Lebendiges Wasser

Gottesdienst mit der Evangelischen Jugend Kiel Mitte am 25.1.2015, 11 Uhr, Jakobikirche Kiel

3. Sonntag nach Epiphanias,
Predigt über Johannes 4, 5- 14: Jesus und die Samariterin

Anspiel: Durstig?

Vor der Predigt haben vier Jugendliche zusammen mit Matthias Beckmann, unserem Gemeindepädagogen, den sogenannten „Marschmallow-Test“ nachgespielt. Er wurde ursprünglich in Amerika in den Jahren 1968 bis 1974 durchgeführt. In Einzelsitzungen wurde vierjährigen Kindern ein Marschmallow  vorgesetzt, das sie verzehren durften. Würden sie allerdings warten, bis der Versuchsleiter zurückkehrte, würden sie gleich zwei Marshmallows erhalten. Gewöhnlich kehrte der Versuchsleiter nach 15 Minuten zurück.

Die  Jugendlichen im Gottesdienst, die vorgaben,  durstig zu sein,  kamen nach vorne, setzten sich hinter einen Tisch, und Matthias hat ihnen jeweils ein Glas Wasser hingestellt und gesagt: „Wer nicht von diesem Wasser trinken wird, bis ich wiederkomme, dessen Glas werde ich mit Orangensaft auffüllen.“ Die Gemeinde konnte nun beobachten, wie alle, bis auf einen, sich selber gut unter Kontrolle hatten, obwohl das Objekt der Begierde sie offensichtlich gelockt hat. Sie wurden am Ende entsprechend belohnt.

Im Anschluss an das Anspiel wurde das Evangelium vorgelesen:

Johannes 4, 5- 14

5 Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab.
6 Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde.
7 Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!
8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen.
9 Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. –
10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser.
11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser?
12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh.
13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten;
14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

 

