Die neue Schöpfung

Predigt über Sprüche 8, 22- 36: Der Ruf der Weisheit
3. Sonntag nach Ostern, Jubilate, 11.5.2025, 8 Uhr, Gethsemanekloster Riechenberg

Sprüche 8, 22- 36
Die Weisheit ruft:
22 Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.
23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.
24 Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.
25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,
26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.
27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe,
28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,
29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,
30 da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;
31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.
32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!
33 Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!
34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!
35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN.
36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Liebe Gemeinde.

Das Wort „Weisheit“ – auf Hebräisch „Chakamah“ – kommt im Alten Testament oft vor. Es bedeutet „Geschicklichkeit, Wissen und Kenntnis.“ Auch bezeichnet es die Fähigkeit, Situationen beurteilen zu können und die richtigen Mittel für die Lösung eines Problems oder eines Konfliktes zu finden. Der König Salomo besaß z.B. diese Weisheit. Doch sie geht auch noch tiefer: Die Weisheit kann darüber hinaus die Rätsel der Welt lösen. Und zuletzt ist mit dem Wort die Weisheit Gottes gemeint, die die Quelle der menschlichen Weisheit ist. Durch sie wurde die Welt erschaffen und wird von ihr regiert.

Davon handelt der Hymnus, den wir eben gehört haben. Die Weisheit wird dort als eine wesentliche Eigenschaft Gottes gerühmt, die sich in der Schöpfung manifestiert. Sie war sein erstes Werk, und dann hat sie ihm bei der Erschaffung der Welt beigestanden. Wie ein Handwerker oder eine Künstlerin stand sie neben Gott und hat mit spielender Leichtigkeit das Schöpfungswerk dirigiert. Jeden Tag hatte sie ihre Freude daran.

Uralt und göttlich ist somit die Weisheit und sie gilt als erste der Tugenden. Deshalb ist es notwendig, dass die Menschen ihrem Unterricht aufmerksam folgen. Wer das tut, wird reich belohnt: Er empfängt Leben und Gottes Wohlgefallen. Wer sie dagegen verschmäht, schadet sich selbst und verliert sich in den Tod.

Auffällig ist, dass die Weisheit wie eine Person dargestellt wird, die hier sogar selber spricht. Das hat die Christen schon sehr früh dazu bewogen, diese und ähnliche Aussagen im Alten Testament auf Jesus Christus zu übertragen. Sie erinnern an den Prolog des Johannesevangeliums, der lautet: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ (Joh.1,1-3) „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (14)

Wir glauben, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, „sein Kind an seiner Seite, das unter seinen Augen spielte auf dem weiten Rund der Erde und an den Menschen seine Freude hatte“. (V.30f) Im Nicänischen Glaubensbekenntnis heißt es dementsprechend: „Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit.“ Damit bekennen wir, dass Jesus Christus nicht nur eine geschichtliche Person ist, sondern „wahrer Gott vom wahren Gott“. Besonders in der österlichen Freudenzeit ist das unser Thema: Wir feiern die Auferstehung, die Schöpfung und das ewige Leben.

Naturwissenschaftlich lässt sich dieser Teil unseres Glaubens nicht erklären. Als moderne Menschen zweifeln wir deshalb oft an solchen Aussagen, sie passen nicht in unser aufgeklärtes Denken. Aber das ist auch nicht der richtige Weg, um uns diesem Geheimnis zu nähern. Ein Hymnus wie der über die Weisheit ist dafür sehr viel besser geeignet. Wenn wir darin den Weg Jesu Christi sehen, beschreibt er, dass die Auferstehung ein uraltes, lebendiges Geschehen ist, das am Anfang da war und immer noch wirkt, ein dauerndes Ereignis in der Welt und in der Natur, das sich in Jesus Christus gezeigt hat und bis heute verkündet wird.

Und das bedeutet für unseren Glauben, dass er nicht eine Ideologie ist, eine Lehre mit verschiedenen Kapiteln und Punkten. Wenn wir an Jesus Christus glauben, schließen wir uns vielmehr an die lebendige Quelle an, aus der alles Leben kommt. Wir haben Teil an der schöpferischen Kraft Gottes und werden mit der ganzen Natur verbunden. Wir werden eins mit der Schöpfung und wissen uns als Teil von ihr.

Es bedeutet auch, dass unser Glauben keine Privatsache ist, etwas, das sich im individuellen Bereich erschöpft und im stillen Kämmerlein gepflegt wird, sondern er öffnet uns für die Welt und unsere Mitmenschen. Er will mit anderen zusammen gefeiert werden und ruft uns in die Verantwortung.

Nicht umsonst endet unser Lied über die Weisheit mit einer Ermahnung zur Nachfolge. In der Übersetzung die „Gute Nachricht“ lauten die Verse: „Deshalb, ihr jungen Leute, hört auf mich! Wie glücklich sind alle, die mir folgen! Schlagt meine Unterweisung nicht in den Wind, hört darauf und werdet klug! Wie glücklich sind alle, die mir zuhören, die jeden Tag vor meinem Haus stehen und an meinem Tor auf mich warten. Alle, die mich finden, finden das Leben und der Herr hat Freude an ihnen.“ (Gute Nachricht, V. 32-35)

Das erinnert ebenfalls an ein Wort Jesu, und zwar an den sogenannten Heilandsruf, der im Matthäusevangelium in Kapitel elf steht. Jesus sagt dort: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11, 28-30) Das ist eine weitere Bibelstelle, die eine Brücke zwischen der alttestamentlichen Weisheit und Jesus Christus bildet. Jesu Ruf gleicht dem der Weisheit. Wir sind eingeladen, ihm zu folgen, damit wir Glück und Ruhe finden. In Jesus ist Gott ganz nah bei uns.

Wenn wir also auf die Weisheit – und das heißt für uns: auf das Evangelium und auf Jesus Christus  – hören, kann Gott uns finden und uns immer wieder erneuern. Wir empfangen das ewige Leben.

Und das ist eine wunderbare Botschaft, denn unser Leben ist oft voller Leid. Wir stecken manchmal in Sackgassen, haben Angst und fühlen uns verloren. Sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Bereich spüren wir häufig unsere Ohnmacht, vielleicht auch Wut und Ärger. Krankheit und Konflikte machen uns das Leben schwer, und am Ende wartet der Tod auf uns.

Doch er ist überwunden, das ist die Botschaft von Ostern. Unsere engen Grenzen sind gesprengt. Durch den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi und an seine schöpferische Macht verwandelt sich alles: Unser Geist wird weit, unsere Seele wird stark. Wir werden von innen her gewärmt und finden eine Heimat. In der Weisheit Gottes, die in Christus für uns zu erkennen ist und zu finden ist, nähern wir uns dem Ursprung und Ziel des Lebens, seinem Sinn.

Wir haben deshalb wirklich einen Grund uns zu freuen. Der heutige Sonntag heißt „Jubilate“, das heißt jubelt, freut euch und seht, wie gewaltig die Werke Gottes sind. Der Tod ist zerbrochen, das Finsterste überwunden.

Lasst uns deshalb der Einladung unseres Liedes folgen und uns auf den Weg der Weisheit begeben. Es lohnt sich, immer wieder auf Jesus Christus zu hören, auf seine Einladung und seine Verheißung. Es gilt, das Evangelium ernst zu nehmen und zwar täglich aufs Neue. Wenn wir uns jeden Morgen vor das „Haus Jesu Christi“ stellen, werden wir heil und empfangen unvergängliche Freude. Dann holt er uns ab, und wir gehen durch die Tür zu einem Leben, in dem der Tod überwunden ist. Wir finden die Seligkeit und den Frieden, nach dem wir uns sehnen, denn Jesus Christus „hat seine Freude an uns“ und erfüllt uns mit seiner Gegenwart.

Amen.

Das Abendmahl

Predigt: über 1. Korinther 11, 23- 26: Vom Abendmahl des Herrn
Gründonnerstag, 17.4.2025, 19 Uhr, Altenzentrum St. Nicolai, Kiel

1. Korinther 11, 23- 26

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth:
23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
24 dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde.

In dem Briefabschnitt aus dem Korintherbrief, den wir eben gehört haben, erklärt Paulus, was ihm beim Abendmahl wichtig ist, und zwar betont er, dass wir uns dabei an die Gegenwart Christi erinnern: Jesus Christus hat uns diese Mahlfeier gestiftet, und sein Geist soll dabei lebendig sein.

Paulus führt deshalb die Überlieferung an, die er vom Herrn empfangen hatte: Das Mahl, das wir feiern, ist vom Herrn selber gestiftet. Dafür zitiert er die Worte Jesu, die in den Evangelien überliefert wurden. Er hat sie an dem Abend vor seiner Hinrichtung gesprochen, „in der Nacht, da er verraten ward“, als er mit den Jüngern sein letztes Mahl einnahm. Von daher empfängt die Mahlfeier im Gottesdienst seine Einmaligkeit und seine Bedeutung, d.h. das Leiden und Sterben Jesu prägen es ganz entscheidend. Es ermöglicht eine Teilhabe an seiner Hingabe. Darauf weisen die Worte hin „für euch gegeben“ und „für euch vergossen“. Das Brot wird zum Leib Christi und der Kelch enthält sein Blut. Er ist gleichzeitig ein Sinnbild des Bundes, den Gott verheißen hat. Bei der Feier wird er vergegenwärtigt. Die Teilnehmenden bekommen das Heil geschenkt und „verkündigen den Tod des Herrn, bis er kommt“.

