfahren haben. Nicht nur Jakob hat die Stimme Gottes gehört und wurde gesegnet, alle Gläubigen vor uns und in unserer Zeit können das erleben. Ihr Bekenntnis kann uns anstecken und uns inspirieren, es ihnen im Glauben gleichzutun.

Lasst uns deshalb vier Strophen aus dem schönen Lied von Georg Neumark, einem Kieler Kaufmann aus dem 17. Jahrhundert singen: „Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ (EG 369)

Amen.

Dankt dem Herrn!

Predigt über 1. Thessalonicher 1, 2- 10: Der vorbildliche Glaube der Gemeinde

14. Sonntag nach Trinitatis, 2.9.2018, 9.30 und 11 Uhr,
Luther- und Jakobikirche Kiel

1. Thessalonicher 1, 2- 10

2 Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet
3 und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.
4 Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid;
5 denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit. Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.
6 Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist,
7 sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja.
8 Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
9 Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott
10 und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.

Liebe Gemeinde.

„Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht.“ So lautet ein wichtiger Leitsatz vieler Journalisten. Wir hören und lesen in den Medien fast nur etwas über Krisen, Kriege und Katastrophen, weil wir das angeblich am liebsten wollen. Es ist am spannendsten und stillt die Sensationslust. Aber ist das eigentlich ein sinnvolles Prinzip? Die schlimmen Ereignisse sind doch nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Das Große und Ganze besteht aus noch viel mehr. Denn neben allem, das zu Recht beunruhigt und besorgt, gibt es ebenso Gelungenes und Ermutigendes in der Welt: Entwicklungen zum Besseren, Fortschritte in vielen Bereichen, Menschen, die nicht resignieren vor Problemen, Menschen, die Ideen haben, die wiederum andere Menschen inspirieren können usw.

Neben einigen anderen Medien hat sich das auch der Radiosender „NDR Info“ zu Herzen genommen und berichtet deshalb regelmäßig unter dem Stichwort „Perspektiven“ über Lösungen von Problemen, gelungene Projekte, und die Frage, wie eine bessere Zukunft aussieht. Das Vorhaben nennt sich „konstruktiver Journalismus“. Er stärkt das Verständnis für die Probleme und macht optimistisch und handlungsfähig.

Das klingt neu, ist es aber gar nicht. Paulus hat das in seinen Briefen auch schon beherzigt. In dem Abschnitt, der heute unser Predigttext ist, erwähnt er jedenfalls eine gelungene Aktion: Die Missionierung der Thessalonicher war ausgesprochen erfolgreich gewesen, und das erzählt er hier noch einmal voller Dankbarkeit.

Hinter seinen Aussagen stehen bestimmte Ereignisse, über die Paulus sich gefreut hat: Er und seine Begleiter waren in die Hafen- und Handelsstadt Thessalonich gekommen und hatten dort das Evangelium verkündigt. Dabei hatten sie vor allem von Heiden Zulauf erhalten, also Nicht-Juden, die aber bereits im Umfeld des jüdischen Glaubens standen. In wenigen Monaten war daraus eine lebendige Gemeinde gewachsen. Und das war für die erste Christenheit so wichtig geworden, dass man überall mit Staunen von diesen Vorgängen in Thessalonich sprach.

Paulus erkannte darin hauptsächlich Gottes Werk. Er hatte den menschlichen Worten „Kraft, Geist und Gewissheit“ verliehen. Hier war etwas geschehen, was allein als Ergebnis intensiver menschlicher Bemühung nicht zu erklären war. Deshalb ist der Dank von Paulus auch nicht allein an die Gemeinde gerichtet. Es ist gleichzeitig so etwas wie eine positive Rückmeldung an Gott.

Paulus benennt dabei noch einmal, was er gemeinsam mit den Thessalonichern erlebt hat, und er stellt den Weg zum christlichen Glauben bewusst als klare Bekehrung dar. Darin schwingt seine eigene Biografie mit, eine Erinnerung an die Lebenswende vor Damaskus. Menschen, die so etwas erlebt haben, sagen sich und anderen gern, wovon sie sich abkehrten, um sich zugleich des Neuen zu versichern.

Paulus formuliert dieses Neue hier auch, und zwar mit Sätzen aus dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis. Er erwähnt sie am Ende des Abschnittes, wo er sagt: Ihr dient dem „lebendigen und wahren Gott und wartet auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.“

Am Anfang beschreibt er sehr schön die neue Lebensweise der Thessalonicher, die sich daraus ergeben hat. Sie besteht aus dem „Werk im Glauben, ihrer Arbeit in der Liebe und ihrer Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.“ Paulus findet in der Gemeinde in Thessalonich also Glaube, Liebe und Hoffnung, und er charakterisiert diese Tugenden noch: Der Glaube der Thessalonicher ist aktiv, von ihm gehen Wirkungen auf die Umwelt aus. Mit der Liebe ist es ähnlich. Sie ist eine Hingabe, die sich aufopfert und um den anderen bemüht. Und für die Hoffnung ist bei den Thessalonichern entscheidend, dass sie sich bewährt. Sie bleiben geduldig, auch wenn das Erhoffte nicht sofort Wirklichkeit wird.

Das ist der positive Bericht des Paulus, und der ist sehr schön. Darüber freuten sich die Thessalonicher bestimmt. Es hat sie ermutigt und gestärkt, vergewissert und aufgebaut. Es war eine durch und durch konstruktive Berichterstattung und Rückmeldung.

Und so etwas tut auch uns gut. Wir sollten uns immer mal wieder bewusst machen, was uns gelingt, was schön ist und gut läuft, im gesellschaftlichen Umfeld, im persönlichen Leben und ebenso in der Kirche und in der Gemeinde. Leider hat uns der Zeitgeist nämlich angesteckt, und wir beachten am liebsten das, was negativ ist. Im kirchlichen Leben sind das rückläufige Zahlen der Mitglieder und Gottesdienstbesucherinnen, abnehmendes ehrenamtliches Engagement, Konflikte unter Mitarbeitenden oder in Gremien, Geldknappheit, die Konkurrenz von allen Seiten usw.

Natürlich suchen wir dabei nach Lösungen, aber finden wir die auch? Machen uns all diese Entwicklungen nicht eher sprach- und ratlos? Es breitet sich doch oft Verzagtheit oder Müdigkeit aus. Wir haben schon so viel versucht! Wie sehr sollen wir uns denn noch anstrengen? Das ist die Frage, die wir uns häufig stellen, und auf die gibt uns Paulus hier eine ganz schöne Antwort. Er sagt uns nämlich:

Anstatt immer nur über das Negative nachzudenken und uns noch mehr abzumühen, könnten wir auch mal dankbar sein für das, was uns gelingt. Wir machen uns das viel zu selten bewusst. Dabei ist die Liste der schönen Ereignisse in unserem Leben, in der Kirche und in der Gemeinde gar nicht so kurz. Es gibt viele wunderbare Begegnungen, die uns bereichern und inspirieren, gute Gedanken und Erfahrungen, die verkündigt werden, lebendigen Glauben, Erbauung und Lobpreis. Anstatt immer nur auf die scheinbar geringe Anzahl der Menschen zu blicken, die sich daran beteiligen, können wir ruhig einmal diese Vorgänge beachten. Das alles findet ja statt und trägt zu unserer Freude bei. Und es sind auch nicht nur menschliche Begebenheiten, sondern hinter all dem dürfen wir gerne den Beistand und die Liebe Gottes sehen. Er ist da und hilft uns. Es ist sein Werk, wenn Menschen von ihm angerührt werden, an ihn glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben.

Und für das Gute, das außerhalb der Kirche geschieht, können wir ihm ebenfalls danken. Wer weiß, ob wir den Frieden in weiten Teilen der Welt, Wohlstand und Stabilität nicht ihm zu verdanken haben? Genauso dürfen wir hinter unserer Gesundheit und Zufriedenheit in unserem persönlichen Leben sein Wirken sehen und ihm gerne immer mal wieder dafür danken.

Denn dann geht es uns gut. Mit dem Dank konzentrieren wir uns auf Gott, den „Geber aller guten Gaben“ und verbinden uns mit ihm. Wir spüren seine Nähe, erkennen seine Liebe, und der Glaube wächst. Unser Vertrauen wird durch die Dankbarkeit gestärkt, Hoffnung und Geduld entstehen, und auch die Liebe nimmt zu. Das Danken ist also eine gute Übung für unsere Frömmigkeit.

Es hilft uns auch, wenn die Dinge einmal schlecht laufen. Natürlich sollen wir davor nicht die Augen verschließen. Es gibt durchaus viele Gefahren. Zu unserer Realität gehören das Gute und das Schwere, das Leid und die Freude, und selbstverständlich müssen wir achtsam bleiben. Es geht nicht darum, dass wir die Probleme ausklammern. Wir brauchen Lösungen und Perspektiven. Doch die gewinnen wir eben nicht, wenn wir nur über die Schwierigkeiten nachdenken. Wir brauchen obendrein die Kraft, das Leid zu tragen, und unter den Widerständen nicht zu verzagen.

Auch Paulus kannte Angst und Not. Er wurde oft geschmäht und verspottet und hatte viele Feinde. Aber er wusste in alledem, dass Gott ihn nicht verlässt oder verstößt und am Ende seine Widersacher besiegt. Gott hat ihn mit seiner Gnade immer wieder gefunden und ihm ebenso vieles gelingen lassen, wie z.B. bei den Thessalonichern. Diese Hilfe Gottes hat Paulus erlebt und angenommen, und dadurch blieb er zuversichtlich und unerschrocken. Er konnte umso glaubhafter den Trost des Evangeliums verkündigen. Und so kann es uns auch ergehen. Wenn wir Gott danken, kommt er in unser Bewusstsein, wir spüren seine Gegenwart, und sein Geist kann neu in uns und unter uns wirken.

