Das Wort vom Kreuz

Predigt über 1. Korinther 1, 18- 25: Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Gott

5. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juni 2016, 11 Uhr
Jakobikirche Kiel

Der Gottesdienst fand mit und für die Evangelische Jugend Kiel-Mitte statt, d.h. die Lieder, die Übersetzung der Bibeltexte, Gebete und auch die Predigt waren auf jüngere Menschen ausgerichtet.

1. Korinther 1, 18- 25

18 Die Botschaft vom Kreuz erscheint denen, die verloren gehen, als eine Dummheit. Aber wir, die gerettet werden, erfahren sie als Kraft Gottes.
19 Denn in der Heiligen Schrift steht: »Ich will die Weisheit der Weisen auslöschen und von der Klugheit der Klugen nichts mehr übrig lassen.«
20 Wo sind jetzt die Weisen? Wo die Schriftgelehrten? Wo die wortgewaltigen Redner unserer Zeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt als Dummheit entlarvt?
21 Obwohl sich die Weisheit Gottes in dieser Welt zeigt, hat die Welt mithilfe ihrer eigenen Weisheit Gott nicht erkannt. Deshalb hat Gott beschlossen, mithilfe einer Verkündigung, die als Dummheit erscheint, alle Glaubenden zu retten.
22 Die Juden wollen Zeichen sehen. Die Griechen streben nach Weisheit.
23 Wir dagegen verkünden Christus als Gekreuzigten: Das erregt bei den Juden Anstoß und für die Heiden ist es reine Dummheit.
24 Doch für alle, die Gott berufen hat – ob es Juden sind oder Griechen –, ist Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
25 Denn was an Gott als dumm erscheint, ist weiser als die Menschen. Und was an Gott schwach erscheint, ist stärker als die Menschen.

(Basisbibel)