Das ist das, was Paulus hier hervorhebt, und so ist es auch in die kirchliche Tradition eingeflossen: Es gibt deshalb beim Reichen des Brotes und des Kelches die Spendeworte: „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen.“ Sie erinnern an die Gegenwart Christi und lassen seinen Geist lebendig werden. Sie bezeugen seine Liebe und stiften Gemeinschaft.

Viele Christen haben damit allerdings heutzutage Probleme. Sie wollen und können sich das nicht vorstellen, dass sie den Leib Christi essen und das Blut Christi trinken. Das hat für sie etwas Abstoßendes und Kannibalisches an sich. Und wie soll das denn auch gehen, dass aus dem Brot und dem Wein Leib und Blut Christi werden? Außerdem ist die Erinnerung an den Tod Jesu für viele zu düster und negativ. Das passt nicht in unser Denken und Lebensgefühl. Die Spendeworte, die daran erinnern, sind deshalb in vielen Gemeinden und Köpfen überholt. Es hat sich eingebürgert, das Brot und den Wein mit den Worten weiterzureichen „nimm und iss vom Brot des Lebens“ und „nimm und trink vom Kelch des Heils.“ Das ist positiver und viel leichter zu verstehen. Und diese Worte liegen auch nahe. Sie stammen zwar nicht aus der biblischen Abendmahlstradition, aber dahinter steht die Aussage Jesu: „Ich bin das Brot des Lebens“. Und das ist ein Wort aus dem Johannesevangelium. (Johannes 6,48) Insofern sind sie durchaus biblisch und legitim und ja auch sehr schön. Sie sind eingängiger und wirken bejahender.

Trotzdem möchte ich einmal fragen, ob damit nicht doch etwas verloren gehen kann. Der Ausdruck „Brot des Lebens“ hat für sich genommen zunächst ja nichts mit Jesus zu tun. Die Bibelstelle aus dem Johannesevangelium muss man kennen und sie muss einem einfallen. Und erst recht verblasst der Zusammenhang mit Christi Leiden und Sterben. Es besteht die Gefahr, dass Christus in den Hintergrund tritt und wir nur noch eine rituelle Mahlzeit feiern mit einem allgemeinen religiösen Charakter. Und das ist schade.

Ich möchte deshalb einmal ein Plädoyer für die Spendeworte „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen“ halten. Drei Dinge sind an diesen Worten wichtig und schön.

Erstens wird mit den Formeln unmissverständlich deutlich, dass beim Abendmahl Christus gegenwärtig ist. Sein Name wird genannt, und darin liegt bereits eine besondere Kraft. Wie jeder Name ist auch der Name Christi ein Teil von ihm. Wenn wir ihn nennen, rechnen wir mit seiner Gegenwart. Wir vergewissern uns damit, dass er da ist, und dass es um etwas Heiliges geht. Nicht unsere Gefühle oder schöne Vorstellungen stehen im Mittelpunkt des Abendmahls, sondern Christus selber. Und wir erinnern uns auch nicht nur an ihn, sondern verlassen uns auf die Wirklichkeit seines Todes und seiner Auferstehung. Sie sind ein Geschehen, etwas Lebendiges und Kraftvolles, und da werden wir hineingezogen. Und es geht sogar noch weiter: Christus zieht gleichzeitig in uns ein, er verbindet sich mit uns und schenkt uns leibhaftig das Heil, das er durch seinen Tod und seine Auferstehung geschaffen hat. Das ist das Erste, was bei den Worten „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut für dich vergossen“ anklingt.

Der zweite Punkt betrifft die Lebenshingabe Jesu Christi, sein Leiden und Sterben, das in diesen Worten vorkommt. Sie sind zwar etwas düster, aber so ist unser Leben auch oft. Es gibt darin viel Leid, kaum jemand kommt unbelastet zum Abendmahl, irgendetwas treibt uns immer um. Es kann Schuld oder Angst sein, Ratlosigkeit oder Trauer. Und das müssen wir nicht ausblenden, es darf alles vorkommen. Die schweren Gefühle, die damit einhergehen, müssen wir nicht abstellen. Im Gegenteil, gerade weil es uns oft nicht gut geht, ist Christus gekommen. Er hat unser Leid mit uns geteilt, wir sind in der Dunkelheit des Lebens nicht allein. Gott selber geht mit uns, er kennt die Tiefen und hat sie nicht gescheut. Und im Abendmahl zeigt er uns das. Da dürfen wir seine Liebe empfangen, die tröstet und stärkt. Sie beschönigt nichts, sondern überwindet das Leid. Christus schenkt uns im Abendmahl eine Kraft, die stärker ist als der Tod und die Dunkelheit. Es ist wie eine Medizin, ein heilbringendes Mittel. Deshalb dürfen wir alles mitbringen, was uns belastet. Wir werden so geliebt, wie wir sind, und sollen neues Leben empfangen.

Und als Drittes fordern die Formeln und die Vorstellung, dass wir Leib und Blut Christi zu uns nehmen, unseren Glauben heraus, und das ist gut und wichtig. Mit der Vernunft oder dem Verstand lässt sich die Umwandlung der Elemente nämlich nicht erklären oder begreifen. Es bleibt ein Geheimnis, wie Christus in ihnen gegenwärtig ist. Dahinter steht kein natürlicher Vorgang, sondern es ist ein Sakrament, d.h. eine Handlung, die die unsichtbare Wirklichkeit Christi vergegenwärtigt. Und damit kommen wir nur in Berührung, wenn wir zu Christus in Beziehung treten, wenn wir auf seine Worte hören, uns ihn vor Augen halten und uns auf ihn einlassen.

Das hat besonders Luther betont. Im Kleinen Katechismus hat er unterstrichen, dass die „Worte neben dem leiblichen Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament sind. Und wer diesen Worten glaubt, der hat, was sie sagen.“ (Fünftes Hauptstück, zum Dritten) Und das heißt, das Abendmahl muss in eine lebendige Glaubenspraxis eingebunden sein. Auch andere religiöse Vollzüge sind wichtig, wie das Vertrauen, das Gebet, Lesen oder Hören des Wortes Gottes, Verkündigung und Gemeinschaft. Das Abendmahl ist ein Teil unserer Frömmigkeit, und nur wenn die lebendig ist, kann es uns etwas bedeuten.

Lassen Sie uns also diese drei Punkte beachten: Dass Christus im Abendmahl gegenwärtig ist, dass er für uns gestorben und auferstanden ist, und dass wir an ihn glauben und ihm nachfolgen.

Dann wirkt das Abendmahl tatsächlich. Es ist keine gewöhnliche Mahlzeit, die wir einnehmen, damit wir satt werden, sondern „schenkt Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit“, wie Luther sagt (s.o., zum Zweiten). Es ist ein Mahl der Liebe Gottes, er tut uns dabei etwas unendlich Gutes. Und alle, die herzutreten, sind in gleicher Weise willkommen, es gibt keine Unterschiede und keine Beurteilungen. So sättigt das Abendmahl unsere Seele, es macht uns froh und zuversichtlich und stiftet in besonderer Weise Gemeinschaft. Lasst es uns deshalb mit Ernst und Dankbarkeit empfangen.

Amen.

Jesus hat das Böse besiegt

Predigt über Matthäus 4, 1- 11: Jesu Versuchung
zum 1. Sonntag der Passionszeit, Invokavit

13.3.2025, 10 Uhr, Altenzentrum St. Nicolai, Kiel

Matthäus 4, 1- 11

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.
2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Liebe Gemeinde.

Die Geschichte von der Versuchung Jesu besteht aus drei Teilen, denn dreimal trat der Versucher an Jesus heran. Das erste Mal forderte er ihn auf, Steine in Brot zu verwandeln, das zweite Mal sollte er von der Zinne des Tempels springen um Gott herauszufordern, und das dritte Mal bot der Teufel Jesus die Weltherrschaft an, wenn er ihn anbeten würde. Doch all diesen Versuchungen hat Jesus widerstanden. Er blieb innerlich stark und fest und hielt sich an den Willen Gottes. So hat er seine Entscheidung jedes Mal mit einem Bibelwort begründet.

Wenn er der ersten Versuchung nachgegeben hätte, hätte er allen Menschen Brot geben können und dadurch viele für sich gewonnen. Doch dann wären sie ihm auch nur der materiellen Vorteile wegen gefolgt, und das wollte er nicht.
Bei der zweiten Versuchung ging es um eine Sensation: Es wäre spektakulär gewesen, wenn die Engel herangeflogen wären, um Jesus bei seinem Sprung vom Tempel aufzufangen. Die Menschen hätten applaudiert und wären begeistert gewesen. Doch auch das wollte Jesus nicht, denn ein Glaube, der durch Sensationen entsteht, ist kein wirklicher Glaube.