Außerdem geben wir dabei das Gute, das wir empfangen haben, wieder ab. Wir lassen es los, klammern uns nicht daran und sind nicht mehr darauf fixiert. Der Dank ist also auch ein gutes Mittel gegen die Gier nach immer mehr. Wir hören auf, permanent etwas zu wollen und zu ersterben. Die Anstrengung, die das mit sich führt, fällt von uns ab. Wir werden frei und gelassen, sind offen für neue Gaben und können „das Wort Gottes ein weiteres Mal aufnehmen“ – wie die Thessalonicher.

Der Dank trägt also zum gesamten Wohlbefinden und zum Gelingen des Lebens bei. Deshalb ist es gut, diese Rückkopplung in der Beziehung zu Gott immer wieder bewusst zu praktizieren. Wenn wir es tun, wird auch unser Glaube an Gott bekannt“ und wir werden zu „Vorbildern für alle Gläubigen“. Er ist deshalb auch das beste Mittel, um unsre Gemeinden und die Kirche am Leben zu halten. Wir geben Gott dadurch die Möglichkeit, sie zu erneuern und immer wieder aufzubauen.

Als Kind habe ich das in Hermannsburg, einem kleinen Ort in der Lüneburger Heide, erlebt. Da gibt es seit ca. 170 Jahren ein Missionswerk und genauso lange ein jährliches Missionsfest, bis heute. Früher war dabei der ganze Park des Missionsseminars voll von Menschen aus der näheren und auch weiteren Umgebung. Es wurde eine große Kanzel aus einem Holzgestell aufgebaut, das mit Tannenzweigen verkleidet war, dazu hunderte von Bänken und Stühlen. Die Kirchenfahne war gehisst, Posaunenchöre spielten gemeinsam, Gruppen, Redner und Rednerinnen aus Deutschland und den Jungen Kirchen in Übersee waren zu Gast und erzählten aus ihrem Leben und den Früchten der Mission. Mein Vater arbeitete am Missionsseminar, und so war es selbstverständlich, dass wir als Kinder an diesem Fest teilnahmen. Und obwohl uns die Reden eher langweilten, haben wir uns immer darauf gefreut. Die Stimmung war einfach wunderbar, es war ein riesiges Happening, das wir nicht verpassen wollten.

Bis heute verbinde ich mit diesen Erinnerungen das Lied „Lob Gott getrost mit Singen“. (EG 243) Das war parktisch die Missionshymne. Es stammt aus dem Jahr 1544 und gehört zu den Liedern der Böhmischen Brüder, einer Gemeinschaftsbewegung, die auf Johannes Hus zurückgeht. Es ist ein wunderbar positiver Choral, mit dem wir uns immer noch dafür bedanken können, dass das Wirken Gottes keine Grenzen kennt. Es ruft uns zum „Frohlocken“ auf und stärkt den Glauben ans Gelingen. Auch in „Leid“ und „Widerwärtigkeiten“ gibt es keinen Grund zum Verzagen, denn Gott ist bei uns. Die Kirche ist nicht unser Werk, er hat sie vielmehr „auserkoren“, und sie wurde „durch sein Wort auferbaut.“ Es ist deshalb angemessen und geboten, „Gott fröhlich zu loben“ und zu feiern.

Auch in unserer Gemeinde haben wir das ja in diesem Jahr noch vor. Wir können uns jetzt schon auf den 11. November freuen, an dem wir „mit allem drum und dran“ den Wiederaufbau der Lutherkirche vor 60 Jahren feiern wollen. Das wird uns bestimmt guttun, so wie jedes Mal, wenn wir hier Feste veranstaltet haben. Es stärkt unsere Gemeinschaft, wir erinnern uns an das Gute und Positive, das vor 60 Jahren und bis heute geschehen ist, und geben Gott damit die Ehre. Wir bekennen und stärken unseren Glauben, dass „Gott uns auch erhalten wird in Lieb und Einigkeit und unser freundlich walten hier und in Ewigkeit.“

Amen.

Die große Krankenheilung

Predigt über Apostelgeschichte 3,1-10: Die Heilung des Gelähmten

12. Sonntag nach Trinitatis, 19.8.2018, 9.30 Uhr,
Lutherkirche Kiel

Apostelgeschichte 3, 1- 10

1 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit.
2 Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzte man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen.
3 Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen.
4 Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!
5 Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge.
6 Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!
7 Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest,
8 er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

Liebe Gemeinde.

Vor Kurzem war in der Zeitung ein Bericht über junge Leute, die sich bei Instagram bewusst so zeigen, wie sie sind, auch wenn sie nicht dem gängigen Schönheitsideal oder der Norm entsprechen. Sie stehen zu sich selbst, zu einem angeblichen Makel oder auch einer Behinderung, die sie möglicherweise haben.

So wurde unter anderem eine Rollstuhlfahrerin vorgestellt, die sich selbstbewusst der Öffentlichkeit präsentiert und ihre Gedanken allen mitteilt, die sich dafür interessieren. Ein Bild wurde besonders erwähnt. Es zeigt sie in einer Kirche, und darunter hat sie geschrieben: „Laufen kann ich immer noch nicht. Danke Jesus, für nichts.“ Das klingt mutig, aber auch bitter und fast böse. Auf jeden Fall provoziert es alle, die gerne in die Kirche gehen, an Jesus glauben und ihm dankbar sind.

Dazu gehören wir auch. Wir kommen hierher, feiern unsere Gottesdienste und freuen uns des Lebens. Aber tun wir das eventuell nur, solange wir gesund und munter sind und kein schweres Schicksal zu tragen haben? Vielleicht hat Jesus in Wirklichkeit gar keine Macht. Möglicherweise hören der Glaube und das Danken auf, wenn es uns schlecht geht. Machen wir uns unter Umständen alle etwas vor?

Das müssen wir uns fragen, und zwar nicht nur, wenn wir Äußerungen lesen, die uns dazu provozieren. Auch über das, was im Neuen Testament steht, müssen wir nachdenken, denn es entspricht in weiten Teilen tatsächlich nicht unserer Wirklichkeit. Was sollen z.B. all die Wundergeschichten, in denen Menschen geheilt und gerettet werden? Sollten wir die nicht lieber zu den Akten legen? Es ist nachvollziehbar, dass sich Menschen mit einer Behinderung davon verhöhnt fühlen.

Auch die Erzählung, die wir eben gehört haben, wirft diese Fragen auf. Sie ist sogar fast noch schlimmer als die Berichte über Jesu Heilungstätigkeit, weil er gar nicht selber darin handelt, sondern zwei seiner Jünger. Sie steht in der Apostelgeschichte, und zwar ganz am Anfang. Es ist das erste Wunder, das nach seiner Himmelfahrt in seinem Namen geschah, und schließt an die Pfingstgeschichte an. Die Apostel hatten gerade den Heiligen Geist empfangen, und Petrus hatte seine erste Predigt gehalten. Er hatte verkündet, dass „Jesus, der ans Kreuz geschlagen und umgebracht worden war, von Gott auferweckt wurde. Er konnte nicht vom Tode festgehalten werden.“ (Apg.2,23f) Vielen, die ihm zuhörten, war das „durchs Herz gegangen“ (Apg.2,37). Sie ließen sich taufen, und es entstand die erste Gemeinde. Die Predigt von Petrus war also vollmächtig und sehr wirksam gewesen.

Mit der anschließenden Wunderheilung wird dem nun ein Zeichen hinzugefügt: Ein Mann, der von Geburt an gelähmt war, wird geheilt, und daran wird deutlich, dass das Wirken Jesu weitergeht.

Die Geschichte beginnt mit einer genauen Orts- und Zeitangabe: Im Tempelbezirk zur Zeit des Abendgebetes sahen Petrus und Johannes den gelähmten Mann, der dort täglich saß und um Almosen bettelte. Er sprach auch die beiden Apostel an. Doch von ihnen bekam er nun etwas ganz anderes, als er es gewohnt war, kein „Silber und Gold“, sondern etwas viel wunderbareres: Durch den Befehl des Petrus „im Namen Jesu“ konnte er plötzlich aufstehen. „Seine Füße und Knöchel wurden fest. Er ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.“ Das war das Wunder und es geschah ausdrücklich durch das Wirken Jesu. Das betonte Petrus in der anschließenden Auseinandersetzung mit den Umstehenden. Jesus lebt und er hat immer noch die Macht, Kranke zu heilen. Das ist hier die Botschaft.

Und auf die sollten wir uns ruhig einmal einlassen, auch wenn es nicht unseren Erfahrungen entspricht, dass Gelähmte durch den Glauben wieder laufen können. Drei Gedankengänge können uns dabei helfen.

Zunächst einmal gibt es in der Geschichte einige Details, über die es sich lohnt, nachzudenken. Das erste davon ist, dass ausführlich erzählt wird, wie Petrus und Johannes Kontakt zu dem Gelähmten aufnahmen: „Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!“ Petrus bestand also auf Blickkontakt und damit auf einer persönlichen Begegnung. Er sah den Mann, und der sollte auch ihn anschauen. Die nächste interessante Einzelheit ist das Reichen der Hand: „Er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf.“ Auch eine Berührung gehörte also dazu. Bei ihr übertrug sich die Kraft Jesu, von der Petrus erfüllt war. Und als letztes fällt auf, dass der Geheilte nicht nur aufstand und dann verschwand, sondern mit Petrus und Johannes in den Tempel ging und dort seiner neuen Lebensfreude Ausdruck gab. Er „sprang umher und lobte und dankte Gott.“

Und das sind Einzelheiten, die wir beherzigen sollten. Auch wenn wir niemanden, der im Rollstuhl sitzt, durch die Kraft Jesu heilen können, so ist es wichtig, dass wir diese – und überhaupt andere – Menschen anschauen, Kontakt aufnehmen, keine Berührungsängste haben und unsre Lebensfreude mit ihnen teilen.