Predigt über Johannes 4, 5- 14

Liebe Gemeinde.
Wasser löscht Durst, wir brauchen es zum Leben. Pflanzen, Tiere und Menschen, alle müssen regelmäßig trinken. Nichts würde auf der Erde gedeihen, wenn es kein Wasser gäbe. Wir haben immer genug Wasser, deshalb ist uns oft nicht bewusst, wie wertvoll es ist. Wir merken das z.B. erst auf einer Wanderung, bei der wir das Wasser in einer Flasche mit uns tragen müssen, weil nicht ständig ein Wasserhahn oder ein Geschäft in der Nähe ist. Und auch nach einer Anstrengung, bei Hitze, beim Sport oder bei körperlicher Arbeit bekommen wir Durst und brauchen etwas zu trinken. In vielen Regionen ist das Wasser knapper und es kann zum Verdursten kommen. In der Wüste besteht diese Gefahr, darum gibt es dort so gut wie kein Leben.
Deshalb ist das Wasser ein wunderbares Bild für alles, was wir zum Leben brauchen. Dazu gehört ja noch vieles mehr. So war das Wasser für Jesus ein gutes Gleichnis. Wir haben es in dem Abschnitt aus dem Johannesevangelium eben gehört.
Jesus unterhält sich dort mit einer Frau, die er an einem Brunnen trifft. Es ist der Jakobsbrunnen, der eine Tiefe von 32 Metern hat. Es gibt ihn auch heute noch. Unten sprudelt frisches Quellwasser. Und dieses lebendige Wasser ist für Jesus ein Symbol für das, was er geben kann. Im Orient kamen solche Vergleiche bereits vor. So galt das Wasser als Spende für die Toten, als Lebenswasser und Jungbrunnen. Und im Alten Testament wird Gott bereits als „Quelle lebendigen Wassers“ (Jer.2, 13) bezeichnet. Hier sagt Jesus nun:
„Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Joh.4,14)
Jesus sagt damit: „Was ich euch schenke, bleibt ewig.“ Wir werden also keinen Durst mehr haben, wenn wir ihn empfangen und an ihn glauben. Wir müssen nicht auf noch mehr oder etwas Besseres warten. Es gilt vielmehr, in vollen Zügen das aufzunehmen, was er uns gibt. Er kann unseren Durst stillen, und wir können selber zu einer Quelle lebendigen Wassers werden. In unserem Inneren sprudelt durch den Glauben an Jesus eine Quelle, die uns zum ewigen Leben führt.
Es ist also ganz anders, als bei dem Test, den die Jugendlichen hier eben nachgespielt haben. Cedric, Svenja, Lola und Joshua hatten jeweils ein Glas Wasser vor Augen, das sie begehrten. Sie hätten es gerne getrunken, aber damit warteten sie, denn ihnen wurde gesagt, dass sie gleich ein noch ein Glas Orangensaft erhalten würden, wen sie warteten, bis Matthias es ihnen geben würde. Und darauf waren sie aus, denn sie waren durstig.
Wir haben gehört, dass es für diesen Test eine Vorlage gibt. Er wurde ursprünglich mit kleinen Kindern und leckeren Süßigkeiten durchgeführt. Der Versuchsleiter wollte wissen, wie gut schon Vierjährige sich selber kontrollieren können. Den meisten gelang das. Sie waren zwar in der Versuchung, die Süßigkeit zu essen, aber sie konnten sich beherrschen, und wurden dann belohnt.
Der Test zeigt gleichzeitig, dass wir schon früh viel mentale und seelische Kraft einsetzen, wenn wir etwas haben wollen. Das Experiment wurde deshalb auch in Werbespots kopiert. Denn wenn gezeigt wird, wie ein Mensch sich anstrengt, um von einem begehrten Objekt ein zweites zu bekommen, dann muss dieses Objekt wirklich toll sein. Der Zuschauer bekommt Lust, es zu kaufen und zu probieren.
Und davon ist unser Verhalten ganz oft geprägt, von der Lust und dem Begehren. Wir alle haben Bedürfnisse, die wir befriedigen möchten, und das tun wir auch. Die Werbung unterstützt das. Sie macht uns vor, dass wir etwas unbedingt haben müssen, wenn wir glücklich sein wollen. Deshalb konsumieren wir, und meinen, dass wir immer mehr Dinge brauchen. Dazu gehören Klamotten, Computer, Autos, Reisen und vieles mehr. Wir denken, „unser Durst wird gelöscht“, wenn wir das alles haben.
Und das ist der Punkt, an den Jesus mit seinem Vergleich anknüpft. Er sagt ja, dass wir von dem natürlichen Wasser immer wieder trinken müssen, und das ist eine kritische Bemerkung. Er stellt damit das normale Begehren in Frage. Er macht auf die Nachteile aufmerksam, die alles Materielle und die Dinge dieser Welt an sich haben.
Und darüber lohnt es sich einmal nachzudenken. Es stimmt nämlich, dass wir nie ganz zufrieden sind, wenn wir nur das suchen und haben wollen, was weltlich ist. Wir brauchen davon immer mehr, das Begehren hört nie auf.
Ein zweites Problem besteht darin, dass alles Irdische irgendwann vergeht. Was wir in unserem Leben erreichen oder aufbauen, kann wieder zerbrechen, nichts hält ewig. Und dazu gehören nicht nur Dinge, sondern auch Beziehungen, Freundschaften und Ehen. Ebenso Fähigkeiten, Ideen und Pläne, Gedanken und Vorstellungen. Alles, was wir aus uns selber heraus schaffen, kann kaputt gehen. Das ist das zweite Problem.