Und am interessantesten ist die dritte Versuchung. Was hier geschieht, ist wie eine Zusammenfassung der ganzen Geschichte. Sie findet auf einem sehr hohen Berg statt. Welcher es gewesen sein kann, spielt dabei keine Rolle, es ist wahrscheinlich sowieso eine Phantasie, denn man hatte von dort eine grandiose Aussicht über das ganz umliegende Land, die es so von keinem Berg in Palästina gab. In der Offenbarung (21,10) und in anderen Zukunftsvisionen werden solche phantastischen Gebirge erwähnt, sie liegen am „Ende der großen Erde“, und ein Berg davon überragt alle anderen. Man kann von dort alle Länder der Erde an sich vorbeiziehen sehen. Der Teufel führt Jesus an so einen Ort und ermöglicht ihm damit einen Überblick über alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Er bietet ihm die universale Herrschaft an. Der Preis dafür ist allerdings sehr hoch: Er soll ihn, den Teufel anbeten, d.h. sich von Gott lossagen, vom Glauben abfallen und dem trügerischen Glanz des Teufels folgen.

Doch auch dieser letzten Versuchung widersteht Jesus, und dieses Mal zieht er einen Schlussstrich. Er hat endgültig genug von dem perfiden Spiel des Teufels und fährt ihn scharf an, indem er sagt: „Weiche, Satan!“ Und er führt die Stelle aus der Bibel an: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ So steht es im fünften Buch Mose (6,13). Der Satz gehört zu so einer Art Kommentar zu den zehn Geboten und zum sogenannten „Schma“, dem „Höre Israel“, das lautet: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose 6, 4f) Damit wird der alleinige Gehorsam und die ausschließliche Liebe gegenüber Gott gefordert. Und darum geht es letzten Endes in der ganzen Versuchungsgeschichte.

Weil Jesus das verstanden und beherzigt hat, kommt es schließlich zu einem guten Ausgang, der in zweifacher Weise dargestellt wird: Einmal lässt der Teufel von Jesus ab, das andere Mal treten dienende Engel an ihn heran. Sie sind von Gott gesandt und bringen zum Ausdruck, dass Jesus sich die ganze Zeit seiner Gegenwart gewiss war.

Alle drei Versuchungen sind dabei Beispiele für das, was jedem Menschen widerfahren kann. Ein Grundmuster ist zu erkennen: Es gibt eine Verlockung, die viel verspricht, die den Menschen, der sich eigentlich mit Gott verbunden weiß, aber von ihm abziehen will. Es kann der Materialismus sein, die Sensationslust oder der Machtmissbrauch.

Und gerade diese letzte Versuchung ist besonders gefährlich. Leider beobachten wir heutzutage in erschreckend vielen Ländern, wie Menschen ihr erliegen. Es scheint richtig Schule zu machen, die Herrschaft mit Gewalt an sich zu reißen, und wir sehen auch, dass der Teufel dahinterstecken muss: Immer geht es mit Unterdrückung, Ungerechtigkeit und oft sogar Blutvergießen einher. Krieg und Hass sind die Folgen, Vertreibung und Hunger. Und das macht uns Angst.

Nützt unser Glaube da etwas? Was haben wir denn davon, dass Jesus dem allen widerstanden hat? Eine bessere Welt hat er jedenfalls nicht heraufgeführt.

Trotzdem können wir aus dem, was uns in der Versuchungsgeschichte erzählt wird, Mut schöpfen. Sie steht am Anfang der Wirksamkeit Jesu, und deutet an, dass sein Weg ein ganz anderer war, als man sich das eventuell wünschte. Er führte ihn nicht unmittelbar in die Weltherrschaft, sondern durch das Leiden und Sterben. Es war der Auftrag Jesu, das auf sich zu nehmen, und er hat gehorcht. Er wusste auch, dass das sein Weg sein würde. Dreimal hat er es seinen Jüngern vorausgesagt. Natürlich wollten sie das nicht. In einem dieser Gespräche sagte Petrus voller Entsetzen: „Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!“ (Mt.16,22) Jesus erinnerte das an seine Begegnung mit dem Teufel, und er gebrauchte dieselben Worte, wie schon in unserer Geschichte, um ihn zu vertreiben. „Geh weg von mir, Satan!“ war sein Befehl. Er ärgerte sich über ihn, denn er „meinte nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist“. (V.23)

Der göttlich Plan war der, dass Jesus tief in das Leid und die Not der Menschen eintauchte. Er sollte nicht von oben die Herrschaft antreten, sondern von unten. Er musste selber sterben und „in das Reich des Todes hinabsteigen“, wie es im Glaubensbekenntnis formuliert ist. Doch da ist er nicht geblieben. Er hat die Hölle vielmehr durchschritten, und damit ihre Pforten geöffnet. Gott hat ihn von den Toten auferweckt, das glauben wir. Deshalb ist er bei uns, wenn wir selber ganz unten sind. Gott hat ihn erwählt, um für uns zu streiten, wenn auch wir leiden. Wir müssen ihm nur nachfolgen, zu ihm rufen und seine Kraft wirken lassen. Dann ist die Macht des Todes und des Teufels gebannt. Nicht den selbstgemachten Herrschern gehört am Ende der Sieg, sondern denjenigen, die das Leiden auf sich nehmen, die anderen dienen und in der Liebe bleiben. Sie sind die wahren Überwinder, denn ihnen steht Jesus zur Seite. Mit ihm finden sie ewiges Leben.

Wenn wir zu ihnen gehören, erfahren wir dasselbe wie er, dass nämlich die „Engel“ uns umgeben und uns „dienen“. Das ist ein sehr schönes Bild. Die Engel sind so etwas wie eine Hülle göttlicher Kraft, eine wahrnehmbare Energie, und in die sollen auch wir hineingenommen werden. Je konsequenter unser Gehorsam ist und je deutlicher der Name Jesu in uns zum Klingen kommt, desto undeutlicher wird die Stimme des Teufels. Dann werden auch wir durchlässig für den Dienst der Engel an uns. Aus eigener Kraft kommen wir gegen das Böse nicht an, aber mit den Waffen des Glaubens kann es uns nichts anhaben.

Und das ist auch unsere Aufgabe, dass wir in dieser Weise Jesus nachfolgen und seine Gegenwart bezeugen. Das Reich Gottes hat begonnen, es ist unsichtbar gegenwärtig und wirkt immer dort, wo Menschen sich darauf einlassen. Es kann durch uns hindurchscheinen, dann ist es in dieser Welt erfahrbar, für uns selber und für andere. Es ist deshalb gut, wenn wir gegen den Augenschein an Jesus Christus festhalten und uns nicht beirren lassen. Amen.

Gott spricht auch noch heute

Predigt über Apostelgeschichte 16, 9- 15: Der Ruf nach Makedonien
Sexagesimae, 23.2.2025, 9 Uhr, Gethsemanekloster
Riechenberg

Apostelgeschichte 16, 9- 15

9 Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10 Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
11 Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis
12 und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt.
13 Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen.
14 Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.
15 Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.

Liebe Gemeinde.

Die Geschichte, die wir eben gehört haben, ereignete sich auf der zweiten Missionsreise des Apostels Paulus, die er mit Silas und Timotheus unternahm. Sie besuchten dabei verschiedene Gemeinden in Kleinasien, dem Gebiet der heutigen Türkei. Paulus hatte sie gegründet. Natürlich gab es dabei unvorhergesehene Situationen. Sie mussten ihre Reiseroute öfter ändern. Aber das gehörte für sie dazu, denn sie reisten mit dem Vertrauen, dass Gott sie führen würde. Wenn es also irgendwo nicht weiterging, weil ihnen vielleicht der Zutritt in eine Stadt verwehrt wurde, dann sahen sie darin eine Weisung des Geistes Jesu. Und dafür waren sie immer bereit, damit rechneten sie sogar. Das kommt in unserem Abschnitt besonders schön zum Ausdruck:

Da sah Paulus bei Nacht eine Erscheinung, d.h. er hatte einen Traum oder eine Vision, durch die er einen Auftrag empfing. Und zwar sah er einen Mann aus Mazedonien, der rief: „Komm herüber und hilf uns.“

Dazu muss man wissen, dass Mazedonien bereits zu Europa gehörte, also jenseits des Meeres auf dem nächsten Kontinent lag, auf dem Gebiet des heutigen Griechenlandes. Paulus hielt sich gerade an der Grenze auf und die hätte er wahrscheinlich nicht aus eigenem Antrieb überschritten. Aber genau das sollte er nun tun: Er sollte von Asien nach Europa übersetzen.

Und er gehorchte: Gleich am nächsten Tag fuhren er und seine Freunde mit dem Schiff über das Meer und kamen nach Philippi. Dort blieben sie eine Zeit lang und begannen mit ihrer Missionstätigkeit genauso wie immer: Sie suchten zunächst die Stätte der Juden, an der am Sabbat gebetet und gepredigt wurde. Die lag an einem Fluss, und dort waren ein paar Frauen zusammengekommen. Paulus und Silas setzten sich dazu und redeten mit ihnen über Jesus Christus.