Zum Glück sind wir in unserer Gesellschaft diesbezüglich auch auf einem guten Weg. Der soziologische Begriff dafür ist „Inklusion“. Er wird im Internet folgenderweise definiert: „Inklusion ist das Konzept einer Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen. In der inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft anzustreben oder zu erfüllen hat. Normal ist allein die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese Unterschiede werden als Bereicherung aufgefasst und haben keine Auswirkungen auf das selbstverständliche Recht der Individuen auf Teilhabe. Aufgabe der Gesellschaft ist es, in allen Lebensbereichen Strukturen zu schaffen, die es den Mitgliedern dieser Gesellschaft ermöglichen, sich barrierefrei darin zu bewegen.“ (http://www.inklusion-schule.info/inklusion/definition-inklusion.html)

In biblischen Zeiten gab es das noch nicht. Da wurden z.B. kranke oder behinderte Menschen ausgegrenzt, ihnen blieb nichts anderes übrig, als zu betteln. Insofern verhielten sich Petrus und Johannes sehr modern. Das können wir durchaus der Geschichte entnehmen. Auch wenn wir heutzutage keine Wunder vollbringen, sagt sie uns, dass wir alle Menschen in gleicher Weise beachten sollten, ohne Vorurteile oder Abneigungen. Dann kann viel Heil und Freude entstehen, auch durch uns.

Das ist der erste Gedanke, der die Geschichte doch lesenswert macht. Es gibt darüber hinaus aber noch weitere Aspekte. Sie kommen auch in der Definition des Begriffs „Inklusion“ vor. Darin ist ja davon die Rede, dass es in Wirklichkeit gar keine Normalität gibt, und darüber lohnt es sich nachzudenken. Das wäre das Zweite. Wir sehen das nämlich meistens anders. Unbewusst haben wir alle ein Bild im Kopf, wie unser Leben sein sollte: Wir wünschen uns Gesundheit und Wohlstand, Freundschaft und Liebe, Abwechslung und Fröhlichkeit usw. Aber gibt es das so überhaupt? Haben wir nicht alle irgendwelche Defizite? Auch ohne eine körperliche Behinderung kann es sein, dass uns ganz viel fehlt und uns Grenzen gesetzt werden, unter denen wir leiden. Allein schon das Älterwerden gehört dazu. Es kann aber auch der Verlust eines Menschen sein, Kinderlosigkeit, Depressionen, Selbstzweifel, Ängste. Jeder und jede fühlt sich doch durch irgendetwas „behindert“, und wenn wir wollen, könnten wir alle aufhören, Gott dankbar zu sein. Das ist der zweite Gedanke.

Und daraus ergibt sich als drittes, dass wir uns selber entscheiden müssen, mit welcher Einstellung wir dem Leben begegnen wollen. Worauf sind wir fixiert? Natürlich kann ein älterer Mensch auf seine vergangene Jugend blicken, die Kinderlose auf die Mutter, die Rollstuhlfahrerin auf alle, die laufen können usw. Aber ist das ratsam? Dadurch entstehen doch nur Neid und Bitterkeit. Gibt es nicht auch noch andere Möglichkeiten des Bewusstseins? Viel besser wäre es doch, wenn wir aufhörten, uns mit anderen zu vergleichen, und auch uns selber gegenüber unvoreingenommen sind. Wir sind eingeladen, uns so anzunehmen, wie wir sind, und unsere Möglichkeiten zu nutzen. Dann entdecken wir ganz vieles, für das es sich lohnt, zu danken.

Und dabei kann uns der Glaube an Jesus helfen. So ganz einfach ist das ja nicht. Denn es gehört dazu, dass wir uns von den Bildern verabschieden, die wir vom Leben haben, Wünsche aufgeben, die nicht erfüllbar sind, und uns in Gelassenheit üben. Und da kann Jesus uns hinführen. Denn er sieht uns so, wie wir sind, und er steht uns zur Seite. Er kennt das Leid und das Sterben, doch er kennt auch die Überwindung und die Auferstehung. Und daran kann er uns Anteil geben. Er lebt und hat Macht, daran dürfen wir glauben. Das war die Botschaft des Petrus, und er verkündet das immer noch. Wir sind eingeladen, uns Jesus anzuvertrauen, mit allem, was uns fehlt und behindert. Er sieht uns, und auch wir dürfen unseren inneren Blick auf ihn richten. Wir sollten auf ihn fixiert sein und seine Gegenwart zu unserem Focus machen. Dann stärkt er uns von innen her, auch heute noch. Er schenkt uns eine Freude, die unabhängig ist von den äußeren Gegebenheiten, Hoffnung und Mut. Er macht uns zuversichtlich einfach dadurch, dass er da ist. Er selber ist die Gabe, für die wir dankbar sein können.

Auch die Rollstuhlfahrerin, die ich eingangs erwähnte, kann das erleben, sie müsste sich nur dafür entscheiden. Dass das gelingen kann, zeigen uns zum Glück andere Menschen mit demselben Schicksal. Ein prominentes Beispiel ist Wolfgang Schäuble. Er spricht darüber in der Öffentlichkeit zwar kaum, aber er wäre heute nicht Präsident des Bundestages, wenn er einen Groll entwickelt und gepflegt hätte. Und ich bin mir sicher, dass auch sein Glaube ihm geholfen hat, sein Leben zu meistern.

Lassen Sie uns also Gott loben, ganz gleich, wie es uns geht und was wir zu tragen haben. Irgendeinen Grund haben wir alle, und es lohnt sich, darauf zu achten: „Nun lasst uns Gott, dem Herren, Dank sagen und ihn ehren, für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.“ (EG 320,1)

Amen.

Das Kreuz als Lebensbaum

Predigt über Lied 96 aus dem Evangelischen Gesangbuch:
„Du schöner Lebensbaum des Paradieses“

Vierte Sommerpredigt „In fremden Zungen“: Ungarn
5.8.2018, 11 Uhr, Jakobikirche Kiel

In diesen Wochen bereisen wir in unseren Gottesdiensten mit dem Gesangbuch andere europäische Länder. Heute geht es nach Ungarn, und zwar mit einem Lied aus dem 17. Jahrhundert. Es heißt: „Du schöner Lebensbaum des Paradieses“. Damit ist das Kreuz Christi gemeint, deshalb singen wir das Lied normaler Weise in der Passionszeit. Es enthält aber nicht nur eine Betrachtung des Sterbens Jesu, sondern vor allem handelt es vom Leben, das uns durch den Glauben an ihn möglich wird. Deshalb passt es auch gut in den Sommer. Es lädt uns ein, vor das Kreuz Christi zu treten und die Kraft zu empfangen, die davon ausgeht. Wir dürfen auf das Wort Jesu vertrauen, das er im Johannesevangelium zu Nikodemus sagt: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh. 3, 14b.15)

Liebe Gemeinde.

In jeder Kirche finden wir ein Kreuz, meistens an einer zentralen Stelle. Hier in der Jakobikirche steht auf dem Altar eins aus Glas und Metall. (s. Bild rechts) Es war allerdings nicht immer genau dieses. Die meisten von euch wissen sicher, dass es dazu ein Vorgängerkreuz gab. Es wurde leider gestohlen, wie viele andere vorher auch. So gab es eine Zeit, in der gar kein Kreuz mehr auf dem Altar stand. Doch das hielten einige Gemeindeglieder nicht aus, ihnen fehlte etwas ganz Wesentliches. Es gab daraufhin eine Initiative für ein neues Kreuz, und das haben wir hier nun: Es ist von einer Tiffany-Künstlerin aus Schilksee gefertigt. Der Entwurf und auch das Geld dafür kamen aus der Gemeinde. Nach dem Gottesdienst kommt es jetzt immer in einen Karton, mit dem es gut weggepackt werden kann ohne im Abstellraum zu zerbrechen. Während der offenen Kirche wird es dann durch ein Holzkreuz ersetzt, das ebenfalls dafür gestiftet wurde. Denn natürlich soll das schöne Glaskreuz nicht wieder gestohlen werden.

Aber wer macht so etwas überhaupt? Das habe ich mich gefragt. Entweder ist das jemand, dem das Kreuz viel bedeutet, der sich so ein schönes aber nicht leisten kann. Oder es ist eine Person, die den materiellen und künstlerischen Wert erkannt und es zu Geld gemacht hat. Das stell ich mir allerdings gar nicht so einfach vor, denn der oder die Käuferin müsste dann ebenfalls jemand sein, dem ein Kreuz etwas bedeutet. Doch vielleicht gibt es davon ja genug Menschen. Das Kreuz ist immerhin das zentrale Symbol für uns Christen. Es erinnert an den Tod Christi und wurde im Laufe der Geschichte in unzählig vielen Variationen dargestellt.

Eine schöne Möglichkeit ist das, das wir hier haben: Das Kreuz ist aus buntem Glas, also durchscheinend, leuchtend und farbig und damit lebendig und schön. Den sterbenden Christus sehen wir darauf nicht, und das ist durchaus legitim. Denn wir glauben, dass er lebt und unter uns ist. Wir müssen uns seinen Tod nicht ständig vor Augen halten.

Viele Christen sehen die sogenannte Kreuzestheologie heutzutage ja auch kritisch: Warum soll jemand für uns sterben? Sind wir nicht selber verantwortlich für das, was wir falsch machen? Wozu brauchen wir einen Stellvertreter? Das fragen sich etliche Gläubige, und es ist gut, dass darüber heutzutage öffentlich nachgedacht wird. Wir müssen uns mit der Frage auseinandersetzen, was der Tod Christi bedeutet, und dazu gibt es viele Ansätze.

Eine – oder sogar mehrere – Antworten finden wir in dem Lied „Du schöner Lebensbaum des Paradieses“ aus unserem Gesangbuch. Lasst uns das deshalb einmal betrachten.