Und es gibt noch mehr Mängel. Wenn wir zu sehr nach den Dingen der Welt trachten, können wir rücksichtslos und egoistisch werden. Außerdem ist es irgendwann anstrengend, es kostet Geld, und wir werden oberflächlich. Viele Fragen im Leben bleiben unbeantwortet.
Es lohnt sich also, das Wasser zu trinken, das Jesus uns gibt, an ihn zu glauben und ihm nachzufolgen. Doch wie geht das nun, und was heißt das? Das müssen wir uns als letztes fragen.
Und dazu ist es gar nicht schlecht, wenn wir uns noch einmal den Test in Erinnerung rufen. Da geht es ja um Selbstkontrolle, und so ganz verkehrt ist die gar nicht. Es ist gut, dass wir das können, denn das spielt im Glauben auch eine Rolle.
Wenn wir Jesus wirklich in uns aufnehmen wollen, ist es nämlich wichtig, dass wir all die anderen Quellen einmal sein lassen, d.h. nicht immer nur der Lust und unserem Begehren folgen. Wir wollen ja etwas Größeres und Bleibendes gewinnen, und dazu müssen wir das Kleinere und Vergängliche einmal lassen.
Es gibt eine große spanische Heilige aus dem 16. Jahrhundert, Teresa von Avila, die in vielen Schriften sehr schön dargestellt hat, wie wir Jesus in uns aufnehmen können. Sie hat dafür auch oft das Bild vom Wasser benutzt. An einer Stelle sagt sie: „Alle Ratschläge, die ich euch in diesem Buch gegeben habe, zielen auf einen einzigen Punkt: dass wir uns von allem gelöst ganz dem Schöpfer schenken und unseren Willen in den seinen fügen. Dann wird der Weg kurz, auf dem wir zum Quell lebendigen Wassers gelangen. Aber nur der wird daraus trinken, der seinen Willen so ganz dem Herrn übergibt, dass dieser ihn gänzlich mit dem seinen in Übereinstimmung bringen kann.“ (aus: Teresa von Avila, „Ich bin ein Weib – und obendrein kein gutes“, ein Porträt der Heiligen in ihren Texten, ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Erika Lorenz, Freiburg, 1982, S.79)
Es geht also darum, dass wir uns Gott fügen und uns ihm hingeben. Wir müssen aufhören, uns selber glücklich machen zu wollen. Und dazu gehört es, dass wir den Mangel, den wir verspüren, zunächst einmal akzeptieren, dass wir unseren inneren Durst aushalten, ohne ihn gleich mit etwas Vergänglichem zu stillen. Es gehört zu unserem Leben, dass wir nie genug haben, dass wir oft nicht richtig klar kommen, dass vieles zerbricht, und dass wir leiden. Wir wollen das immer so schnell wie möglich beenden, aber das ist nicht der richtige Weg. Wir müssen die Brüchigkeit des Lebens ertragen, Ja“ dazu sagen und auf uns nehmen, was Gott von uns will.
Nur dann sind wir offen für das, was Jesus uns gibt. Denn dann können wir innerlich zu ihm gehen, zu ihm rufen und um seine Hilfe bitten. Sie ist sofort da, wenn wir das tun. Wir müssen uns um sonst nichts mehr bemühen, nichts bezahlen und uns noch nicht einmal anstrengen. Es ist nichts weiter nötig, als dass wir ihn anrufen und uns von ihm lieben lassen.
Wenn Leiden über uns kommen, können wir sagen: „Gib mir Kraft, sie zu tragen.“ Sind es Krankheiten, Enttäuschungen oder Verletzungen, können wir beten: „Hier bin ich, Jesus, ich halte das jetzt aus und sehe keinen Grund zur Flucht. Denn du hast dich für uns alle, also auch für mich, Gott hingegeben.“ (vgl. Teresa von Avila, a.a.O., S. 79) Wenn wir so beten, müssen wir nicht darauf warten, dass Jesus in uns einzieht. Es ist bereits wie ein Trinken des Wassers, das er uns gibt. In vollen Zügen fließt seine Kraft und Liebe in uns hinein. In demselben Moment, in dem wir uns ihm hingeben, wird „unser Durst ganz gelöscht“. Und wenn das geschieht, brauchen wir tatsächlich nicht mehr, kein zweites Glas Wasser und kein anderes Ding. Auch von anderen Menschen werden wir unabhängiger, von Erfolg oder Spaß. Denn Jesus erfüllt unser Inneres mit seiner Liebe, so dass sie in uns sprudelt.
Die tiefen Schichten in unserer Seele werden angerührt, wir bekommen Leben und Kraft. Wir können plötzlich lieben, wo wir vorher vielleicht wütend waren. Wir werden gelassen und mit Geduld und Freude erfüllt. Wir sind ganz von selber zufrieden und glücklich, auch im Leid, auch dann, wenn wir das eine oder andere, was die Welt so bietet, vielleicht nicht haben, und sich nicht alle unser Wünsche erfüllen. Denn Jesus stillt unseren Durst ganz. „Wer von dem Wasser trinken wird, das Jesus ihm gibt, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das Jesus ihm geben wird, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“
Amen.