Einer Purpurhändlerin aus Thyatira wurde dabei von dem, was Paulus zu sagen hatte, besonders angerührt. Sie hieß Lydia und „der Herr tat ihr das Herz auf“. D.h. sie wurde zu Christus bekehrt und ließ sich mit ihrer ganzen Familie taufen. Lydia sammelte daraufhin in ihrem Haus die erste Hausgemeinde auf europäischem Boden. Und das hatte Gott gewollt.

Die Geschichte ist also ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Gott zu den Menschen sprach, sie führte und zusammenbrachte. Paulus und Lydia trafen sich, weil beide offen für seine Stimme waren, weil sie hörten und gehorchten. Und die Erzählung will uns einladen, dasselbe zu tun. Denn Gott spricht immer noch zu uns, wir müssen nur hinhören. Dann wird das Evangelium lebendig, das Wort Gottes breitet sich aus, seine Liebe kommt zu den Menschen, sie werden gerettet und froh. Freude und Heil entstehen.

Doch wie geht das nun? Wie spricht Gott heutzutage zu uns? Und was will er von uns? Das müssen wir uns fragen, und dazu gibt es in unserer Geschichte viele Hinweise.

Zunächst einmal erfahren wir, dass Paulus offen und empfangsbereit war. Und das heißt, auch wir müssen auf Empfang schalten. Es kann sein, dass unser Leben dann unbequem wird, dass wir etwas anderes tun sollen, als wir uns vorgestellt haben, und das ist eine Hürde. Sie hält uns normaler Weise davon ab, auf Gott zu hören. Es liegt also nicht an Gott, sondern an uns, wenn wir seine Stimme nicht vernehmen. Wir achten lieber auf die bequemen Stimmen, die uns in den Kram passen. Doch dadurch verpassen wir eventuell die Stimme Gottes. Sie fordert uns heraus, und dafür müssen wir bereit sein. Der erste Schritt zum Hören auf Gott besteht deshalb darin, andere Stimmen in den Hintergrund zu stellen. Unser Leben muss leiser werden, wenn wir Gott hören wollen. Deshalb kommen wir ja auch hierher, dafür ist das Kloster ein guter Ort.

Doch auch in unsrem Alltag gibt es viele „Anrufe“, die von ihm kommen. Oft erkennen wir das erst später. Dann fällt uns ein: Das kann Gott gewesen sein. Er redet z.B. durch ein Bibelwort oder durch eine Predigt mit uns. Oft hören wir Gott aber auch indirekt, durch andere Menschen z.B., die etwas von uns wollen. Vielleicht brauchen sie uns. Oder sie tun uns gut schenken und etwas. Auch das kann von Gott kommen. Ein weiterer Weg, den er wählt, sind unsere eigenen Gedanken. Wir haben plötzlich eine Einsicht, die uns weiterbringt und befreit.

Und auch das, was uns zu schaffen macht, kann eine Botschaft von Gott enthalten, eine Krankheit z.B. oder eine Enttäuschung, ein Verlust oder eine Niederlage. Wir müssen unser Leben dadurch in eine neue Richtung lenken, und es kann sein, dass Gott genau das will.

Und das ist der zweite Hinweis aus unserer Geschichte: Wenn Gott zu uns spricht, dann müssen wir uns meistens in Bewegung setzen, innerlich oder auch äußerlich. Etwas wird anders in unserem Leben, wir überschreiten Grenzen und kommen in unbekannte Gebiete. Konkret kann das in vielerlei Weise geschehen: Neue Aufgaben können auf uns zukommen, die wir wahrnehmen sollen; vielleicht merken wir, dass wir unser Denken und unser Verhalten ändern müssen; oder wir sollen mit Menschen zusammenkommen, die wir noch nicht kennen. Es gibt viele Gebiete, auf denen sich unser Leben eventuell ändert.

Das kann uns natürlich Angst machen. Wir vermeiden so etwas lieber. Aber wir dürfen wissen: Wenn es wirklich Gott ist, der etwas von uns will, dann ist das für uns und andere auf jeden Fall gut. Er will uns nicht zerstören, sondern weiterbringen. Er schenkt uns Leben und Freude, er will uns befreien und Kraft schenken. Er führt uns mit Menschen zusammen, die uns in guter Weise herausfordern, bereichern und inspirieren.

Und damit sind wir bei dem dritten Punkt, auf den unsere Geschichte uns hinweist: Der Hauptinhalt seines Wortes an uns ist die Botschaft von Jesus Christus. Gott will gar nichts Kompliziertes von uns, keine Einzelheiten oder schwierige Entscheidungen, sondern etwas ganz Einfaches, nämlich, dass wir ihn in Jesus Christus erkennen, seine Liebe annehmen und weitersagen. Das Evangelium soll lebendig werden, wir sollen Freude und Heil empfangen.

Lasst uns also unsere „Herzen immer zu ihm hinkehren“. Dann hören wir seine Stimme, erkennen, wo er uns haben will, und empfangen seinen Segen.

Amen.

Die wahre Gottesfurcht

Predigt über Prediger 7, 15- 18: Von der wahren Weisheit

zum 3. Sonntag vor der Passionszeit, Septuagesimae, 15.2.2019, 18 Uhr, Lutherkirche Kiel

Liebe Gemeinde.

Kaum ein Abendlied ist so bekannt und beliebt wie „Der Mond ist aufgegangen.“ (EG 482) Der Hamburger Theologe und Redakteur Matthias Claudius hat es 1779 gedichtet. Die meisten Menschen mögen es wahrscheinlich, weil es mit der romantischen Beschreibung einer Abendstimmung beginnt: Der Mond scheint und wirft sein besonderes Licht über die Natur. Alles legt sich zur Ruhe, der Nebel steigt aus den Wiesen und es wird still. Auf diese Idylle lassen wir uns gerne ein, sie ist wohltuend und beruhigend.

Doch so bleibt das Lied nicht. In Strophe drei folgen schon ernstere Töne, und ab Strophe vier wird es für viele sogar verstörend. Matthias Claudius dichtet dort: „Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.“ Das klingt weltverneinend und lebensverachtend. In Strophe sechs wünscht der Dichter sich dann sogar, zu sterben. Das ist uns zu depressiv und deshalb lassen wir diese Strophen gerne aus. Wirt singen sie nicht.

Aber ist es wirklich so negativ, was hier zum Ausdruck kommt? In der Bibel finden wir viele Aussagen dieser Art, so z.B. beim Prediger Salomo. Von ihm ist heute unser Predigttext. Er steht im siebten Kapitel und lautet folgendermaßen.

Prediger 7, 15- 18

15 Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit.
16 Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.
17 Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit.
18 Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.

Das ist ein kurzer Bericht über eine allgemeine Wahrnehmung im menschlichen Leben und eine anschließende Mahnung. Der Prediger hat erfahren, dass eine weit verbreitete Gewissheit so nicht stimmt. Sie lautet: „Der Gerechte besteht, und der Gottlose vergeht.“ Gerade in der Bibel finden wir unzählige Aussagen, die das behaupten, und bis heute verlassen sich viele Menschen auch sehr gerne darauf. Doch so einfach ist es eben nicht. Der Prediger stellt diesen Satz in Frage, weil er ganz andere Vorgänge beobachtet hat, und er zieht daraus seine Schlüsse.

Aber wer ist das eigentlich, der das hier sagt, und warum sagt er es? In was für einer Gedankenwelt lebte dieser Prediger, was erfüllte und bewegte ihn? Das sollten wir uns fragen, wenn wir uns mit diesem Text beschäftigen, denn das ganze Buch des Predigers Salomo, aus dem der Abschnitt stammt, ist im Alten Testament einzigartig. Ob es wirklich der König Salomo war, wissen wir nicht, aber das spielt auch keine Rolle. An seinem Hof hat es auf jeden Fall Weisheitsschulen gegeben, in denen junge Menschen lernten, wie sie mit dem Leben umgehen sollten.

Diese Weisheitsliteratur ist der Mutterboden für das Buch des Predigers Salomo. Der Verfasser war wahrscheinlich ein Weisheitslehrer mit großem Ansehen, vielleicht hat er sogar eine eigene Schule gebildet. Denn es fällt auf, dass er die Welt- und Lebensweisheit einer gewissen Durchschnittshaltung ablehnt. Die war ihm zu optimistisch und zu oberflächlich. Er stellt viele Fragen, die sehr in die Tiefe gehen, und kann sie häufig selber nicht beantworten. Für ihn gibt es keine Sicherheit in der allgemeinen Erkenntnis, denn er entdeckt die bedrohliche Wirklichkeit, dass alles vergänglich und „eitel“ ist. Der Prediger stellt deshalb den Wert von Freude, Arbeit, Besitz und Macht in Frage. Nur eins zweifelt er nicht an, und das ist Gott als die gültige Wirklichkeit und als den Herrn, der alles in Händen hält. Gott bleibt der Herr aller Zeit und allen Zufalls, er hat sogar alles gut gemacht.