Es wurde ursprünglich 1641 von Imre Pécseli Király gedichtet. Das war ein reformierter Pastor aus Ungarn, der eine poetische Veranlagung hatte. So hat er viele Gedichte und Lieder geschrieben und mit ihnen seinen Glauben, seine Theologie und seine Frömmigkeit zum Ausdruck gebracht.

In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam dieses alte Lied dann zu uns nach Deutschland, und zwar durch den deutsch/ungarischen Theologen Vilmos Gyöngyösi, auch Wilhelm Güttler genannt. Er schuf eine Rohübersetzung, die dann wiederum der singbaren deutschen Liedfassung von Dieter Trautwein zu Grunde lag. (vgl. Wer ist wer im Gesangbuch, Hg. Wolgang Herbst, Göttingen, 2001, S. 126)  Der Urtext ist in unserem Gesangbuch ebenfalls abgedruckt, ich kann mich allerdings nur an der deutschen Fassung orientieren, weil ich natürlich kein Ungarisch spreche. Ich vertraue aber dem Text von Dieter Trautwein und finde es sogar interessant, dass er das Lied aufgegriffen hat.

Er ist ein Theologe des letzten Jahrhunderts, der in den sechziger Jahren maßgeblich an der Kirchen- und Gottesdienstreform mitgewirkt hat. Zu dieser Arbeit gehörte für ihn auch das Singen mit Gemeinden und Gruppen. Dabei hat er eine ganz neue christliche Singkultur geschaffen und mit seinen Liedern vielen Menschen einen Zugang zum Glauben ermöglicht. Vor allem durch die Kirchentage wurden seine Lieder bekannt. (vgl. Wer ist wer im Gesangbuch, a.a.O., S. S. 327ff)

Es ist deshalb so ein bisschen untypisch für ihn, dass er diesen alten Text mitsamt einer alten Melodie aufgenommen hat, aber wahrscheinlich war das Lied auch für ihn so aussagekräftig, dass er das gerne tat. Es hat in der deutschen Fassung sechs Strophen und lautet folgendermaßen:

1. Du schöner Lebensbaum des Paradieses, gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden. Du bist der wahre Retter unsres Lebens, unser Befreier.

2. Nur unsretwegen hattest du zu leiden, gingst an das Kreuz und trugst die Dornenkrone. Für unsre Sünden musstest du bezahlen mit deinem Leben.

3. Lieber Herr Jesus, wandle uns von Grund auf, dass allen denen wir auch gern vergeben, die uns beleidigt, die uns Unrecht taten, selbst sich verfehlten.

4. Für diese alle wollen wir dich bitten, nach deinem Vorbild laut zum Vater flehen, dass wir mit allen Heilgen zu dir kommen in deinen Frieden.

5. Wenn sich die Tage unsres Lebens neigen, nimm unsren Geist, Herr, auf in deine Hände, dass wir zuletzt von hier getröstet scheiden, Lob auf den Lippen:

6. Dank sei dem Vater, unsrem Gott im Himmel, er ist der Retter der verlornen Menschheit, hat uns erworben Frieden ohne Ende, ewige Freude.

Ich sagte ja schon, dass darin mehrere Deutungen des Sterbens Jesu vorkommen, und zwar können wir drei Abschnitte bzw. Themen entdecken:

Die ersten beiden Strophen beinhalten die Vorstellung, dass Jesus sich für uns geopfert hat und für unsere Sünden gestorben ist.

In den nächsten beiden Strophen ist Christus unser Vorbild: Er möge uns helfen, den anderen genauso zu verzeihen, wie er das getan hat, und unseren Lebenswandel heiligen.

Und in den letzten beiden Strophen ist er derjenige, der uns nahe ist, wenn wir sterben. Er schenkt uns das ewige Leben.

Diese drei Themen kommen hier vor, und es ist sehr schön, dass das Lied nicht nur einen Aspekt enthält. Denn dadurch relativiert sich auf jeden Fall die These, dass Christus sich für uns geopfert hat. Sie ist nur eine Möglichkeit, sein Sterben zu verstehen, es gibt auch noch andere Zugänge zu seinem Kreuz. Allerdings lädt uns das Lied ein, dieses Thema nicht gänzlich unter den Tisch fallen zu lassen, und das ist auch gut so, weil es durchaus Situationen gibt, in denen wir einen Retter brauchen, jemanden, der für uns eintritt und uns befreit.

Denn leider gibt es die Sünde und das Böse, und wir dürfen sie nicht unterschätzen. Durch sie ist Jesus ans Kreuz gekommen, denn seine Feinde waren im Unrecht und luden schwere Schuld auf sich. Und so etwas geschieht immer noch überall. Jeder Konflikt ist dafür ein Zeichen, jede Schwäche, jede Unvollkommenheit. Wir begehen alle Fehler und manchmal können wir sie auch nicht mehr aus eigener Kraft wieder gutmachen. Und vor Gott können wir schon gar nicht bestehen, denn er hat sich die Menschen und ihr Zusammenleben eigentlich ganz anders gedacht. Das müssen wir erkennen und einsehen.

Dann sind wir nämlich froh, dass Jesus Christus das alles auf sich genommen hat, um uns schwachen und bedürftigen Menschen einen Weg der Befreiung zu bereiten. Mit seiner Geduld und Leidensbereitschaft hat er am Kreuz die Not der Menschheit überwunden, und wir sind eingeladen, uns darauf einzulassen. Das ist kein einfacher Schritt, denn natürlich stößt das Kreuz uns ab. Es ist durchaus ein Ärgernis, aber wir sollten ihm trotzdem nicht ausweichen. Denn auf geheimnisvolle Weise ist es gleichzeitig ein „Lebensbaum des Paradieses“, d.h. wir gewinnen durch das Kreuz neues Leben. Wir dürfen hinzutreten und darauf vertrauen. Wir legen damit nicht die Verantwortung für unsere Taten ab, sondern lassen uns helfen, wenn wir allein nicht klar kommen. Und das gibt es ja, dass uns die Kraft fehlt, unsre Fehler selber gerade zu biegen, die Suppe auszulöffeln, die wir uns oder anderen eingebrockt haben. Wir sind oft auf Unterstützung angewiesen, und die bekommen wir durch das Kreuz Christi. Wenn wir uns ihm nähern, merken wir, dass eine Kraft vom ihm ausgeht, die wir uns nicht erklären können. Wir werden aufgerichtet, unsere Sünden werden von uns genommen, und das Böse in uns wird entmachtet. Uns wird durch das Kreuz Vergebung und Heil geschenkt. Das Dunkel lichtet sich, Ängste verschwinden, und neues Leben entsteht.

Und damit sind wir bei dem zweiten Teil des Liedes, bei der Verwandlung unseres Lebens durch den Glauben an Christus, seinen heilbringenden den Tod und die Auferstehung. Er schenkt uns ganz neue Möglichkeiten. Wir können die Liebe, die wir empfangen, auch anderen Menschen weitergeben. Wir können „vergeben, die uns beleidigt“ haben, „die uns Unrecht taten“ und „selbst sich verfehlten“, wie es in dem Lied heißt. Dabei wird uns hier ein sehr schöner Vorschlag gemacht, wie uns das gelingen kann: Wir werden zur Fürbitte für unsere Feinde eingeladen. Sie ist dafür ein guter Weg. Das hat Jesus am Kreuz ebenfalls getan, indem er betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk.23,34) Mit diesem Verhalten geht er uns als gutes Beispiel voran. Wenn wir ihm folgen, kommen wir „mit allen Heiligen“ zu Gott, und „Frieden“ wird möglich, wie Dieter Trautwein es formuliert. Im Vertrauen auf Jesus werden wir immer wieder mit der Kraft versorgt, die wir dazu brauchen. Das ist das zweite Thema.

Und als drittes enthält das Sterben Jesu eine große Verheißung: „Wenn sich die Tage unsres Lebens neigen, nimmt Christus unseren Geist in seine Hände“. Wir sterben nicht allein, sondern „getröstet“ und mit einem „Lob auf den Lippen“. Mit seinem Tod und seiner Auferstehung hat Christus eine neue Zeit heraufgeführt. Denn in ihm stirbt nicht nur ein Mensch, Gott selber hat sich hingegeben, und so ist er „der Retter der verlorenen Menschheit“. Sein Kreuz stellt eine Zeitenwende dar, „er hat uns Frieden ohne Ende und ewige Freude erworben.“ Der Tod hat seine Macht verloren. Im Glauben und im Vertrauen auf das Kreuz Christi gewinnen wir Anteil an der Ewigkeit, wir „erben den Himmel“, wie es in der Bibel heißt (Hebr.9,15), und werden mit unendlicher Liebe erfüllt. Zum Kreuz und zum Tod Jesu gehört immer die Auferstehung. Ohne sie wäre es sinnlos.

Es ist deshalb sehr passend, das Kreuz als „Lebensbaum des Paradieses“ zu bezeichnen. Wenn wir seine Früchte regelmäßig essen und genießen, empfangen wir Unsterblichkeit. Und dazu gibt es noch eine weitere schöne Möglichkeit der bildlichen Darstellung.

Es ist das sogenannte Triumphkreuz, das es schon lange in der christlichen Kunst gibt. In der Nikolaikirche hier in Kiel hängt z.B. eins (s. Bild rechts). Da sehen wir zwar Christus, wie er am Kreuz hängt und stirbt, aber gleichzeitig ist das Kreuz lebendig: Es treibt Blüten und Blätter und ist wie ein „Lebensbaum“.

Lasst uns „dem Vater, unsrem Gott im Himmel dafür danken und ihn loben“, indem wir das Lied „Du schöner Lebensbaum des Paradieses“ jetzt singen.

Amen.