Welche der Geist Gottes treibt

Predigt über Mt. 3, 13- 17: Die Taufe Jesu
11.1.2015, 9.30 Uhr, Lutherkirche Kiel

1. Sonntag nach Epiphanias, mit Einführung neuer Kirchenvorsteher

In dem Gottesdienst wurden drei Kirchenvorsteher, die ihr Amt abgegeben haben, entpflichtet, und drei Personen, die nun  als Kirchenvorsteher bzw. Kirchenvorsteherin beginnen. eingeführt.

 

Matthäus 3, 13- 17

13  Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.
16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, ban dem ich Wohlgefallen habe.

Liebe Gemeinde.
Das Wort „Berufung“ hat mehrere Bedeutungen. So hat unser Kirchengemeinderat gerade drei Menschen dazu „berufen“, in diesem Gremium mitzuarbeiten. Das sieht das Kirchenrecht so vor, wenn andere ausscheiden, bevor Neuwahlen angesetzt sind. In dem Fall ist eine „Berufung“ ein bestimmtes, rechtliches Vorgehen, eine amtliche Ernennung für eine zeitlich begrenzte Aufgabe.
„Berufung“ kann aber auch noch eine tiefere Bedeutung haben und mit einer besonderen Befähigung einhergehen. Dann spürt jemand einen Auftrag in sich und fühlt sich z.B. zur Künstlerin berufen, zum Arzt oder zum Klosterleben. Die „Berufung“ beinhaltet in dem Fall eine Lebensentscheidung und eine Mission.
Bei Jesus war in gewisser Weise beides der Fall: Er wurde von Gott „berufen“, d.h. in seine Aufgabe eingesetzt, aber die war nun nicht nur ein vorübergehender Auftrag, sondern umfasste sein ganzes Leben. Es war gleichzeitig seine Bestimmung. Der Bericht von seiner Taufe macht das deutlich, da ereignete sich die „Berufung“ Jesu, seine Beauftragung und Amtseinführung, und zwar in recht spektakulärer Weise. So wünscht sich das vielleicht mancher, der nicht genau weiß, was seine „Berufung“ ist: Eine Stimme vom Himmel offenbart es ihm.
Jesus war zu dem Täufer Johannes an den Jordan gekom-men, um sich von ihm taufen zu lassen. Doch bevor das ge-schah, kamen die beiden in ein Gespräch miteinander, das ganz aufschlussreich ist: Johannes wunderte sich über den Wunsch Jesu. Er war ihm vorangegangen und hatte ihn angekündigt, aber ihm war immer klar gewesen, dass er der Geringere war, der Wegbereiter, der dem Stärkeren nur die Türen öffnete. Deshalb fragte er erstaunt: „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“ Und das war eine sehr berechtigte Frage. Wir wundern uns darüber wahrscheinlich genauso, und so ganz unkompliziert war die Antwort Jesu auch nicht. Sie lautete: „Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Damit meinte Jesus wohl den Willen Gottes, die rechte Ordnung, das, was Gott vorgesehen hatte. Und dazu gehörte es, dass Jesus auf einer Stufe mit den Menschen stand, dass er mitten unter die Sünder ging und sich von ihnen nicht unterschied. Er ließ sich taufen wie alle anderen, die ihre Sünden bekannt hatten, um die Vergebung Gottes durch die Taufe zu empfangen.
Johannes ließ es dann auch geschehen, er taufte Jesus, und dabei bekannte sich Gott nun zu ihm. Jetzt wurde doch deutlich, dass hier ein besonderer Mensch getauft wurde, denn „der Himmel tat sich auf und der Geist Gottes fuhr in einer Erscheinung auf Jesus herab“. Er sah aus „wie eine Taube und kam über ihn.“ Zu dieser Vision wurde eine Stimme hörbar, die sagte: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Jesus wurde also öffentlich zum Messias ausgerufen. Gott erklärte seine engste Verbindung mit ihm. Die Menschen, die dieses Ereignis mitbekamen, sollten das wissen und anerkennen. Es war eine Proklamation, die bewusst am Beginn der Wirksamkeit Jesu stand. Von nun an handelte und lebte er gemäß dieser Bestimmung. Dabei wird an seiner Taufe deutlich, dass er von Anfang an mitten unter den Menschen lebte, er war einer von ihnen. Er ging gehorsam und demütig seinen Weg und erfüllte den Auftrag, den Gott ihm gegeben hatte.
Und das ist bis heute so: Wir glauben daran, dass Gott in Jesus gegenwärtig ist, dass durch ihn Gott mitten unter uns ist und uns seine Liebe schenkt. Wenn wir Jesus folgen und uns zu ihm bekennen, haben wir Anteil am Reich Gottes. Wir werden ebenfalls zu „seinen Kindern“, wie es im Römerbrief heißt, denn auch uns „treibt der Geist Gottes“. (Römer 8, 14)
Doch was bedeutet das nun für unser Leben? Lassen Sie uns über diese Frage noch einmal nachdenken. Und zwar können wir uns das gut am Amt des Kirchenvorstehers bzw. der Kirchenvorsteherin klar machen. Dabei hilft es, wenn wir dieses Amt einmal mit anderen Betätigungen ähnlicher Art vergleichen.