Das ist die Weisheit des Predigers, und die kommt nun auch sehr schön in unserem Textabschnitt zum Ausdruck. Der Prediger stellt fest, dass die Zusammenhänge und Ordnungen viel weniger fest sind, als wir meinen. Deshalb warnt er vor einer Haltung, mit der man meint, das eigene Wohlergehen in der Hand zu haben. Wer auf seine Weisheit baut, kann erleben, dass er trotzdem zugrunde geht. Deshalb fordert der Prediger, dass man weder die Weisheit noch die Torheit überbewerten darf. Besser ist es, an der „Furcht Gottes“ festzuhalten. Es ist sinnvoll, Gott zu erkennen und zu ehren.

Und damit ist nicht einfach nur eine praktische Frömmigkeit gemeint, ein Handeln nach dem Willen Gottes und das Halten seiner Gebote. Das kann genauso „künstlich“ und selbstherrlich sein, wie weltliche Vorhaben, ein „Luftgespinst“. Echte Gottesfurcht rechnet nicht und besteht auch nicht in einer Leistung. Die Wahrheit über den Glauben und das Glück liegt vielmehr darin, Gott als den einzig Wirklichen zu erkennen und mit seiner Gegenwart und Liebe um ihrer selbst willen zu rechnen.

Das ist hier die Botschaft, und die sollten wir ruhig ernst nehmen, denn nicht selten fallen auch wir in eine Haltung, die viel zu oberflächlich ist. Vor allem denken wir genauso wie etliche andere Menschen, dass wir unser Leben selber lenken können.

Doch so einfach ist es eben tatsächlich nicht, das erfahren wir immer wieder. Wir erreichen zwar vieles im Leben, aber etliches misslingt auch. Am Ende bleibt manchmal nicht viel übrig. Neben Erfolgen, auf die wir vielleicht zurückblicken, gibt es im Alter Krankheit und Verlust, und das macht uns zu schaffen. Auch den Gläubigen geht es oft nicht besser als allen anderen. Enttäuschungen bleiben nicht aus und wir machen die Erfahrung, dass das Leben keine Idylle ist. Es ist oft rau, und wir hadern mit unserem Schicksal.

Doch genau da kann uns der Prediger helfen, denn er verweist uns auf tiefere Schichten der Wirklichkeit uns des Bewusstseins. Er kritisiert unsere oberflächliche und willensgesteuerte Einstellung und sagt: Du bist oft viel zu zielgerichtet, zu stolz und selbstherrlich. Pass auf, dass du eines Tages nicht ganz tief fällst und sich alles verdunkelt. Dazu muss es nicht kommen. Halte dich vielmehr an Gott, und lebe ihm zu Ehren. Vor Augen sollten dir nicht irgendwelche Ziele stehen, sondern Gott selber und seine Wirklichkeit. Er ist da, und du darfst auch einfach nur da sein. Du musst nichts erreichen.

Matthias Claudius hat diese Haltung sehr schön in der fünften Strophe seines Abendliedes beschrieben. Sie lautet: „Gott, lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun; lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein.“

Für die Lebensführung heißt das, dass wir das rechte Maß für alles finden müssen und in ein inneres und äußeres Gleichgewicht kommen. Es gehört beides zum Leben, das Leichte und das Schwere, das Schöne und das Hässliche, der Spaß und der Ernst. Das Unglück und sogar die Torheit sind erlaubt. Wir müssen nicht ständig erfolgreich und glücklich sein und dafür krampfhaft den Ernst und die Trauer aus dem Leben verbannen. Letzen Endes gewinnen wir dadurch nichts. Im Gegenteil, das Gute kommt erst, wenn wir das Schlechte annehmen und auch dazu ja sagen. Es verliert dann seine Macht. Die wahre Freude liegt auf einer ganz anderen Ebene, als in den wechselvollen Alltäglichkeiten.

Wenn wir diese Botschaft ernst nehmen, werden wir gelassen, denn sie lädt uns ein, nichts festzuhalten. Letzten Endes stellt sich dadurch eine positive Grundhaltung dem Leben gegenüber ein. Wir können es annehmen, wie es ist, wir verschwenden keine Kraft mit unnötigen Vorhaben, wir werden von dem Druck befreit, um jeden Preis immer gut drauf sein zu wollen. Wir müssen nicht das Letzte aus dem Leben herausholen, wir verpassen nichts und werden ruhig. Und das tut gut. Es hilft uns auch, das Alter als eine sinnvolle Zeit anzunehmen. Es ist wunderbar dazu geeignet, uns in all dem zu üben.

Natürlich formuliert der Prediger damit einen hohen Anspruch. Ob ihm diese Haltung gelungen ist, wissen wir nicht, aber es ist gut, dass er sie aufgeschrieben hat. Und als Christen haben wir auf jeden Fall eine wunderbare Hilfe, denn Jesus Christus ist genau diesen Weg gegangen und er nimmt uns an die Hand. Als Christen glauben wir, dass Gottes Liebe und Gegenwart in Jesus Christus besiegelt wurden. Auf ihn dürfen wir uns immer verlassen, im Leben und im Sterben. Durch ihn finden wir das „Ja“ zu allem, was uns widerfährt, er schafft den Ausgleich und befreit uns von unseren Zwängen.

So ist es auch nicht negativ, wenn er uns am Ende aus dieser Welt nimmt und in den Himmel kommen lässt. Denn er allein ist „unser Herr und unser Gott“. (EG 482,6)

Amen.

  1. Der Mond ist aufgegangen,
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar.
    Der Wald steht schwarz und schweiget,
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Nebel wunderbar.
  2. Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmrung Hülle
    so traulich und so hold
    als eine stille Kammer,
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.
  3. Seht ihr den Mond dort stehen?
    Er ist nur halb zu sehen
    und ist doch rund und schön.
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost belachen,
    weil unsre Augen sie nicht sehn.
  4. Wir stolzen Menschenkinder
    sind eitel arme Sünder
    und wissen gar nicht viel.
    Wir spinnen Luftgespinste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter von dem Ziel.
  5. Gott, lass dein Heil uns schauen,
    auf nichts Vergänglichs trauen,
    nicht Eitelkeit uns freun;
    lass uns einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein.
  6. Wollst endlich sonder Grämen
    aus dieser Welt uns nehmen
    durch einen sanften Tod;
    und wenn du uns genommen,
    lass uns in’ Himmel kommen,
    du unser Herr und unser Gott.
  7. So legt euch denn, ihr Brüder,
    in Gottes Namen nieder;
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott, mit Strafen
    und lass uns ruhig schlafen.
    Und unsern kranken Nachbarn auch!

Text: Matthias Claudius 1779
Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790

Auf dem Weg zur Ewigkeit

Predigt über Josua 1, 1- 9: Vorbereitung für den Einzug in das gelobte Land
Donnerstag, 9.1. 2025, 10 Uhr, Altenzentrum St. Nicolai

Josua 1, 1- 9

1 Nachdem Mose, der Knecht des HERRN, gestorben war, sprach der HERR zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener:
2 Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gegeben habe.
3 Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe.
4 Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein.
5 Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.
6 Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe.
7 Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst.
8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.
9 Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Liebe Gemeinde.

Wenn wir in diesen Tagen Menschen treffen, die wir länger nicht gesehen haben, wünschen wir uns ein gutes neues Jahr, denn es ist noch sehr jung, und wir schauen nach vorne. Das tun wir gerne, wenn ein vorgegebener Zeitraum vor uns liegt. Eigentlich ist das jeden Tag so, denn die nächste Zeit, die Zukunft ist immer da. Aber es gibt verabredete Daten, an denen wir uns das in besonderer Weise bewusst machen. Geburtstage und Jubiläen gehören z.B. dazu, und auch der Neujahrstag ist so ein Zeitpunkt.

In unserer kirchlichen Ordnung stand er lange unter einem Wort aus dem Kolosserbrief, das lautet: „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus, und danket Gott dem Vater durch ihn.“ (Kol. 3,17) Damit werden wir eingeladen, auf Jesus zu schauen und Gott alles anzuvertrauen, was geschehen wird. Die Zeit, die vor uns liegt, ist wie ein Weg, auf dem er bei uns ist und uns führt.

Und auch das ist immer so: Unser ganzes Leben ist ein Wandern und Pilgern, es verändert sich ständig. Aber es gibt jemanden, in dessen Hand wir geborgen sind, Jesus Christus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Er lebt und bleibt für alle Zeit, bis in Ewigkeit, denn er ist Gottes Sohn und hat Anteil an seiner Macht und Herrlichkeit. Es ist sinnvoll und gut, wenn wir uns das am Jashresanfang bewusstmachen.

Dieser Glaube kommt auch schon im Alten Testament zum Ausdruck. Ein schönes Beispiel ist dafür die Geschichte von Josua, dem Nachfolger von Mose. Eine große Aufgabe lag vor ihm, doch die musste er nicht allein durchführen. Er wurde dafür von Gott beauftragt und zugerüstet. Das steht gleich am Anfang des Buches, das nach ihm benannt wurde: Er sollte das Volk Israel in das gelobte Land führen und dieses einnehmen. Er kannte es nicht, und natürlich gab es dort Feinde und Hindernisse. Wahrscheinlich hatte er Angst davor. Wie sollte er das schaffen? Das fragte er sich, und Gott wusste das. Er sprach ihm deshalb Mut zu und versicherte ihm seinen Beistand. „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ Das war sein Versprechen. D.h. Gott wollte immer bei ihm sein und ihm bei allem helfen, was er tun musste. Josua sollte sich deshalb an Gott halten, an seine Gebote und Gesetze, und ihm treu bleiben. „Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.“ Das ist die Verheißung.