Das stetig um die Erde wandernde Gebet

Predigt über Lied 266 (EG):
Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen

Erste Sommerpredigt „In fremden Zungen“, 15.7.2018
9.30 und 11 Uhr, Luther- und Jakobikirche Kiel

Sommerzeit ist Reisezeit, und so bereisen wir in den nächsten Gottesdiensten in unseren beiden Kirchen mit dem Gesangbuch europäische Länder. Es wird jeweils ein Lied aus einem ausgewählten Land vorgestellt. Auf diese Weise verbinden wir uns mit anderen Christen aus der Weite der Ökumene.
Das erste Lied, das wir heute betrachten, ist dafür programmatisch, und zwar zum einen, weil die Originalfassung Englisch ist, also in der Sprache, in der heutzutage sich fast jede mit jedem auf der Welt verständigen kann. Außerdem beinhaltet es das Bekenntnis zu der einen weltumspannenden Kirche.
Das merkt man zwar nicht gleich am ersten Satz, der mit dem Abend beginnt und der lautet: „Der Tag, mein Gott ist nun vergangen“, aber dabei bleibt der Dichter nicht stehen. Das Ende des Tages ist für ihn vielmehr ein Anlass, daran zu denken, dass die Sonne zur gleichen Zeit woanders aufgeht. Und damit steht auch das Gebet niemals still, es umspannt vielmehr auf unsichtbare Weise die ganze Welt.

EG 266

Text: Gerhard Valentin 1964 nach dem englischen »The day thou gavest, Lord, is ended« von John F. Ellerton 1870
Melodie und Satz: Clement Cotterill Scholefield 1874


Deutshe Fassung
  1. Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen
    und wird vom Dunkel überweht.
    Am Morgen hast du Lob empfangen,
    zu dir steigt unser Nachtgebet.
  2. Die Erde rollt dem Tag entgegen;
    wir ruhen aus in dieser Nacht
    und danken dir, wenn wir uns legen,
    dass deine Kirche immer wacht.
  3. Denn unermüdlich, wie der Schimmer
    des Morgens um die Erde geht,
    ist immer ein Gebet und immer
    ein Loblied wach, das vor dir steht.
  4.  Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben
    den Menschen überm Meer das Licht:
    Und immer wird ein Mund sich üben,
    der Dank für deine Taten spricht.
  5.  So sei es, Herr: Die Reiche fallen,
    dein Thron allein wird nicht zerstört;
    dein Reich besteht und wächst, bis allen
    dein großer, neuer Tag gehört.
Englische Fassung
  1. The day thou gavest, Lord, is ended,
    The darkness falls at thy behest;
    To thee our morning hymns ascended,
    Thy praise shall sanctify our rest.
  2. We thank thee that thy Church unsleeping,
    While earth rolls onward into light,
    Through all the world her watch is keeping,
    And rests not now by day or night.
  3. As o’er each continent and island
    The dawn leads on another day,
    The voice of prayer is never silent,
    Nor dies the strain of praise away.
  4. The sun that bids us rest is waking
    Our brethren ’neath the western sky,
    And hour by hour fresh lips are making
    Thy wondrous doings heard on high.
  5. So be it, Lord; thy throne shall never,
    Like earth’s proud empires, pass away:
    Thy kingdom stands, and grows for ever,
    Till all thy creatures own thy sway.

Liebe Gemeinde.

Überall auf der Welt wohnen Menschen, und manchmal wundert man sich über die Orte, die sie besiedelt haben. An abgelegenen Gebirgshängen, auf einsamen Inseln, im Urwald und im ewigen Eis, in jedem Winkel auf der Erde sind Menschen zu Hause. Und in einer globalisierten Welt wissen auch fast alle voneinander. Denn heutzutage ist die ganze Menschheit vernetzt, durch den Tourismus und den Welthandel, das Internet und die Medien, Katastrophenhilfe und militärische Bündnisse usw.

Es gibt inzwischen zwar starke Bewegungen gegen die Globalisierung, weil viele davon Nachteile haben, aber es gibt auch etliche Vorteile, sonst wäre es nicht dazu gekommen.

Ein weltweites Netzwerk ist auf jeden Fall gut, und das hat es auch schon lange vor der modernen Zeit gegeben: Es ist das ständig um die Erde wanderende Gebet. Wir können davon ausgehen, dass immer irgendwo auf der Welt ein Mensch wach ist und betet, und das schon, seitdem es den Glauben gibt.

Diesen Gedanken hat John Ellerton in seinem Lied „The day Thou gavest, Lord, is ended“ wunderbar beschrieben. Es ist ein geistliches Lied, das mehrfach ins Deutsche übertragen und in die wichtigsten deutschsprachigen Gesangbücher aufgenommen wurde, so auch in unseres.

John Ellerton, der den Originaltext verfasste, lebte von 1826 bis 1893 und war anglikanischer Geistlicher und Liederdichter. Seine Strophen erschienen – ohne Melodie – erstmals 1870 im Druck. Sie enthalten einen abendlichen Dank für das weltumspannende Gebet, das im „Rollen“ des Erdballs niemals endende Gotteslob der Kirche.

Die Übertragung „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ schuf Gerhard Valentin im Jahr 1964. Valentin war Lehrer, Schauspieler und ab 1967 Musikreferent im Landesjugendpfarramt der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sein Text folgt allen fünf Strophen des englischen Originals und war von Anfang an mit dessen Melodie verbunden. Ursprünglich war es für die Gruppen der evangelischen Jugendarbeit bestimmt. Es steht nun aber wie gesagt auch in unserem Gesangbuch und zwar in der Rubrik „Gottesdienst und Ökumene“.

Und das passt sehr gut, denn der Verfasser denkt bei „Kirche“ nicht an eine bestimmte Konfession oder Nation, er meint vielmehr die eine „heilige christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen“, wie es im Glaubensbekenntnis formuliert ist. Und er denkt über die Weltgeschichte hinaus an das überzeitliche Königreich Gottes. Es steht den stolzen Mächten der Welt entgegen.

Nachdem das Lied veröffentlicht war, wurde es schnell bekannt und sehr beliebt. So wünschte sich Königin Victoria 1897 zur Feier ihres Diamantenen Thronjubiläums neben anderen diesen Choral, und er wurde weltweit bei den Dankgottesdiensten gesungen. Genau 100 Jahre später war das Lied Teil der Zeremonie zur Übergabe der Kronkolonie Hongkong in die Souveränität der Volksrepublik China. Und 2005 erreichte es bei einer von der BBC veranstalteten Abstimmung über „The nation’s favourite hymn“, also den „Lieblingschoral der Nation“, Platz drei in der Kategorie „Loblieder.“

Und es ist in der Tat sehr schön, das merken wir schon beim Singen. Die einzelnen Aussagen sind stark und bringen eine wunderbare Sicht auf diese Welt zum Ausdruck. Wir wollen das Lied deshalb jetzt etwas genauer betrachten.

Dabei können wir drei Teile entdecken: Strophen eins und zwei handeln vom Abend des Tages und dem Lauf der Sonne um den Erdball. Die nächsten beiden Strophen thematisieren die weltumspannende Kirche und das nie endende Gebet. Und in der letzten Strophe kommen das Ende der Welt und das neue Reich Gottes in den Blick. Diese drei Teile sind drei Schritte, mit denen wir dem Gedankengang des Liedes gut folgen können.

Teil eins handelt wie gesagt vom Abend des Tages, und so denken wir im ersten Moment auch, dass es ein Abendlied ist: Am Anfang steht die Feststellung: Der Tag ist vergangen und die Dunkelheit bricht ein. Der Mensch, der hier singt, kommt also zur Ruhe und blickt noch einmal auf den Tag zurück. Dabei wird gleich deutlich, dass es ein geistliches Lied ist, denn der Dichter kleidet diese Aussagen in eine Anrede an Gott. Er lebt in dem Bewusstsein, dass Gott ihm den Tag geschenkt hat, und er auf sein Geheiß nun zu Ende geht. Gott steht also hinter allem, was geschieht. Deshalb ist es angemessen, den Tag mit einem Loblied zu beginnen und mit einem Nachtgebet abzuschließen. Es soll die Nachtruhe weihen und heiligen. Das kommt in der ersten Strophe zum Ausdruck.

In der zweiten wird nun aber deutlich, dass die Gedanken des Dichters über den Abend hinausgehen, und sein Lied eigentlich ein ganz anderes Thema hat. Er stellt sich nämlich vor, dass ja lange nicht überall auf der Welt die Menschen zum gleichen Zeitpunkt schlafen. Die Erde „rollt vielmehr dem Tag entgegen“. Wenn die Sonne auf der einen Seite des Erdballs sinkt, geht sie auf der anderen Seite gerade auf, und dort singen Menschen ihr Morgenlied. Und damit entsteht ein geheimer Zusammenhang zwischen allen Betenden. Gemeinsam bilden sie die eine weltweite Kirche, die niemals schläft. Mindestens einer wacht immer, sodass die Kirche keine Ruhe kennt, weder bei Tag noch bei Nacht.

Mit diesem Gedanken leitet der Dichter den zweiten Teil seines Liedes ein, ihm widmet er die nächsten beiden Strophen: So wie ständig über jedem Kontinent und jeder Insel die Dämmerung den nächsten Tag herbeiführt, so schweigt die Stimme des Gebetes niemals. Zu keiner Zeit stirbt die Kraft des Lobpreises. „Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens und die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht.“ So lautet die deutsche Übertragung.

Der Dichter betrachtet dafür den Weg der Sonne. Wo sie untergeht, lädt sie uns zur Ruhe ein, auf der anderen Seite der Welt weckt sie zur gleichen Zeit die Menschen. Und auch da leben unser „Brüder“, wie der Dichter sagt, Menschen desselben Glaubens. Deshalb gibt es immer irgendwo Lippen, die sich gerade „auftun, um Gottes Ruhm zu verkündigen“. „Immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht“. Die wunderbaren Dinge, die Gott tut, werden jederzeit und allerorts vernommen. Davon handeln die Strophen drei und vier.

