Jesus zeigt uns den Weg

PREDIGT über Lukas 5, 1- 11: Die Berufung der ersten Jünger
Zum 5. Sonntag nach Trinitatis, Donnerstag, 9.7.2025, Altenzentrum St. Nicolai, Kiel

Lukas 5, 1- 11

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth
2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde.

Die Geschichte, die wir eben gehört haben, handelt von Jesus und den Fischern Simon, Jakobus und Johannes. Sie trafen sich am See Genezareth. Dort hatte Jesus gepredigt, mit Vollmacht und einer großen Ausstrahlungskraft. Er fand mit seiner Botschaft viele interessierte Zuhörer. Sie drängten sich um ihn, so dass es sogar zu eng für ihn wurde. Deshalb stieg Jesus in eins der Boote, das hinter ihm auf dem See lag. Die Fischer waren ausgestiegen, um die Netze zu waschen. Jesus bat sie nun aber, das Boot einige Meter auf den See hinauszufahren, weil er so die beste Akustik hatte. Die Menge nahm am Ufer im Halbkreis Platz.

„Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ So geht die Geschichte weiter. Die Menschenmenge verschwindet aus dem Blickfeld, und wir erfahren, was im Boot geschieht: Es ergeht ein Befehl an den Besitzer, der Simon heißt, die Netze noch einmal auszuwerfen, und der gehorcht aufs Wort. Das ist erstaunlich, denn eigentlich ist die Aufforderung unsinnig. Die Fischer sind die ganze Nacht unterwegs gewesen um etwas zu fangen, weil das dafür die günstigste Zeit ist. Nun ist bereits morgen, und sie waren erfolglos geblieben. Aber „auf sein Wort“ wirft Simon die Netze noch einmal aus, und dann fangen sie so viele Fische, dass die Netze zu reißen beginnen. Ein Wunder geschieht, und das überwältigt Simon. Er begreift, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist, sondern göttliche Eigenschaften hat. Er ist offensichtlich Herr über die Naturereignisse. Simon kniet deshalb vor ihm nieder, ist voller Ehrfurcht und empfindet sich selber als „sündigen Menschen“. Doch Jesus beruhigt ihn und gibt ihm und seinen Gefährten einen neuen Auftrag: Sie sollen Missionare werden und Menschen für Jesus und das Reich Gottes gewinnen. Wieder gehorchen sie ihm. Sie werden zu seinen engsten Vertrauten, folgen ihm nach und werden später zu Aposteln.

Sie kennen die Geschichte sicher alle. Trotzdem ist sie immer wieder faszinierend, denn was hier geschieht, ist ungewöhnlich. Die Fischer gehen ohne Bedenken und ohne Zögern mit Jesus.

Und das ereignet sich bis heute: Viele hören auf sein Wort und bekehren sich zu ihm. Sie merken z.B. bei einer Predigt, beim Lesen der Bibel oder in einem Gespräch, dass Jesu von Gott kommt und uns zum Leben führt. Sein Weg weist weit über diese Welt hinaus und öffnet uns die Ewigkeit. In einem Lied in unserem Gesangbuch ist das so formuliert: „Der zeigt dir einen andern Weg, als du vorher erkannt, den stillen Ruh- und Friedenssteg zum ewgen Vaterland.“ So hat Michael Müller 1700 gedichtet. (EG 73,10)

Auch wir beherzigen das und sind deshalb Christen und Christinnen. Die Frage ist allerdings, bleibt dieses Ziel interessant? Im Laufe der Zeit verblasst das „ewige Vaterland“ möglicherweise. Wir glauben zwar an Jesus, aber innerweltliche Ziele sind faszinierender. Und davon gibt es etliche, die auch alle ganz unterschiedlich sind. Die Möglichkeiten, unserem Leben einen Inhalt zu geben, sich selber zu verwirklichen und etwas zu erreichen, sind vielfältig. Das ist das Verlockende daran. Aber es hat auch eine Schattenseite, denn die Fülle dieser Inhalte ist manchmal unüberschaubar. Man kann sich leicht verirren. Einige Menschen wissen vielleicht ihr Leben lang genau, was sie wollen, aber viele geraten zwischendurch auf Irrwege und wissen dann nicht mehr richtig, wo es lang geht.