Es steckt ja Engagement dahinter, wenn ihr dazu bereit seid. Und das trifft auf viele Menschen zu. So kann man sich auch in der Politik engagieren, für Jugendliche oder Flüchtlinge, für die Umwelt, im Stadtteil, in künstlerischen Projekten, bei einer Zeitung und vielem mehr. Wer das tut, folgt seinen Begabungen und Interessen. Oft hat es auch etwas mit der eigenen Geschichte zu tun, mit der Umgebung, in der man lebt. So gibt es in Gaarden jetzt z.B. Menschen, die sich dafür einsetzen, dass das Freibad erhalten bleibt. Ich verstehe das gut und war bei einer Versammlung auch dabei, denn ich schwimme dort selber sehr gern im Sommer und bin betrübt darüber, dass es geschlossen werden soll.
Wer sich in dieser Weise engagiert, kämpft für etwas, er verfolgt Ideen und Ziele, will und macht etwas. Man treibt eine Sache voran und wehrt sich eventuell gegen andere. Und das ist gut so. Wir brauchen solche Initiativen und Gruppen, Bewegungen und Parteien.
Die Arbeit im Kirchenvorstand gehört mit dazu. Da bringen wir uns ebenso an einer Stelle in der Gesellschaft ein und versuchen, etwas voranzutreiben. Es gibt auch eine große Schnittmenge zwischen kirchlichem und gesellschaftlichem Engagement. So vereint viele verantwortungsbewusste Bürger und Bürgerinnen z.Zt. der Einsatz für Flüchtlinge. Der Punkt steht z.B. auf unserer nächsten Tagesordnung, doch damit sind wir nicht allein. Es gibt genauso viele unkirchliche Initiativen, die auf diesem Gebiet aktiv sind. Dabei ziehen alle an einem Strang und vernetzen sich sogar, und das ist gut. Ebenso geht der Einsatz für den Frieden über alle Grenzen hinweg und vereint die Menschen, ganz gleich, welcher Überzeugung oder welchem Glauben sie folgen. Nach den Anschlägen in Paris ist das erst recht so. Es spielt keine Rolle, ob jemand bei der Kirche für Gerechtigkeit kämpft oder in einer Partei oder in einer anderen Religion: Alle wünschen sich, dass so etwas aufhört, und tun, was ihnen möglich ist.
Doch trotz aller Gleichheit gibt es etwas, das uns als Christen von anderen unterscheidet, und das ist der Geist Gottes. Er bewirkt etwas, das so nirgends sonst geschieht. Was das ist, wird am ehesten klar, wenn wir uns die Grenzen vor Augen halten, die jedes politische oder soziale Engagement mit sich führt. Das Verfolgen der eigenen Ziele kann nämlich leicht zu einer gewissen Starrheit im Denken führen, man legt sich auf eine Linie fest und verschließt sich gegenüber anderen Meinungen. Die Gefahr des Fundamentalismus ist nie weit entfernt. Man fängt an, Macht auszuüben und setzt andere unter Druck. Wenn es ganz schlimm kommt, wird man zum Fanatiker.
Natürlich gibt es das alles auch im Christentum, doch wo sich der Glaube so entwickelt hat, ist etwas schief gelaufen. Wenn wirklich der „Geist Gottes uns antreibt“, sind wir davor geschützt. Denn dann folgen wir nicht einer Idee oder einer Überzeugung, wir empfangen vielmehr eine Kraft. Im Mittelpunkt steht kein Programm und kein Projekt, sondern die lebendige Gegenwart Christi. Was wir uns wünschen, ist längst Wirklichkeit, denn die Liebe Gottes ist in dieser Welt, weil Christus mitten unter uns ist. Er ist unsere gemeinsame Mitte. Durch ihn leben wir als „Kinder Gottes“ und hören immer wieder auf seine Stimme. Wir dienen ihm und vertrauen auf seine Gnade. Wir machen nicht etwas, sondern leben in der Nachfolge.
Wer im Reich Gottes mitarbeitet, braucht deshalb auch keine besonderen Gaben. Es reicht, wenn er oder sie Zeit und Bereitschaft einbringt, Offenheit und Zuversicht. Er legt sich nicht auf Inhalte fest, sondern wird durchlässig für die Liebe Gottes. Sie fließt in das Leben hinein, und das ist das Entscheidende. Wer sich Christus zur Verfügung stellt, übt keine Macht über andere aus, er wird vielmehr mitfühlend und geduldig, friedfertig und fröhlich. Erst daraus ergibt sich alles Weitere.
Wenn ihr im Kirchengemeinderat mitarbeitet, heißen wir euch deshalb auch nicht nur herzlich Willkommen und bitten euch um eure Emailadresse, wie z.B. bei der Initiative für das Frei-bad, sondern wir feiern einen „Gottesdienst zur Einführung und Entpflichtung“. Anfang und Ende stehen unter dem Segen Gottes. Wir begleiten euch mit Gebet und sprechen euch den Geist Gottes zu.
Und das tun wir auch nicht nur heute für euch sechs. So rufen wir uns immer wieder alle in Erinnerung, was uns erfüllt, wovon und wofür wir leben. Unsere Bestimmung ist es, den Geist Gottes zu empfangen und „Kinder Gottes“ zu sein. Dazu sind wir alle berufen, die wir an Christus glauben, ob wir im Kirchengemeinderat mitarbeiten oder nicht. Unsere Lebensentscheidung besteht darin, auf Christus zu vertrauen, und unser Auftrag ist die Liebe.
Amen.