Und im dritten Teil, in der fünften Strophe, geht der Blick des Dichters noch weiter. Er schaut über diese Welt hinaus. In ihr gibt es Königreiche und Nationen, die stolz daher kommen und meinen, sie werden niemals untergehen. Doch das ist ein Irrtum, „die Reiche fallen“, sie vergehen, wie alles auf dieser Welt. Mit dem „Thron Gottes“ verhält es sich anders. Dieses Bild kennen wir aus der Bibel, hauptsächlich aus der Offenbarung. Es korrespondiert mit Jesu Verkündigung des „Reiches Gottes“. Das ist ein ewiges Reich, das für immer „besteht und wächst“, bis irgendwann das Ende der Welt kommt und Gottes „großer, neuer Tag“ anbricht. Dann werden alle Geschöpfe unter seiner Macht sein. Das glaubt und denkt der Dichter nicht nur, er wünscht es sich auch. Die letzte Strophe beginnt im Originaltext nicht umsonst mit dem Ausruf: „So be it, Lord. – So sei es, Herr”.

Und damit ist das Lied ein wunderbares Zeugnis für den Glauben an die universale Gegenwart Gottes, an seine Allmacht und seine immerwährende Fürsorge für die Menschen. Dazu lädt der Dichter uns ein, und es tut gut, wenn wir uns diesen Glauben zu eigen machen.

Dabei können wir den drei Schritten folgen, die das Lied beschreibt, und mit dem Abend eines Tages beginnen. Es ist die Zeit, in der in den meisten Regionen der Welt die Dunkelheit hereinbricht, die Zeit des Ruhens und Schlafens. Einerseits ist es gut, dass wir dazu die Gelegenheit haben, andererseits sind wir während der Nacht und des Schlafes aber auch ausgeliefert. Wir machen selber nichts mehr, sind hilflos und schutzlos, und das kann Ängste auslösen. Nicht umsonst ist „Dunkelheit“ ein Bild für Gefahr und Not, Leiden und Sterben. Doch gerade in solchen Zeiten ist es gut, wenn wir uns an Gott wenden, so wie der Dichter es tut. Er lebt in dem Bewusstsein, dass Gott ihm den Tag gegeben hat und dass er auch nachts noch bei ihm ist. Mit diesem Bekenntnis drückt er sein Gottvertrauen aus. Das tröstet und beruhigt ihn, es lässt ihn sicher schlafen und nimmt ihm die Angst. Und er lädt uns ein, dasselbe zu tun: In der Dunkelheit gilt es, auf den zu vertrauen, dem Tag und Nacht gehört, der immer bei uns ist, und dessen Schutz viel größer ist, als wir denken.

Außerdem ist es sehr entlastend zu wissen, dass auch andere Menschen jetzt wach sind, und das aktive Gebet weiter geht, wenn ich schlafe. Das Gotteslob wandert mit der Sonne um die Erde. Davon handeln die nächsten beiden Strophen, der zweite Teil des Liedes. Er beinhaltet die Ökumene und die Zusammengehörigkeit aller Christen und Kirchen. Und das ist ein sehr hilfreicher und entspannender Gedanke. Er besagt, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin, auch nicht mit meinem Glauben, sondern ich bin in eine weltweite Gemeinschaft eingebettet. Mein eigenes Leben wird dadurch in wohltuender Weise relativiert.

Es ist ja auch nie vollkommen, das merkt jeder und jede von uns immer wieder. Wir wünschen uns das zwar und sind oft unzufrieden mit uns oder mit der Kirche, fühlen uns kraftlos und unbedeutend, arm an Ideen und schwach, aber das ist unnötig. Denn das, was ich bin und verwirkliche, ist von vorne herein nur ein Teil des Ganzen. Ich bin nicht allein und schon gar nicht die Mitte der Welt. Ich habe vielmehr einen kleinen Platz auf dieser Erde, und das ist auch gut so. Ich muss nicht alles können und machen, denn nur zusammen mit allen anderen Menschen und Gläubigen entsteht ein Gesamtbild.

Das ist die zweite Idee, die dieses Lied enthält. Und als drittes folgt ein Ausblick auf die Ewigkeit, auf das Ende der Welt und „Gottes großen Tag“. Das Lied enthält also ein Abendgebet, ein Bekenntnis zur Ökumene und ein Gotteslob. Denn nun kommt Gottes Größe zur Sprache, seine Überlegenheit und Schöpferkraft. Er ist der Anfang und das Ziel der Weltgeschichte, er hält den Kosmos in seiner Hand und wird ihn eines Tages neu schaffen. So wie der Morgen einen neuen Tag bringt, wird Gott sein Reich heraufführen, das jetzt schon „besteht und wächst“.

Dabei ist Gott ganz anders als die Herrscher dieser Welt. Sie können zwar Gutes tun, aber oft zerstören sie mit ihrer Machtgier auch das Leben. Leider geht von vielen Herrschern eine große Gefahr aus. Gott dagegen ist nur am Leben interessiert. Er will die Menschheit retten und erlösen. Eines Tages wird das die Wirklichkeit sein, in der die Erde neu erwacht.

Mit diesem Gedanken endet der Dichter sein Lied und damit erhebt er nicht nur Gott. Der Lobpreis zieht ihn auch selber empor und verschafft ihm Zuversicht und Freude. Er hat eine Hoffnung, die weit über diese Welt hinausgeht, und damit möchte er uns anstecken.

Wenn wir sein Lied singen, geschieht das ganz von allein, und weil es so viele Schichten hat, passt es eigentlich immer. Wir singen es deshalb jetzt noch einmal, und zwar den Originaltext, die englische Fassung.

Amen.

Gott kommt und sieht und findet uns

Predigt über Apostelgeschichte 8, 26- 39: Der Kämmerer aus Äthiopien

6. Sonntag nach Trinitatis, 8.7.2018, 9.30 und 11 Uhr
Luther- und Jakobikirche Kiel

Apostelgeschichte 8, 26- 39

26 Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.
27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
32 Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.
33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«
34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?
35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
36 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?
37 Philippus aber sprach: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so kann es geschehen. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist.
38 Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

Liebe Gemeinde.

Einer der weltweit größten Wirtschaftszweige ist der Tourismus. In dieser Branche werden horrende Gewinne erzielt, und mit rund 100 Millionen Beschäftigten gilt sie als einer der bedeutendsten Arbeitgeber. Die wirtschaftliche Grundlage sind im Wesentlichen die Kulturgüter und die Natur der Reiseorte. Das möchten Menschen sehen und erleben, und es werden immer mehr, die sich das Reisen leisten können.

Welche Ziele sich die Einzelnen aussuchen, ist ganz unterschiedlich. Gemeinsam ist allen Touristen allerdings, dass sie vorher bestimmte Vorstellungen haben. Jeder und jede erwartet etwas von einer Reise, und sie gilt dann als gelungen, wenn diese Erwartungen erfüllt wurden, wenn das Wetter entsprechend war, man viel Schönes gesehen hat, tolle Begegnungen hatte oder was auch immer.

Und das gab es schon sehr früh. So finden wir bereits in der Bibel viele Erzählungen über Menschen auf Reisen. Meistens führten praktische Gründe dazu, wie die Suche nach Nahrungsplätzen oder Wasser oder die Flucht vor Kriegen, Unterdrückung und Naturkatastrophen. Aber es gibt auch andere Geschichten. Eine davon haben wir vorhin gehört, es ist der Bericht über einen Reisenden aus Äthiopien, einen Beamten der Königin. Er hatte eine Wallfahrt nach Jerusalem gemacht, zum Tempel, „um dort anzubeten“. Er hatte also religiöse Gründe für seine Reise. Offensichtlich war er ein großer Freund des Judentums, d.h. er bekannte sich zu dem Glauben an den einen lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Wo und wie er davon gehört hatte, erfahren wir nicht, aber er interessierte sich offensichtlich für die heilige Schrift, denn er hatte in Jerusalem eine Schriftrolle des Propheten Jesaja erworben. Unsere Erzählung setzt da ein, wo er auf der Rückfahrt war und in seinem neuen Buch las. Leider verstand er nicht viel von dem, was dort geschrieben stand. Er hatte auch gerade eine sehr schwierige Stelle zu fassen, einen Teil aus dem sogenannten Gottesknechtstlied in Kapitel 53. Es heißt: „Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser: »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«

Es ist immer noch ein Rätsel, von wem der Prophet das hier sagt, „von sich selber oder von jemand anderem?“ Die Theologen sind sich da nicht einig. Es war allerdings in der christlichen Tradition von Anfang an üblich, diese Stelle auf Jesus Christus zu beziehen, denn sie drückt erstaunlich genau aus, was er erlitten hat.

So ist es auch in unserer Geschichte, die mit einem kleinen Wunder weitergeht. Mit einem Mal war nämlich der Apostel Philippus da. Er war einer der ersten Missionare und als Wanderprediger tätig. An einen bestimmten Ort war er also nicht gebunden, sondern er verkündigte dort, wo er gerade war, das Evangelium von Jesus Christus. Dazu hatte Gott ihn berufen. Und Gott wollte, dass es nicht nur zu den Juden sondern ebenfalls zu den Heiden gelangte. Durch einen Engel ließ er Philippus deshalb nun zu genau diesem Zeitpunkt auf der Wüstenstraße erscheinen, als der Kämmerer die besagte Stelle – offensichtlich laut – las. Philippus hörte es jedenfalls und er fragte. „Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.“ So geht die Erzählung weiter. Und das war gut für den Äthiopier, denn nun hörte er noch viel mehr, als er vorher wusste, er empfing eine ganz neue und ungeahnte Botschaft: Philippus predigte ihm das Evangelium von Jesus Christus. Er verkündigte, dass Jesus für die ganze Menschheit gestorben und auferstanden ist und allen Heil und Vergebung schenkt. Und das war für den Reisenden umwerfend. Offensichtlich hat es ihn tief angerührt, vielleicht hatte er auf genau diese Botschaft gewartet. Er war jedenfalls offen für das Evangelium und nahm es an. „Er glaubte von ganzem Herzen, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist.“ Er hatte keine Bedenken, und so war wie auf Befehl Wasser zur rechten Zeit da – in der Wüste sicher etwas Rares – und er ließ sich taufen. Sein Leben gehörte damit Jesus Christus.