Und die können wir direkt in unsre Zeit übertragen und gut auf uns beziehen: Gott verspricht auch uns, bei uns zu sein.

Doch wie können wir das erfahren? Wir haben oft das Gefühl, dass Gott uns allein lässt und gar nichts tut. Wir fühlen uns einsam und verloren. Lasst uns deshalb in drei Schritten darüber nachdenken, wie dieser Zuspruch gemeint ist.

Zunächst einmal müssen wir begreifen, dass Gottes Schutz nicht darin besteht, dass uns gar nichts Schweres oder Schlimmes mehr widerfährt. Denn unser ganzes Leben ist ein Weg, auf dem wir ständig weitergehen. Wir können nirgends bleiben, müssen Entscheidungen treffen und vieles loslassen: Menschen, die wir liebhaben, werden älter oder sterben. Aufgaben, die uns erfüllt haben, sind erledigt, Krankheiten oder Alterserscheinungen machen uns selber das Leben schwer. Da kann und wird auch Gott nichts dran ändern, sondern das mutet er uns zu. In dieses Leben hat er uns hineingestellt, in diese Zeit und damit in die Vergänglichkeit und den ständigen Wandel. Wir sind immer nur Pilger, Gäste und Fremdlinge, wie es in vielen Glaubensliedern zum Ausdruck kommt.

So hat Gerhard Tersteegen, ein Dichter und Mystiker aus dem 18. Jahrhundert geschrieben: „Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Abend kommt herbei, es ist gefährlich stehen in dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Mut, zur Ewigkeit zu wandern, von einer Kraft zur andern; es ist das Ende gut.“ (EG 393,1) Pilgerlieder wie dieses wurden gedichtet, weil sie uns trösten können. Diesen Gedanken zu beherzigen, hat eine wohltuende Wirkung. Denn dadurch verlieren die Dinge, die uns zu schaffen machen, ihr Gewicht und wir können sie eher loslassen. Es ist der erste Schritt, der dazu führt, dass wir Verluste und Veränderungen besser annehmen können. Wir erwarten gar nicht, dass es immer gemütlich ist.

Der zweite Schritt ist das Hören auf Gottes Wort, bzw. der Aufblick auf Jesus. Für Josua war es das Studium des Wortes Gottes. Gott hat ihn zum Gehorsam aufgefordert, er sollte die Weisungen der Schrift beachten, dann wird er Mut und Vertrauen gewinnen. Und das heißt: Es gibt in allem Wandel einen, der bleibt, wie er ist, und das ist Gott. Er ist nicht der Zeit unterworfen, sein Wort trägt den Charakter der Ewigkeit, und es ist in Jesus Christus Mensch geworden.

Das glauben wir, und damit haben wir wie Josua jemanden, der bei uns ist: Jesus Christus geht mit uns und führt uns durch alles Raue hindurch. Wir müssen nur auf ihn schauen und ihm vertrauen. Durch die Nähe Jesu bewahrheitet sich also die Zusage Gottes, uns „nicht zu verlassen“. Er verschont uns zwar nicht vor allem Leid, aber er ist da. Er trägt unsere Lasten mit und sorgt dafür, dass wir in allem Schweren unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsre Liebe behalten. Und auf die kommt es an. Wir brauchen auf unserer Pilgerfahrt durch das Leben vor allem diese inneren Güter.

Dann erreichen wir auch das Ziel, und das ist der dritte und letzte Schritt. Auch das hat Gerhard Tersteegen geglaubt und vielfach bezeugt. In der Strophe, die ich zitiert habe, kam bereits vor, dass wir „zur Ewigkeit wandern“ und das „Ende gut ist“. In einem Abendlied hat er diesem Gedanken eine sehr schöne Strophe gewidmet. Sie lautet: „Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.“ (EG 481,5) Wir wandern nicht nur durch die Zeit, wir kommen auch an ein Ziel, das weit über diese Zeit hinausweist.

Keiner und keine weiß, wie es dort ist, aber wir können hier schon einen Vorgeschmack bekommen, und zwar wenn wir uns ganz auf den Augenblick konzentrieren, auf das Hier und Jetzt. Und das ist im Glauben möglich. Denn das Aufblicken auf Jesus und das Hören auf das Wort Gottes sollen wir uns nicht vornehmen. Wir sollen das nicht morgen oder nächste Woche tun, sondern jetzt, in diesem Moment, und dann mit jedem Atemzug aufs Neue. So ist das gemeint. Der Glaube umfängt immer die Gegenwart und lässt uns darin genug haben.

Und wenn das geschieht, dann sind wir plötzlich ganz frei und unbeschwert. Wir vergessen, was hinter uns liegt und haben keine Angst mehr vor der Zukunft. Und so stell ich mir die Ewigkeit vor: Da gibt es kein Gestern und kein Morgen, sondern die Zeit ist aufgehoben, und wir sind nur noch da.

Wenn wir die Zusage Gottes an Josua und an uns so hören und umsetzen, dann werden wir wirklich „getrost und unverzagt. Wir lassen uns nicht grauen und entsetzen uns nicht.“ Alle Beklemmungen weichen; Unruhe und Sorgen werden von uns genommen; die Angst verschwindet; Verspannungen und Verkrampfungen lösen sich und wir gehen voller Vertrauen in das neue Jahr.

Es ist deshalb gut, wenn wir gerade am Anfang eines neuen Jahres mit Otto Riethmüller beten: „Schließ auf, Herr, über Kampf und Sorgen das Friedenstor der Ewigkeit. In deiner Burg sind wir geborgen, durch dich gestärkt, zum Dienst bereit.“ (EG, Ausgabe für die Landeskirche Württemberg, 579,3)

Amen.

Die Engel Gottes begleiten uns

Predigt über Matthäus 2, 13- 15. 19- 23: Die Flucht nach Ägypten
Zum 1. Sonntag nach Weihnachten, 28.12.2024, 18Uhr, Lutherkirche Kiel

Matthäus 2, 13- 15. 19- 23

13 Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.
14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten
15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«


19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten
20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben.
21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel.
22 Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land
23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen.

Liebe Gemeinde.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. “ (EG 65,7) So dichtete Dietrich Bonhoeffer, und das bekennen seit eh und je die, die mit Gottes Möglichkeiten rechnen. Das sind immerhin noch 58% der Deutschen. Dabei will jeder zehnte auch schon einmal einem Engel begegnet sein. Sie sind die Schutzmächte aus der Nähe Gottes, für uns selbst und für die Menschen, die wir lieben. Wer Kinder hat, glaubt das besonders, denn es gibt unzählige Situationen, in denen sie bewahrt werden. Es kann Glück oder Zufall sein, aber es können auch die „guten Mächte“ sein, in denen die Kinder „geborgen“ sind.

In der Bibel werden die Engel als selbstverständliche Wirklichkeit vorausgesetzt. Sie sind die Boten Gottes, sie bewahren und beschützen die Menschen, verheißen das Gute und bekämpfen das Böse.

Am Anfang des Matthäusevangeliums taucht gleich dreimal ein Engel auf und erscheint Joseph im Traum: Das erste Mal, um ihn auf die Geburt Jesu vorzubereiten (Mt.1, 20), das zweite Mal, um ihn zur Flucht nach Ägypten zu bewegen (Mt.2,13), und das dritte Mal, um ihn zur Rückkehr aufzufordern (Mt.2,19). Die Geschichte haben wir eben gehört.

Sie erzählt von einem schmerzlichen Ereignis, das sich im Anschluss an den Besuch der drei Sterndeuter, den „Weisen aus dem Morgenland“ im Stall von Bethlehem ergab. Durch sie hatte Herodes, der König von Judäa, von der Geburt des „neugeborenen Königs“, wie die Weisen ihn nannten, gehört, und er wurde eifersüchtig. Er wollte ihn töten. Da er aber nicht wusste, wo er war, beschloss er, alle neugeborenen Kinder umzubringen. Das war ein grausames und brutales Vorgehen, dem viele Kinder zu Opfer fielen. (Mt.2,16-18) Nur Jesus wurde gerettet, denn so wollte Gott es. Er schickte deshalb seinen Engel und ließ Joseph mit seiner Familie nach Ägypten fliehen. Der Engel Gottes sorgte also dafür, dass Jesus nichts geschah. Gott konnte mit ihm sein Heilswerk durchsetzen.

Und solche Erfahrungen kennen wir alle: Oft merken wir es vielleicht nicht so deutlich, wie Joseph, dass uns ein Engel beistand und Schaden von uns fernhielt, aber wir reden trotzdem davon: Ein Engel war da, so dass ein Unfall nicht passierte, ein Baum nicht umfiel, eine Leiter stehen blieb usw. Kinder haben Schutzengel, und Erwachsene ebenso. Das ist eine allgemein verbreitete Vorstellung.