Ein Gnadenjahr

Gottesdienst zum Jahresanfang, 1.1.2015, 19 Uhr
Jakobikirche Kiel

Neujahr, Predigt über Lukas 4, 16- 21: Jesu Predigt in Nazareth

Lukas 4, 16- 21

16 Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.
17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1-2):
18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,
19 zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«
20 Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich.
Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn.
21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Liebe Gemeinde.
Bestimmte Dinge machen wir gerne für ein Jahr: So gibt es z.B. das „freiwillige soziale Jahr“ für Jugendliche oder junge Erwachsene, die der Gesellschaft einen freiwilligen Dienst erweisen wollen. Im Bereich der Evangelischen Kirche wird es auch als „Diakonisches Jahr“ bezeichnet. Des Weiteren haben Menschen im Beruf die Möglichkeit, ein „Sabbatjahr“ einzulegen, das ist dann eine Auszeit. Man kann auch ein „Studienjahr“ absolvieren oder ein „Lehrjahr“. Dann gibt es Leute, die reisen in einem Jahr um die Welt, sie machen also ein „Reisejahr“. Und so können wir fortfahren. Wie wäre es z.B. mal mit einem „Familienjahr“, in dem wir der Familie besondere Aufmerksamkeit schenken, oder einem „Sportjahr“, in dem wir uns um unsere Fitness kümmern? Im Rückblick erkennen wir manchmal, dass ein „Freudenjahr“ oder auch ein „Trauerjahr“ hinter uns liegt.
Und dieses Denken gab es auch schon zu biblischen Zeiten. So erwähnt Jesus in seiner Rede in der Synagoge von Nazareth, seinem Heimatort, ein „Gnadenjahr“. Lassen Sie uns darüber einmal nachdenken: Was meint er damit? Und lohnt es sich vielleicht, das einmal einzulegen? Was würde das mit sich führen? Lassen Sie uns diesen Fragen nachgehen.
Jesus hat das Wort nicht erfunden, es stand vielmehr in der Heiligen Schrift bei dem Propheten Jesaja. Aus dessen Buch las Jesus einen Abschnitt vor, der eine frohe Botschaft enthält: „Die Gefangenen werden entlassen, die Blinden werden sehen und die Zerbrochenen befreit.“ (Jesaja 42,3)
Der Prophet bezieht sich mit dieser Verheißung auf ein Gesetz aus dem Buch Mose, nach dem es alle fünfzig Jahre ein sogenanntes Erlassjahr geben soll. Es lautet: „Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlassjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seiner Sippe kommen.“ (3. Mose 25, 10)
Dieses Gesetz und auch das Prophetenwort kannten die Zuhörer Jesu sicher. Neu war für sie allerdings seine kurze Auslegung, die dann folgte: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“ Was sie gehört haben, geht mit ihm in Erfüllung, und zwar „heute“, d.h. im Augenblick des Hörens, als Zuspruch. Jesus ist der von den Propheten Verheißene, das war seine Botschaft. Seine Zuhörer mussten sich also entscheiden, ob sie ihn annehmen oder verwerfen wollten. Und dabei ging es um Heil oder Unheil
Und das haben die Menschen in Nazareth getan, sie haben sich festgelegt, allerdings anders, als Jesus sich das gewünscht hat: Sie lehnten diese Erklärung ab. Dafür kannten sie ihn zu gut, er war ja einer von ihnen gewesen. Ihr Zorn entbrannte vielmehr, denn sie hielten seine Aussagen für eine maßlose Selbstüberschätzung. Wütend und aufgebracht jagten sie ihn am Ende des Gottesdienstes aus der Stadt. Sie wollten ihn sogar einen Abhang hinunterstürzen, doch dazu kam es nicht. Wie durch ein Wunder ging er „mitten durch sie hinweg“ , wie es im Evangelium heißt (v.30). Er war gerettet. Genützt hat sein Auftritt in Nazareth allerdings nichts, denn die Menschen dort haben sich ihm gegenüber vollständig verweigert.