Danach wurde Philippus „durch den Geist wieder entrückt“. Und die Geschichte endet mit dem Satz: „Der Kämmerer zog seine Straße fröhlich.“ Die Reise war also gelungen, seine Erwartungen waren sogar weit übertroffen worden. Unvorhergesehener Weise hatte sich sein Leben verändert, er fühlte sich befreit und gestärkt und kam als neuer Mensch wieder nach Hause.

Natürlich ist das Ganze eine Wundergeschichte. Das erkennen wir an vielen Einzelheiten, die göttliche Lenkung ist hier nicht zu übersehen. Es sollte zu der Bekehrung und der Taufe des Kämmerers aus Äthiopien kommen, und dafür hat Gott die Initiative ergriffen.

Das alles liest sich gut und ist spannend und faszinierend. Doch was hat das nun mit uns zu tun? Dass wir so etwas erfahren, ist ja recht unwahrscheinlich. Können wir das auf unser Leben übertragen? Das müssen wir uns fragen, und dafür ist es ratsam, wenn wir uns ein paar Dinge herausgreifen und näher betrachten.

Zunächst einmal ist es sehr schön, was der Kämmerer von dieser Reise mitnimmt. Das sind nämlich nicht die Dinge, die er gesehen und gefunden hat, entscheidend ist vielmehr, dass er gesehen und gefunden wurde, und zwar von Gott selbst.

Und das können wir gut auf uns anwenden. Unser Leben ist ja insgesamt wie eine Reise, auf der wir möglichst viel erleben möchten. Es soll gelingen, wir wollen fröhlich sein und unsere Ziele erreichen. Doch wichtiger als all das ist, dass Gott zu uns kommt, uns sieht und findet. Nicht was wir alles machen, ist entscheidend, sondern dass Gott uns begegnet, zu uns spricht, und wir die befreiende Botschaft annehmen, dass er uns liebt.

Bei dem Kämmerer ist es dazu gekommen, weil er offen und bereit dafür war. Er ließ Philippus auf den Wagen steigen und hörte zu. Außerdem war er vorbereitet und interessiert, und das alles ist auch für uns entscheidend. Wenn wir uns nach der Liebe Gottes sehnen, müssen wir uns in diese Haltung einüben. Sie entspricht nicht unbedingt unserem normalen Lebensgefühl. Das ist vielmehr meistens davon geprägt, dass wir etwas machen, dass wir selber reden, etwas wollen und erwarten. Was uns bei unseren Reisen leitet, bestimmt unser Bewusstsein auch im Alltag: Wir stellen uns das Ziel vor, planen den Weg dorthin und investieren viel Zeit und Geld. Das ist natürlich oft auch wichtig, aber zu dem, was der Kämmerer erlebt hat, führt es uns nicht. Das geschieht vielmehr dann, wenn wir mit all dem gerade einmal aufhören.

Und dabei hilft die Einsicht, dass all unsere selbstgesteckten Ziele und Erfahrungen irgendwann vergehen. Wie nach einer Reise, so haben wir auch am Ende des Lebens hauptsächlich Erinnerungen, und selbst die verblassen irgendwann. Wir können nichts festhalten und nichts mitnehmen. Alles verändert sich, das Leben ist flüchtig und nicht nur mit Freude, sondern auch mit viel Traurigkeit angefüllt.

Es ist demnach gut, wenn wir von vorne herein nach mehr fragen, nach etwas Bleibendem, das nie verloren geht. Es ist da, und Gott bietet es uns auch ständig an. Dabei ist er nicht an Ort und Zeit gebunden, er kann uns immer und überall erreichen. Eine Reise bis zum Ende der Welt oder sonst wohin ist dafür nicht nötig. Nicht wir müssen zu ihm gehen, sondern er kommt zu uns. Gott findet uns da, wo wir gerade sind, und es spielt auch keine Rolle, wie es uns geht. In Freude und Leid, in Armut oder Reichtum, in Krankheit oder Gesundheit kann er zu uns kommen. Denn Gott ist unabhängig und frei, groß und souverän.

Und die Wege, auf denen er uns erreicht, sind ebenfalls ganz unterschiedlich. Es kann in vielfältiger Weise geschehen, wenn wir allein sind oder in der Gemeinde, zu Hause oder unterwegs, in der Stille oder beim Reden und Hören. Zu dem Äthiopier kam Gott durch einen anderen Menschen, der bereits an Jesus Christus glaubte, und das ist wahrscheinlich auch bei uns am ehesten der Fall. Wir müssen solche Menschen nur zu uns „auf den Wagen steigen lassen“, d.h. sie in unser Leben hineinlassen, uns auf sie einlassen, ihnen zuhören und uns anrühren lassen.

Aber es gibt auch noch ein anderes Ereignis, das wichtig dafür ist, und das ist unsere Taufe. Da hat Gott uns ein erstes Mal aufgesucht und seine Gnade über uns ausgebreitet. Das war ein großes Geschenk, auch wenn wir davon nicht viel mitbekommen haben, weil wir noch zu klein waren. Aber das macht nichts, im Gegenteil, gerade das hat eine Bedeutung: Die Kindertaufe ist ein schönes Zeichen dafür, dass Gott ohne unser Zutun kommt, dass wir passiv bleiben dürfen, keinen Aufwand betreiben müssen, keine Anstrengung und kein Geld dafür brauchen.

Es reicht, wenn wir irgendwann reagieren. Bei einer Erwachsenentaufe ist das von vorne herein dabei, denn sie folgt auf die Bekehrung und ist dafür das Siegel und die Bestätigung. Wurden wir als Kinder getauft, können wir das später nachholen und eines Tages mit dem Glauben antworten. Dazu gibt es den Konfirmandenunterricht und die Konfirmation. Da erfahren wir, was die Taufe bedeutet und können uns bewusst für Gott entscheiden, d.h. seine Zuwendung annehmen und sein Sehen genießen, seinen liebevollen Blick auf uns ruhen lassen.

Und das ist das schönste Erlebnis der Welt. Es rührt uns auf dem Grund unserer Seele an. Die Angst, etwas zu verpassen oder zu verlieren, verschwindet, weil unsere tiefste Sehnsucht gestillt wird. Denn Gott sieht uns ganz. Er weiß, wer wir sind und lässt uns so sein. Unter seinem Blick finden wir zu uns selber, und das kann keine Reise uns bieten, ganz gleich, wie weit weg sie uns führt oder wie spannend sie ist.

Die Geschichte des Kämmerers aus Äthiopien lädt uns ein, daran zu glauben und Gott immer wieder zu uns kommen zu lassen. Dann „ziehen auch wir unsere Straße fröhlich“.

Amen.

Christus vergibt uns unsre Sünden

Predigt über 1. Johannes 1, 5- 2, 6: Das Leben im Licht

3. Sonntag nach Trinitatis, 17.6.2018, 11 Uhr, Jakobikirche Kiel

1. Johannes 1, 5- 2, 6

1 5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.
8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
2 1 Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen  Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.
2 Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
3 Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.
4 Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.
5 Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.
6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat.

Liebe Gemeinde.

»In einem katholischen Dorfpfarrhaus klopft des Abends ein Mann an die Tür. Er sei katholischer Priester, sagt er, und habe hier eine Wagenpanne gehabt. Ob er im Pfarrhaus übernachten könne? „Aber natürlich“, sagt der Dorfpfarrer, „kommen Sie doch rein.“ „Kann ich morgen in Ihrer Kirche die Messe lesen?“ fragt der Fremde. „Hier sind mein Ausweis und meine Celebret“, [das ist dafür die kirchliche Erlaubnis] und er kramt schon danach in der Tasche. „Aber lassen Sie doch, Herr Confrater, das ist nicht nötig“, wehrt der Gastgeber ab. „Kommen Sie doch weiter ins warme Zimmer. Wie wär‘s mit einem guten Glas Wein?“ „Vielen Dank, aber ich trinke nicht“, sagt der Fremde. „Aber eine gute Zigarre werden Sie sicher nicht ablehnen?“ „Leider – ich rauche auch nicht.“ „Nun – das soll ja vorkommen“, sagt der Dorfpfarrer etwas befremdet. „Aber in einer Viertelstunde kommen der Lehrer und der Doktor zu einem Skat. Sie halten doch mit?“ „Bedaure“, sagt der Fremde, „ich spiele nicht Karten!“ „So? Dann zeigen Sie mir doch lieber einmal Ihr Celebret!“« (Der klerikale Witz, Hrg. Hans Bemmann, München, 7. Auflage 1983, S. 22f)

Das ist natürlich ein Witz, aber wie alle Witze enthält er ein Körnchen Wahrheit. In diesem Fall ist es das weltliche – oder auch sündhafte – Verhalten vieler Geistlicher, das nicht nur geduldet sondern geradezu erwartet wird.

Priester, Pastoren, und auch Mönche und Nonnen sollen schließlich dem Leben zugewandt sein, sich den einen oder anderen Genuss gönnen und Freude ausstrahlen. Ein übertriebenes Sündenbewusstsein oder gar Weltverneinung wirken abstoßend. Es ist viel beruhigender, wenn Geistliche sich in ihrem Lebenswandel nicht von anderen Menschen unterscheiden, dann braucht keiner ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er z.B. trinkt, raucht oder Karten spielt.