Doch obwohl die Engel Konjunktur haben und sozusagen im Aufwind sind, melden sich natürlich ebenso die kritischen Gedanken. Denn jedem, der von einer wunderbaren Rettung erzählt, könnte ein anderer widersprechen, dem genau das nicht widerfuhr, der vielmehr Schlimmes erlebte. In unserer Geschichte wären das all die Mütter, deren Kinder gestorben sind. Sie hatten keine himmlischen Helfer. Wie konnte Gott das zulassen? Diese Frage stellen wir ja sowieso oft.

Wir hätten gerne eine Antwort, doch die gibt es leider nicht. Die Engel beantworten sie schon gar nicht. Sie heben nicht auf, dass es in dieser Welt oft böse zugeht. Sie machen kein Ende mit der Ungleichheit, dass die einen bewahrt werden und andere nicht.

Trotzdem glauben die Menschen bis heute an sie. Und das ist auch ein guter Weg. Denn für die Frage nach dem Grund für das Böse gibt es – wie gesagt – keine befriedigende Lösung. Sie muss offen im Raum stehen bleiben. Es ist deshalb besser, sie loszulassen und ohne Antwort eine Entscheidung zu treffen. Denn wir werden etwas gefragt. Anstatt eine Aufklärung zu bekommen, werden wir zum Glauben aufgefordert, unabhängig davon, wie es uns ergeht.

Auch wenn wir nicht bewahrt werden, können wir uns geborgen und getragen fühlen, mitten im Leid, mitten in der Not und Todesnähe, so wie Dietrich Bonhoeffer kurz vor seiner Hinrichtung. Gerade da fühlte er sich „von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar.“ (EG 65,1) Er glaubte an Gott und bekannte sich zu ihm, obwohl ihm Schlimmes widerfuhr. Sein Lied wurde sogar zu einem der Beliebtesten in unserem Gesangbuch, denn wenn wir es singen und uns damit an Gott wenden, können wir dieselbe Erfahrung machen.

Zum Glück gibt es dafür auch jedes Mal ein Beispiel, wenn ein großes Unglück geschieht, wie jetzt z.B. bei dem Anschlag von Magdeburg. Sofort kamen die Menschen im Dom zusammen und haben gebetet. Es wurde ein Gottesdienst gehalten, der sie getröstet und aufgefangen hat. Und das findet regelmäßig statt, auch wenn an die Opfer von früheren Katastrophen gedacht wird: Menschen zünden Kerzen an, singen Lieder und beten zu Gott. Und das ist gut, denn dadurch können sie erleben, dass Gott trotz allem da ist.

Er lässt uns nicht allein, und er hat auch in der Welt gehandelt: Jesus wurde am Anfang seines Lebens nicht aus purer Willkür vor dem Schwert gerettet, sondern weil er einen Auftrag hatte. Er hat das Böse zwar nicht ausgerottet oder vernichtet, aber er hat es auf sich genommen. Er ist selber tief in das Elend der menschlichen Wirklichkeit eingetaucht, hat die Ungerechtigkeit und Grausamkeit, zu denen Menschen fähig sind, ertragen und durchlitten. Sein Sieg geschah nicht durch sein Kommen, sondern durch sein Sterben und Auferstehen. Das war von Anfang an das Ziel. Nicht umsonst ist die Christenheit Ostern entstanden, durch das Fest der Auferstehung. Denn da wurde der Tod überwunden, da hat die Macht Gottes über das Böse triumphiert, und der Himmel hat sich geöffnet. Die ältesten Sätze des Glaubensbekenntnisses enthalten dieses Ereignis. Auch in der Predigt von Paulus standen das Kreuz und die Auferstehung Jesu im Mittelpunkt. Er rief zum Glauben an die erlösende Kraft dieser Wirklichkeit.

Und damit sind wir bei der Entscheidung, um die es geht: Wir sind eingeladen, an Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen und ihm nachzufolgen. Es hilft uns nicht, wenn wir angeblich kluge Fragen stellen. Denn die Geschichte und Sendung Jesu übersteigen unseren Verstand. Es ist deshalb sogar gut, wenn wir unser Denken einmal ruhen lassen mitsamt der Frage nach dem Grund für das Leiden. Durch sie verhärten wir nur, wir verbittern und verzagen. Der Glaube führt uns dagegen zum Stillhalten, zur Ruhe und zum Trost. Wenn wir unseren Geist und unsere Seele für die Gegenwart Christi öffnen, können wir erfahren, dass es noch viel mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir ahnen. Dem Glauben erschließt sich eine unaussprechliche und wunderbare Wirklichkeit, und die ist erfüllend und heilend.

Der Pfarrer einer großen Kinderklinik hat einmal erzählt: „Auf der Schulkinderstation gab es einen kleinen Jungen, der Krebs hatte. Irgendwann wurde klar, dass er es nicht schaffen würde, ihn zu besiegen. Um ihn herum war jene gedrückte Stille, die oft eintritt, wenn der Tod naht. Aber der Junge saß in seinem Bett und sagte nur: «Hört ihr das denn nicht, ich höre schon die Engel singen!»“

Die Macht der Engel und die Gegenwart Christi sind real, wir müssen nur hinhören und hinsehen. Und je mehr Menschen das tun, umso stärker wird das Böse abgewehrt. Wir können die Einfallstore für „den Teufel“ schließen. Das ist eine biblische Vorstellung, die heutzutage zwar nicht mehr so lebendig ist, aber sie ist eine gute Veranschaulichung dafür, dass unser Leben bedroht ist. Es ist gefährdet und unsicher, doch von Christus her leuchtet uns ein Licht. Es kann uns vor dem Feind behüten. Durch den Glauben gehören wir Christus. Wir können uns ihm schenken, dann „befiehlt er seinen Engeln, zu kommen“ und auf uns achtzugeben. Sie sind die „Wächter“ in der Nacht, so dass wir ruhig schlafen – und wenn es sein soll und so weit ist – auch sterben können.

Zu dieser Vorstellung gibt es einen alten Hymnus. Er stammt aus dem Jahr 534 und trägt den lateinischen Titel „Christe qui lux es et dies“. Der Pfarrer und Reformer Erasmus Alber übersetzte ihn um 1536 und dichtete danach das Lied „Christus, du bist der helle Tag“ (EG 469). Wir können uns mit diesem Lied wunderbar der Liebe und der Macht Christi anvertrauen.

Der Predigt liegt der Aufsatz zu Grunde: Engel – mehr als unsere verborgenen Begleiter, von Klaus Dettke, in: Aufschlüsse, Ausgabe 91, Zeitschrift für spirituelle Impulse, Dezember 2024, Hrg. Gruppe 153, Coswig, S. 13ff

Bereitet dem Herrn den Weg!

Predigt über Römer 15, 4- 13: Aufruf zur Einmütigkeit in der Gemeinde
zum 3. Advent, Donnerstag, 12.12.2024, Altenzentrum St. Nicolai, Kiel

Römer 15, 4- 13

4 Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.
5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß,
6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
7 Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
8 Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind;
9 die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): »Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.«
10 Und wiederum heißt es (5.Mose 32,43): »Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!«
11 Und wiederum (Psalm 117,1): »Lobet den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker!«
12 Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.«

13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Liebe Gemeinde.

In der Adventszeit wollen wir uns auf das Kommen Gottes vorbereiten und ihm den Weg ebnen. Doch was heißt das? Wir veranstalten ja viel in diesen Wochen, dekorieren die Wohnung, treffen uns zum gemütlichen Beisammensein, basteln und backen usw. Aber ist das alles geeignet, um uns auf das Kommen Gottes einzustellen? Die Bibel schlägt uns etwas anderes vor, einen inneren Weg, der von Umkehr und Buße gekennzeichnet ist, damit wir offen sind für das große Geschenk, das Gott uns machen möchte.

Das kommt auch in dem Text zum Ausdruck, den wir eben gehört haben. Er ist ein Teil aus dem vorletzten Kapitel des Römerbriefes, d.h. er steht am Ende dieser Epistel. Da ermahnt Paulus die Römer, sich gegenseitig in brüderlicher Liebe zu achten. Daran haperte es nämlich in der Gemeinde. Es gab Konflikte zwischen denen, die vorher Juden gewesen waren und den sogenannten Heiden, also Menschen, die ohne vorherigen jüdischen Glauben zu Christus gefunden hatten. Sie hatten verschiedene Vorstellungen darüber, was man essen durfte, und es gab Spannungen. Darauf geht Paulus hier ein. In den vorhergehenden Kapiteln hatte er theologische Fragen erörtert, hier wird er nun ganz praktisch und konkret und gibt den Römern ein paar Hinweise zur Lebensführung und zum christlichen Umgang miteinander. Er begründet sie auch und zwar mit verschiedenen Argumenten.  

Zunächst erinnert er an die Schrift, an das Alte Testament, das für alle Gültigkeit hat. Er weist darauf hin, dass Christus dort bereits verheißen wurde und zwar als jemand, der geduldig war und jeden angenommen hat. Er ist für die Christen ein Vorbild. Es gilt deshalb, an ihn zu glauben, auf ihn zu vertrauen und vor allen Dingen auf ihn zu schauen. So können wir durch ihn lernen, miteinander dieselbe Geduld zu haben.