So kann z.B. eine Krankheit alles durcheinanderbringen, der Tod eines nahen Angehörigen oder einfach das Älterwerden. Wir fragen uns, wie wir das alles bewältigen können, und suchen nach einem Weg, der uns da herausführt. Alleine finden wir ihn oft nicht. Doch genau dann kann der Glauben uns wieder helfen, denn Jesus zeigt uns den Weg, und es ist gut, wenn wir ihm folgen. In drei Schritten können wir das tun

Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass alle unsere selbstgewählten Ziele letzten Endes vergänglich und dem Wechsel unterworfen sind. Diese Erkenntnis kommt auch in unserer Geschichte vor. Sie steckt hinter dem Ausruf von Simon: „Ich bin ein sündiger Mensch“. D.h. er erkennt seine Grenzen, seine Schwäche und seine Anfälligkeit für Irrtümer. Und das müssen auch wir tun. Es ist gut, wenn wir zugeben, dass es die Welt nicht ausreicht, und wir oft nicht wissen, wie es weitergeht. Wir verlieren uns in der Vielfalt der Angebote und Verlockungen und geraten in eine Sackgasse.

In diese Situation hinein erfolgt dann der zweite Schritt. Er besteht darin, dass wir auf Jesus hören und uns von seinem Ziel anstecken lassen. Er ist mitten unter uns und steigt zu uns ins Boot. Das kann ein Bild für unser Leben sein. Jesus betritt es, denn er kennt uns und will uns begegnen. Und seine Botschaft lautet: Die Welt und das Leben erschöpfen sich nicht im Diesseits. Es gibt nicht nur unsre Wünsche und Sorgen, sondern das Reich Gottes ist da. Mit Jesus kommt Gott zu uns und er schenkt uns das, was wir am meisten brauchen, nämlich sich selber und sein ewiges Reich.

Es gibt ein weiteres Lied, das diese Geschichte beinhaltet. Jürgen Henkys hat es 1977 geschrieben. In der letzten Strophe ist sehr schön formuliert, was Jesus uns schenkt und was bei ihm anders ist. Sie lautet: „Der durch die Welt geht und die Zeit, ruft nicht, wie man beim Jahrmarkt schreit. Er spricht das Herz an, heute, und sammelt seine Leute. Und blieben wir auch lieber stehn – zu wem denn sollen wir sonst gehn? Er will uns alles geben, die Wahrheit und das Leben.“ (EG 313,3)

Auch wir sollten deshalb vor Jesus niederfallen, uns für ihn öffnen und auf seine Stimme hören. Das ist der dritte Schritt, dass wir uns für Jesus entscheiden und ihm vertrauen. Er lädt uns, ihm zu folgen, d.h. ihn in die Mitte treten lassen und für ihn zu leben. Jesus fordert ein klares Bekenntnis von uns. Und das heißt, dass auch wir loslassen, was uns bindet, damit er unser Herz erreichen kann. Dann relativiert sich alles andre ganz von selber und erscheint in einem neuen Licht. Wir erkennen, was wirklich zählt. Die Probleme werden kleiner und verlieren ihre Macht. Das Leid wird gemildert, und selbst der Tod macht uns keine Angst mehr.

Jesus hält uns das ewige Ziel vor Augen. Sein Ruf ist ein rettender Ruf, und es ist ein erlösender Schritt, darauf zu hören. Jesus führt uns aus dem Leid in eine ganz große Freiheit. Das Leben verändert sich, denn unser Ziel ist nun die ewige Heimat. Die Stimme Jesu weist uns darauf hin und heilt uns von innen her. Wir werden ruhiger und gelassener, Angst und Unsicherheit, Einsamkeit und Dunkelheit verschwinden und wir gewinnen einen festen Halt. Die Unruhe weicht und wir werden mit Freude erfüllt. Ganz unabhängig von unserer äußeren Situation werden wir zuversichtlich, sicher und frei. Amen.