Liebe Gemeinde.
Wir müssen ständig Entscheidungen treffen, große und kleine, wichtige und unwichtige. An den Wendepunkten unseres Lebensweges geht es um viel, wenn wir z.B. einen Beruf und einen Lebenspartner oder eine Lebenspartnerin wählen. Aber auch im Alltag gibt es dauernd mehrere Möglichkeiten: Was wir essen, was wir kaufen, wo wir Urlaub machen, wie fleißig wir sind, mit wem wir uns verabreden usw., all das müssen wir uns fragen. Und um die richtige Entscheidung zu treffen, müssen wir „unterscheiden“ – nicht umsonst ist dieses Wort eng mit dem Wort „entscheiden“ verwandt – und uns eventuell von etwas „verabschieden“, auch das steckt in dem Wort. Und das ist nicht so leicht. Wie gehen wir also vor? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
Die einen benutzen ihren Verstand und ihre Klugheit. Sie lesen Bücher, denken nach und beraten sich mit anderen. Das ist der schwere und gründliche Weg. Oft machen wir es uns aber auch leichter und tun das, was alle anderen auch machen. Wir folgen den Traditionen und guten Sitten, den Gesetzen und Gewohnheiten. Und am einfachsten machen wir es uns dann, wenn wir der Lust und unseren Gefühlen nachgeben und spontan das tun, was uns gerade gefällt.
Zwei von diesen Möglichkeiten kommen auch in unserer Epistel von heute vor, denn Paulus nennt hier zwei Menschengruppen, die Griechen und die Juden. Die Griechen sind für ihn ein Beispiel für die, die aus Weisheit und Klugheit heraus handeln. Die Juden vertreten diejenigen, die sich an Gebote und Traditionen halten. Beide wissen, wie sie leben wollen, was sie glauben und wonach sie sich richten. Paulus kann das gut nachvollziehen, denn er kennt beide Wege aus eigener Erfahrung.
Allerdings hat er sich sowohl von der griechischen Lebensweise als auch von der jüdischen verbschiedet. Er beschreibt hier, dass er sich jetzt von keinem dieser Denkmodelle mehr leiten lässt, sondern einen neuen Weg beschritten hat. Er hat sich für Jesus Christus entschieden, und dafür hatte er ganz andere Gründe. Diese Entscheidung war unüblich, und zwar so, dass die Griechen sie für dumm und töricht hielten und die Juden für ärgerlich und anstößig. Sie entsprach keinem der bekannten Verhaltensmuster, denn dahinter stand weder eine kluge Lehre noch eine Tradition oder eine Gewohnheit. Sie hatte auch nichts mit Spaß und Lust zu tun.
Im Gegenteil: Paulus folgte dem Gekreuzigten! Auch seine Predigt war die Botschaft vom Kreuz, und das fiel auf und erregte Anstoß. Die Juden fanden das schrecklich und armselig. Denn sie glaubten an die Macht und Größe Gottes. Sie stellten sich einen herrlichen Gott vor, der schön und gewaltig ist, der die Welt fest und sicher in der Hand hält und irgendwann alle Feinde besiegt. Darauf vertrauten die Juden, und dem entsprach der gekreuzigte Jesus in ihren Augen ganz und gar nicht.
Und so ähnlich ging es auch den Griechen. Sie setzten alles auf die Weisheit, schulten ihre Urteilskraft und ihre Einsicht. Sie strebten nach Erkenntnis und Klugheit und versuchten, damit die Welt zu verstehen und die Wahrheit zu erfahren. Deshalb war die Botschaft vom Kreuz für sie nichts anderes als eine große Torheit, ein albernes und unvernünftiges Gerede. Sie hielten die Christen für dumm oder sogar verrückt.
Beide Gruppen konnten mit dem Kreuz Jesu nichts anfangen, denn es stand im krassen Gegensatz zu dem, woran sie glaubten und worauf sie setzten.
Und so geht es bis heute vielen Menschen. Sie möchten sich das Sterben Jesu nicht vorstellen, denn sein ausgezehrter und hässlicher Körper stößt sie ab. Sie können nicht verstehen, warum gerade die Hinrichtung Jesu so wichtig für uns ist und wir ausgerechnet dieses Bild in vielen Kirchen aufhängen. Und auch wenn wir nur das Symbol des Kreuzes ohne den Körper Jesu betonen, lehnen sie das ab.
Möglicher weise geht es euch und Ihnen auch so: Was soll das? Warum ist das Kreuz so zentral für unseren Glauben? Und wie kann es sein, dass Menschen darin Trost finden und Jesus nachfolgen?
In unserer Epistel von heute gibt Paulus darauf eine Antwort, indem er sagt: Jesus nachzufolgen, ist zwar ein ungewöhnlicher Weg, aber wer ihn geht, findet dabei etwas ganz Neues, etwas, das man sonst nirgends findet. Man kann das nicht mit dem Verstand nachvollziehen, und es wird auch niemandem vorgeschrieben, aber das alles zählt bei Jesus auch nicht, und das ist bemerkenswert und wohltuend:
Man muss weder klug noch gut sein. Jesus schreibt uns keine Gebote oder Verhaltensregeln vor. Er liebt uns, so wie wir sind. Er lässt uns nie allein und schenkt uns das, was wir alle suchen umsonst, ohne dass wir darüber nachgrübeln oder uns anstrengen müssen: Rettung und Heil, Erkenntnis und Wahrheit. Wir müssen uns nur für ihn entscheiden, auf seine Stimme hören und ihr folgen. Und da führen uns nicht unsere Klugheit hin, auch kein Gebot und keine Lust, sondern allein das Vertrauen und die Liebe.
Lasst uns also fragen, wie wir Jesus finden und an ihn glauben können. Wie und wo hören wir seine Stimme? Vielleicht folgen wir ihr auch deshalb nicht, weil sie oft so leise ist. Die anderen Stimmen sind lauter und überzeugender.
Deshalb ist es wichtig, dass wir als erstes selber leise werden und in uns hineinhorchen. Jesus spricht nämlich in unserem Inneren zu uns. Das merken wir, wenn wir zu ihm beten, ihn loben und ihm danken. Dann wird er in uns lebendig.
Es ist deshalb wichtig, dass wir das immer wieder tun: In uns gehen, uns nicht ablenken lassen, unbeirrt und wachsam bleiben. Um die Stimme Jesu zu hören und ihr zu folgen, müssen wir mit allem anderen vorübergehend aufhören. Diejenigen, die am liebsten nachdenken, müssen einmal eine Denkpause einlegen. Anstatt nach ihren Gedanken zu handeln, müssten sie sie vorbeiziehen lassen. Sie dürfen ihren Kopf ausruhen. Die anderen, die am liebsten den Traditionen und Gewohnheiten folgen, sollten alles, was sie wichtig finden, einmal hinterfragen und sich für neues öffnen. Sie müssen sich bewegen und etwas wagen. Und für den Fall, dass wir am liebsten unserer Lust folgen, gilt es, das einmal zu kontrollieren und sich in Selbstdisziplin und Zurückhaltung zu üben
Das ist alles natürlich nicht ganz einfach, denn wir handeln so, wie wir es sonst tun, damit es uns gut geht. Egal, wodurch unsere Entscheidungen zu Stande kommen, wir wollen damit das Leid vermeiden, glücklich und gesund sein. Wir suchen Geborgenheit und Sicherheit. Deshalb denken wir nach, folgen dem allgemeinen Trend oder tun, was Spaß macht. Wenn wir diese Verhaltensweisen ändern oder lassen, haben wir zunächst das Gefühl, jetzt geht gar nichts mehr. Vielleicht haben wir auch Angst davor, denn wir sehen das Ergebnis nicht.
Doch das ist tatsächlich nur ein Gefühl. Und wir sollten ehrlich sein: Es gelingt doch sowieso lange nicht immer, dass wir das Glück finden und ein gutes Leben haben. Im Gegenteil, oft werden wir in die Irre geführt. Auch wenn wir noch so klug sind, wir erkennen nie die ganze Wahrheit. Ein Gelehrter weiß noch lange nicht alles über das Leben. Gewohnheiten machen uns unbeweglich und Gesetze starr. Und die Gefühle täuschen uns am ehesten. Es ist auch egoistisch, wenn wir die Lust zu sehr betonen. Letzten Endes macht sie uns einsam, wir bleiben in uns selbst gefangen. Oft verlieren wir also mehr, als wir gewinnen, wir müssen das nur zugeben und klar sehen. Dann sind wir schon viel bereiter, einmal all das loszulassen und stattdessen auf Jesus zu vertrauen.
Wir müssen davor keine Angst haben, auch wenn der Ausgang zunächst ungewiss ist. Denn er enttäuscht uns nicht. Er verspricht uns zwar nicht, dass wir vor dem Leiden verschont werden, und das Leben nur noch schön ist. Aber er hilft uns, auch das Schwere zu tragen. Wenn wir ihm folgen, lernen wir, die Trübsal und die Not in unsrem Leben auszuhalten und sie sogar anzunehmen. Er lehrt uns, zu „unterscheiden“ zwischen dem, was gut und dem was schlecht für uns ist, klarer zu sehen und uns gegebenenfalls auch einmal von etwas zu „verabschieden“, das uns schadet. Durch seine Liebe können wir loslassen, denn Jesus hält uns fest und macht uns stark. An seiner Hand gehen wir sicher, er führt uns den Weg durch das Schwere hindurch, wir müssen ihm nur treu bleiben.
Das ist kein gewöhnlicher Weg, denn normalerweise zählen in unserer Gesellschaft Klugheit und Stärke. Wer etwas leistet, kommt weiter, wer sich anpasst, findet Anerkennung. Wer dagegen schwach oder arm ist, wird schnell an den Rand gedrängt. Wir finden uns ja auch selber schlecht, wenn wir leiden und unser Leben mal nicht glänzt. Aber Jesus will uns genau in diesen Stunden oder Tagen. Dann beachtet er uns mehr, als zu jeder anderen Zeit. Denn er fragt nicht nach unserer Stärke oder Klugheit, sondern nach unserer Schwäche, nach unseren Fehlern und Niederlagen. Er will uns auffangen und mit seiner Gnade und Liebe an uns handeln. Wir müssen ihm das nur zutrauen.
Dann finden wir die Geborgenheit, die wir suchen, alles, wonach wir uns sehnen. Das Leben mit Jesus ist wie eine große Umarmung: Jesus breitet seine Arme aus und nimmt uns an, denn er hat uns unendlich lieb.
Amen.

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