Denn die Bibel entlastet uns diesbezüglich nicht. Da ist an vielen Stellen davon die Rede, dass wir unsere Sünden und unsere Schlechtigkeit erkennen und unseren Lebenswandel ändern sollen. So auch in dem Abschnitt aus dem ersten Johannesbrief, den wir eben gehört haben. Da heißt es an einer Stelle: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wir machen Christus zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Wir wandeln in der Finsternis.“ Das klingt anstrengend und ungemütlich. Schon das Wort „Sünde“ schreckt uns ab, und eine Aufforderung wie „Sündigt nicht!“ die in dem Text auch an uns gerichtet wird, noch viel mehr.

Führt das nicht alles zur Freudlosigkeit? Das wird dem Christentum ja oft unterstellt. Wir haben den berühmten Vorwurf von Nietzsche im Ohr: „Sie müssten fröhlicher aussehen, die Christen.“ Er fand, das Christentum habe den Lebenswillen geschwächt, es mache keinen Mut zum Leben, sondern erziehe zum Muckertum. „Der christliche Glaube ist von Anbeginn Opferung: Opferung aller Freiheit, alles Stolzes, aller Selbstgewissheit und des Geistes.“ So sagt er. Der christliche Glaube war für ihn deshalb ein „Zeichen von Verarmung an Leben.“ Das sind Nietzsches Vorwürfe (siehe: http://www.ursulahomann.de/NietzscheUndDasChristentum/komplett.html) und mit denen müssen wir uns in der Tat auseinandersetzen. Denn natürlich kann der Glaube zur Verneinung des Lebens führen. Nietzsche kannte auch solche Menschen. Er hatte eine Kirche erlebt, die seiner Meinung nach der Menschheit jede Lebenshoffnung nahm. Und das hat der eine oder die andere von Ihnen eventuell ebenfalls schon erfahren, weil in der Kirche viel zu viel über die Sünde geredet wird, und das ist für viele heutzutage zum Problem geworden.

Aber ist es wirklich lebensfeindlich? In unserem Briefabschnitt kommt etwas anderes zum Ausdruck. Lassen Sie uns einmal genau hinschauen, was hier steht, dann entdecken wir, dass es gar nicht so schlimm ist. Gleich zu Beginn wird uns bereits etwas sehr Positives verkündigt. Es heißt ja am Anfang: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“ Es geht also um etwas Helles und Schönes, um genau das, wonach wir uns sehnen, um Leben und Freude. Der Schreiber will uns das nicht vermiesen oder ausreden, er erkennt bloß, dass es nicht so einfach ist, das auch zu finden. Denn es gibt ganz vieles, das unser Leben und unseren Geist verdunkeln kann. Und damit meint er nicht das eine oder andere Laster, sondern dunkle Kräfte, die in der Welt wirken. Wenn in der Bibel das Wort „Sünde“ steht, dann ist damit nicht etwas Moralisches gemeint, sondern eine Macht, die uns von Gott trennt. Sie hat etwas Zerstörerisches an sich, sie kann uns in den Abgrund reißen. Und davor sollen wir bewahrt werden.

Dabei geht es nicht darum, dass wir uns aus eigener Kraft gegen negative Einflüsse stemmen und einen makellosen Lebenswandel führen. Es gibt vielmehr jemanden, der die Macht der Sünde gebrochen hat. Das ist Jesus Christus, der Sohn Gottes. „Sein Blut macht uns rein von aller Sünde. Er ist treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Er ist unser Fürsprecher bei dem Vater, er ist gerecht und die Versöhnung nicht allein für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.“ Das ist das Evangelium, die gute Botschaft. Daran dürfen wir glauben, darauf dürfen wir vertrauen. Dann wirkt sich die befreiende Kraft Jesu in unserem Leben aus.

Doch damit das geschieht, müssen wir ehrlich sein und uns selbst erkennen. Wir dürfen uns nichts vormachen, uns nicht selber betrügen oder einer Lebenslüge hingeben. Vor dieser Gefahr will uns der Schreiber des Briefes bewahren. Er warnt uns davor, so zu tun, als würde das Leben von alleine gelingen, und als wäre das so einfach.

Die Aufforderung zu einem geordneten Lebenswandel ist also nicht gegen das Leben gerichtet, sondern sie dient ihm. Und sie ist auch nicht moralisch gemeint, sondern eng verknüpft mit der Botschaft, dass wir einen göttlichen Beistand und ein Vorbild haben. Jesus Christus ist da, um uns zu helfen und zu erlösen. Wir werden zwar dazu ermahnt, „seine Gebote zu halten und so zu leben, wie er“, aber das geht nur, wenn wir „ihn kennen und in ihm“ sind. Dann können seine Wahrheit und seine Liebe sich in uns ausbreiten.

Wir müssen sowohl „Sünde“ als auch „Freude“ also noch viel umfassender und tiefer verstehen, als wir das normalerweise tun. Es sind keine innerweltlichen oder psychologischen Kategorien, sondern beschreiben jeweils Räume des Bewusstseins oder Bereiche des Lebens, Kräfte, die wirken und Macht haben.

Fangen wir doch einmal mit der Freude an. Wir denken oft, wir gewinnen sie, wenn wir uns möglichst viel gönnen, Spaß und Erfolg haben, mit netten Menschen zusammen sind, gesund bleiben usw. Aber sind diese Vorgänge und Handlungen nicht alle sehr oberflächlich und vor allen Dingen flüchtig? Solche Geschichten können ganz schnell vergehen und zusammenbrechen. Dieses Konzept bleibt auch irgendwie immer unvollkommen und unzureichend, denn wir haben nie so ganz genug. Und wenn es schlimm kommt, wirkt es sogar zerstörerisch. Denn es kann z.B. in eine Sucht führen, zu Geldverschwendung oder zum Ehebruch, in Krankheit oder in den sozialen Abstieg.

Das Leben ist leider etwas komplizierter, als wir es uns wünschen, und das gilt es, zu erkennen. Es ist gut, wenn wir aufdecken, was uns gefährdet, und uns selber spüren. Das mindert nicht die Lebensqualität, sondern wir nehmen uns endlich einmal ernst, so wie wir sind. Uns wird bewusst, was wir können und auch nicht können. Wir setzen uns mit uns selber und unserer Wirklichkeit auseinander.

Das ist mit „Sündenerkenntnis“ gemeint, und die ist zutiefst heilsam. Denn sie führt dazu, dass wir uns nicht mehr selber betrügen und die Bilder, die wir vom Leben haben, loslassen. Wir machen uns nichts mehr vor, sondern können uns entspannen. Dazu will uns der Glaube an Jesus Christus führen, und ohne ihn geht es auch kaum. Wir können uns an ihn wenden, dann fängt er uns auf. Wir müssen nur zu ihm beten, ihn um Hilfe und Erbarmen anflehen. Dadurch kommen wir mit Gott in Berührung, der uns erschaffen hat. Er ist der tiefste Grund für unser Dasein und das Ziel auf das wir zugehen. Es gilt also, dass wir uns auf Christus einlassen, ihm vertrauen und seine Liebe und Vergebung zulassen. Nur mit ihm kann das Leben wirklich gelingen, nur bei ihm finden wir unseren Sinn und unseren Halt, die ganze Fülle, nach der wir uns sehnen. Wir spüren seine Kraft.

Der Glaube an Jesus Christus und das Evangelium beinhalten also in Wirklichkeit genau das Gegenteil von dem, was Nietzsche darin gesehen hat. Wir gehen nicht zerknirscht oder mit gesenktem Haupt durch das Leben, wir werden vielmehr aufgerichtet und bekommen neuen Mut. Unser Dasein wird hell und schön. Wir werden heiter und gelassen. Lasten fallen von uns ab und Freude kommt auf, eine tiefe und bleibende Freude, die sich nicht so schnell vertreiben lässt.

Natürlich gehört dazu, dass wir gelegentlich Abstand nehmen von der Welt und uns gewisser Genüsse enthalten. Wenn wir in der Anekdote, die ich am Anfang erzählt habe, einmal nicht den Witz beachten, sondern die Lebensweise des Pfarrers, der keinen Wein trinken möchte, nicht raucht und nicht Karten spielt, dann bekommt sie einen ganz anderen Sinn. Denn dieser Mensch hat den Wert der Askese erkannt, die das Leben ordnet und reinigt. In dem Wort „Laster“ steckt ja „die Last“, und das ist sehr vielsagend: Wenn wir Laster abwerfen, wird unser Gang leichter und fröhlicher, wir gewinnen Güte und Gelassenheit.

Und solche Menschen gibt es, Menschen die sich zu einem Lebenswandel entschieden haben, der die weltlichen Freuden kritisch sieht und davon Abstand nimmt. Wir treffen sie z.B. in Klöstern. So stellt sich eine Nonne ihren Ordensgründer, den heiligen Benedikt, z.B. folgendermaßen vor: „… mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehend, mit offenen Ohren nach allen Richtungen horchend, mit durchdringenden, gütigen Augen, die tiefer als die Oberfläche sehen und in allen Christus entdecken.“ (Aquinata Böckmann OSB, Perspektiven der Regula Bendicti, Münsterschwarzach 1986, S. 4ff) So jemanden habe ich vor kurzem tatsächlich getroffen, und zwar den Abt des Benediktinerklosters in Hildesheim. Er hielt einen Vortrag über die Stille. Und wenn man mich fragt, was mir am meisten an ihm aufgefallen ist, dann würde ich sagen: Die Freude und Heiterkeit. Die hat er ausgestrahlt und damit hat er uns angsteckt.

Wir müssen nicht alle ins Kloster gehen, aber wir dürfen uns gerne von Menschen inspirieren lassen, die diesen besonderen Weg gewählt haben. Sie zeigen uns, dass es im Leben um mehr geht, als um ein paar weltliche Freuden, denn sie verweisen uns auf Gott und laden uns ein, „im Licht zu wandeln, wie Christus im Licht ist.“ Was das konkret heißt und in welcher Form wir das tun, müssen wir selber herausfinden, aber wir dürfen davon ausgehen, dass „wir dann Gemeinschaft untereinander haben, und das Blut Jesu uns rein macht von aller Sünde.“

Amen.