Und damit steht die Frage im Raum, was wir denn tun. Wie reagieren wir auf seine Worte? Sicher nicht so krass, wie die Nazarener, aber ganz einfach ist seine Aussage auch für uns nicht. Möglicherweise lehnen wir die Gnade grundsätzlich ab. Wir wollen gar kein „Erlass- oder Gnadenjahr“, denn mit „Gnade“ verbinden wir nicht nur positive Gedanken und Gefühle. Derjenige, der die Gnade verteilt, ist ja immer höher gestellt; wer sie empfängt, ist dagegen klein und abhängig. Er ist der Willkür eines Mächtigeren ausgesetzt und weiß nie, ob der die Gnade nicht auch wieder zurücknimmt. Das schwingt z.B. in der Anrede „gnädiger Herr“ oder „gnädige Frau“ mit. Außerdem ist der Begnadete passiv, er bringt nichts selber ein. Es ist vollkommen uninteressant, was er kann oder leistet, seine Qualitäten spielen keine Rolle, und die Entscheidung über sein Schicksal fällt jemand anders.
Deshalb wollen viele Menschen gar keine Gnade oder Erlass. Sie richtet sich gegen ihre Autonomie und Selbstbestimmtheit. Sie vertrauen lieber auf ihre eigenen Möglichkeiten und wollen das Leben selber gestalten. Und zu denen gehören wir auch meistens. Die persönlichen Fähigkeiten, Kraft und Kreativität, all das zählt bei uns mehr. Damit bauen wir unser Leben auf. Und wir finden es auch gerecht, wenn jemand für seine Vergehen bestraft und möglicher Weise eingesperrt wird. Warum soll er früher frei kommen, als er es verdient hat? Dieses Denken bestimmt unsere Lebensführung und unsere Gesellschaft.
Solange alles gut verläuft, ist das auch angebracht. Natürlich müssen wir unser Leben aktiv gestalten, Entscheidungen treffen und Ziele verfolgen. Daher kommen auch die verschiedenen „Jahresprogramme“, die ich vorhin aufgezählt habe. Sie ergeben sich aus unseren Ideen und Wünschen, aus unseren Fähigkeiten und Zielen. Und ob wir sie umsetzen, hängt zum großen Teil von uns selber ab. Ein „Gnadenjahr“ brauchen wir tatsächlich nicht, das ist unsere Behauptung.
Aber stimmt das wirklich? So ganz einfach ist unser Leben ja nicht. Lassen Sie uns einmal etwas genauer nachhaken, was bei unserer Autonomie eigentlich herauskommt. Und dabei hilft es uns, wenn wir die schlechten Zustände, die Jesus aufzählt, weiter fassen und im übertragenen Sinn verstehen. Er erwähnt Armut und Gefangenschaft, Blindheit und Gebrochenheit. Und das kennen wir bildlich gesehen alle.
So sind wir vielleicht nicht unbedingt materiell arm, aber es gibt ja auch eine Armut an Freude oder Liebe. Unser Leben ist dann irgendwie leer, wir sehnen uns nach mehr Mitmenschlichkeit und Zuwendung, fühlen uns einsam und verlassen.
Und „gefangen“ sind wir auch alle, in Beziehungen und Abhängigkeiten. Andere Menschen machen oft mit uns, was sie wollen. Wir können uns nicht lösen, leiden unter den Bedingungen, unter denen wir leben, und kommen nicht weiter. Wir handeln immer nach denselben Mustern, nichts ändert sich.
Genauso können wir „Blindheit“ im weiteren Sinne verstehen. Dann bedeutet sie, dass wir den Weg nicht mehr erkennen. Wir verstehen nicht, warum etwas geschieht. Das Leben verfinstert sich, wir sind von Dunkelheit umgeben.
Und unter dem „Zerbrechen“ verstand sicher auch schon der Prophet alles, was im Leben schief läuft: Wir sind nicht mit allem erfolgreich, was wir uns vornehmen. Wir sind nicht immer gesund und fröhlich. Vieles zerbricht und zerrinnt im Laufe der Zeit. Wir liegen immer wieder am Boden und leiden.
Wenn wir unseren Text so verstehen, klingt er plötzlich ganz anders, und die Verheißung eines „Gnadenjahres“ gewinnt auch für uns eine Bedeutung. Es ist dann das Jahr, das ich bewusst nicht selbst gestalte. Es wird mir vielmehr geschenkt. Ich verzichte einmal auf meine Autonomie und lass mir etwas gefallen. Nicht Ziele oder Inhalte stehen im Vordergrund, sondern das Vertrauen und die Offenheit. Ich gebe mich hin und glaube.
Denn dafür gibt es einen Grund, und der heißt Jesus Christus. Er ist da und möchte, dass ich mich für ihn entscheide, dass ich seine Liebe annehme und mich von ihm führen lasse. Ich muss gar nicht alles hinkriegen, und immer stark und leistungsfähig sein. In einem „Gnadenjahr“ hat auch mein Versagen Raum, meine Schwachheit und mein Leid, meine Einsamkeit und Trauer. Alles, was zu meinem Leben dazugehört, darf vorkommen, ich darf sein, wer ich wirklich bin. Denn so werde ich geliebt und gesehen.
Und das wirkt sich positiv und heilend aus. Ich werde reich beschenkt. Freude und Liebe ziehen in mein Leben ein, es wird erfüllt und schön. Mitmenschlichkeit entsteht, und ich bin nicht mehr einsam. Ein Gnadenjahr ist immer auch ein „Freudenjahr“.
Und es ist ein „Freiheitsjahr“, denn ich werde durch die Gnade innerlich befreit. Viele Abhängigkeiten entstehen ja nur, weil ich zu viel von den anderen Menschen erwarte, und möchte, dass sie so sind, wie ich mir das vorstelle. Das kann ich loslassen und mich entspannen. Ich leide nicht mehr unter den Umständen, in denen ich lebe, und komme weiter. Alte Muster verschwinden, und vieles ändert sich.
Und genauso sehe ich klarer und deutlicher meinen Weg. Er öffnet sich vor mir. Ich verstehe, was in meinem Leben geschieht. Ein Licht leuchtet auf und es wird hell.
Und schließlich werde ich innerlich aufgebaut, ganz gleich, wie erfolgreich ich mit dem bin, was ich mir vorgenommen habe. Es ist nicht mehr entscheidend. Ich kann auch dann fröhlich bleiben, wenn mal etwas schief läuft, oder wenn eine Krankheit kommt. Ich werde immer wieder erlöst und neu belebt, und kann meinen Weg weiter gehen
All das beinhaltet das „Gnadenjahr“, und das ist doch eine wunderbare Perspektive. Es lohnt sich, es einmal einzulegen. Allerdings können wir uns das nun nicht vornehmen, wie ein „freiwilliges soziales Jahr“ oder ein „Sabbatjahr“. Doch das schlägt Jesus uns auch nicht vor. Er verheißt es uns vielmehr, er schenkt es uns und er ist derjenige, der es dann gestaltet. Wir lassen uns einfach nur gefallen, was er für uns tut.
Eigentlich brauchen wir den Beginn eines neuen Jahres oder das Rechnen in diesem Zeitraum für so eine Verheißung nicht, denn sie ist nicht an die Zeit gebunden und gilt in jedem Augenblick. Natürlich reicht sie auch weit über ein Jahr hinaus. Sie vergeht nicht und dauert bis in Ewigkeit. Aber Zeit und Raum sind nun einmal fest in unserem Lebensgefühl verankert. Damit arbeiten wir, wenn wir an unser Leben und unsere Möglichkeiten denken. So begehen wir z.B. den Jahreswechsel bewusst und fangen am Neujahrstag gerne neu an
Und das wusste wohl auch Jesus, deshalb greift er dieses Denken auf. Doch gleichzeitig sprengt er das zeitliche Lebensgefühl, denn in einem „Gnadenjahr“ stellen wir unser Leben auf eine ganz andere Grundlage. Unser Geist öffnet sich für die zeitlose Wirklichkeit. Wir treten ein in die Gegenwart und Gnade Christi und lassen seine Liebe walten. Andere mögliche Jahresinhalte werden dadurch zur Seite geschoben, und das ist gut. Denn etwas Besseres als ein „Gnadenjahr“ kann es gar nicht geben. Es lohnt sich mehr als alles andere, wenn unser Leben heil und erfüllt sein soll.
Amen.