Dann will Paulus deutlich machen, dass das gar nicht so anstrengend und schwierig ist. Es geht nicht um eine religiöse Leistung. Die gegenseitige Annahme entsteht vielmehr dadurch, dass wir gemeinsam Gott loben. Wir sind dabei ja alle gleich, es gibt keine Unterschiede mehr. Es entsteht also Gelassenheit und Entspannung. Das Herz weitet sich und der Geist wird frei. Denn die Gedanken sind nicht mehr auf den anderen gerichtet, sondern auf Gott.

Und drittens kehrt dadurch Friede und Freude ein. Es entsteht auch Hoffnung, und das Leben kann gelingen, nicht nur das Leben des einzelnen, sondern das der ganzen Gemeinschaft. Konflikte verschwinden und Spannungen lösen sich. Wo Zwietracht herrschte, entsteht Einigkeit, wo Spaltungen waren, entsteht wieder Gemeinschaft.

Das ist hier die Aussage, und die macht tatsächlich sehr gut deutlich, wie wir die Adventszeit im Sinne Jesu gestalten können. Eine äußere Gemütlichkeit reicht nicht, und das wissen wir auch alle. Denn es gibt im Leben zu vieles, was sie uns verdirbt, und davor dürfen wir die Augen nicht verschließen. So ein bisschen sind unsere weihnachtlichen Aktivitäten auch der Versuch, einmal vor der Wirklichkeit zu fliehen, die Augen eine Zeit lang zuzumachen. Wir versuchen, uns bei Kerzenschein und schönen Düften, Tee und Keksen auszuruhen. Aber wir merken alle, dass das mangelhaft und unbefriedigend bleibt. In der Tiefe unsrer Seele werden wir nicht froh und ruhig. 

Denn es gibt fast immer etwas, das uns stört. Das kann ein schweres Erlebnis sein, eine Krankheit oder auch Menschen, die uns stören oder enttäuschen. Sie sind nicht so, wie wir sie gerne hätten, sie nerven uns oder verletzen uns sogar. Vielleicht sind es unsre Kinder, die sich nicht genug kümmern, die Nachbarn, die zu laut oder zu griesgrämig sind, Mitmenschen, die uns missachten oder vergessen. Etliche fühlen sich gerade in der Adventszeit einsam und verlassen. Es gibt vieles, das uns traurig und ängstlich macht, uns Sorgen bereitet oder aufregt. Auch die allgemeine Weltlage gehört dazu: Eine Menge liegt im Argen, Krisen wachsen uns über den Kopf, Macht und Geld regieren die Welt wie immer schon, Krieg und Lügen greifen ums sich.

Das sollten wir uns bewusst machen und es nicht einfach nur verdrängen. Besser ist es, wenn wir ehrlich sind und uns fragen, wie wir das überwinden können. Wenn wir den Sinn der Adventszeit erfassen wollen, dann müsste in unserer Seele wirklich Frieden und Ruhe einkehren, dann müssten wir getröstet werden und Hoffnung schöpfen. Es müssten echte Gemeinschaft und Liebe wachsen. Und dazu hilft genau das, was Paulus uns hier vorschlägt. Denn er spricht von etwas Innerlichem, von einer bestimmten Geisteshaltung, mit der wir gelassener und fröhlicher werden und zueinander finden. Und zwar entsteht sie, wenn wir gemeinsam Gott loben. Wir wenden uns damit dem zu, der größer ist als wir alle, der uns längst liebt, der zu uns kommt und es gut mit uns meint. Er hat uns seinen eigenen Sohn geschickt, und der ist voller Liebe und Barmherzigkeit. Wir müssen nur auf ihn schauen und uns von seiner Liebe anstecken lassen.

Meistens beschäftigen wir uns viel zu sehr mit uns selber oder den anderen Menschen, mit dem Weltgeschehen und den Nachrichten. Oft sind wir darauf sogar fixiert und merken gar nicht wie wir uns verkrampfen. Wir haben Erwartungen und Vorstellungen, wie es alles sein sollte und machen uns dadurch das Leben selber schwer. In Wirklichkeit sind es gar nicht nur die Umstände oder die anderen Menschen, durch die es uns schlecht geht. Es liegt auch an uns. Es wäre gut, wenn wir alles einmal gelassener sehen. Sind unsre Wünsche und Vorstellungen wirklich so entscheidend und maßgebend? Es scheint längst ein helles Licht, durch das alles leichter und schöner wird. Es ist das Licht der Liebe Christi, der für uns alle kommt.

Wenn wir darauf schauen, wirkt es sich in unserer Seele und in unserem Geist wohltuend aus, es „tröstet uns und macht uns frei“ (J.S. Bach, Weihnachtsoratorium, Teil III, Arie „Herr dein Mitleid, dein Erbarmen“). Das ist in gewisser Weise auch eine Ablenkung, aber sie ist von ganz anderer Art, als unsere weltlichen Verdrängungsmanöver. Sie lenkt unseren Geist in eine Richtung, in der es wirklich Veränderung gibt. Denn von Christus geht Kraft aus. Wenn wir uns ihm zuwenden, tritt eine Wirkung ein, die wir nicht selber herstellen, und die stärker ist als unsere Gefühle. Wir werden von einer überwindenden und heilenden Energie erfüllt. Deshalb sollte das gemeinsame Lob Gottes und der Glaube an Christus in der Adventszeit unsere hauptsächliche Übung sein: Er kann uns vereinen und trösten. Wir kommen von uns selber los und unser Blick geht weiter und tiefer. Wir bereiten Christus eine Bahn in unserem Herzen. Und so entstehen wirklich Frieden und Freude. Die Harmonie und Ruhe, nach der wir uns sehnen, kommt zu uns. Wir entspannen uns, und es kehrt sogar so etwas wie Glück in unser Leben ein. Es wird uns durch den Sohn Gottes geschenkt, der uns seine Liebe bringt, uns erlöst und befreit.

Und damit sind wir dem eigentlichen Sinn von Weihnachten ganz nah. Wir merken: Das reicht ja, mehr brauchen wir gar nicht zum Leben und zum Glück. Und es geht tief in uns hinein, unsere Sehnsucht wird befriedigt, die Freude ist echt. Sie ist nicht mehr davon abhängig, dass um uns herum alles stimmt und zu unseren Wünschen passt, denn sie kommt von innen. Auch die, die niemanden haben, erleben das. Für sie kommt genauso eine befreiende Stimmung auf, denn sie spüren ihre Einsamkeit nicht mehr und werden getragen und gehalten.

Wir brauchen gar nicht so viele Lichterketten und Kekse, Veranstaltungen und Treffen. Viel wichtiger ist es, dass wir miteinander in der Liebe Christi verbunden sind, füreinander beten und uns vor Gott zu seinem Lob vereinen. Wenn das geschieht, dann ist wirklich Advent, dann kann es Weihnachten werden. Damit bereiten wir unserem Herrn den besten Weg, in unsere Häuser und Herzen einzuziehen.

Amen. 

Frieden schaffen ohne Waffen

Predigt über Micha 4, 1- 5: Das kommende Friedensreich Gosttes

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, 10.11.2024, Jakobikirche Kiel

Micha 4, 1- 5

1 In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen,
2 und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.
3 Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
4 Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat’s geredet.
5 Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes, immer und ewiglich!

Liebe Gemeinde.

„Schwerter zu Pflugscharen“, dieses Wort des Propheten Micha ist zu einer Redewendung geworden. Sie drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung aus.

Die Friedensbewegung der DDR, die 1978 entstand, hat sich das deshalb als Symbol gegeben: Darauf schmiedet ein Mensch ein Schwert zu einem Pflug um. Ihr habt das bestimmt schon einmal gesehen. Das Ziel dieser Bewegung ist es, die Menschen zum Frieden zu erziehen. In vielen Kirchengemeinden entstanden damals staatskritische, unabhängige Friedensinitiativen. Der Grund dafür lag darin, dass die SED das Pflichtfach „Wehrerziehung“ an DDR-Schulen eingeführt hatte. Der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR entwickelte daraufhin ein Alternativprogramm.

Und sie beriefen sich auf Propheten wie Micha und Jesaja. Bei ihm finden wir diese Vision ebenfalls. Sie war wahrscheinlich ein unabhängiges Stück Tradition, ein Heilsorakel, das immer in Israel wieder aufgenommen und ausgesprochen wurde. Denn sie machte den Menschen Mut und gab ihnen Hoffnung in schweren Zeiten: Sie schauten in die Zukunft und sahen dort die Wiederherstellung des Paradieses.

Die Vision führt uns gleich am Anfang an das Ende der Tage. Dann wird die Natur umgewandelt, und der Berg, auf dem der Tempel in Jerusalem steht, der Zion, wird über alle anderen Berge erhöht. Er wird zum Wohnsitz Gottes und zum Mittelpunkt der Welt. Deshalb versteht es sich von selbst, dass alle Völker dahin strömen und wallfahren werden. Sie holen sich dort Belehrung, damit sie ein gottgemäßes Dasein führen können. Sie wollen in den Wegen und Pfaden Gottes wandeln, d.h. den von Gott gewünschten Weg einschlagen. Er wird ihnen in Wort und Weisung übermittelt.

Dabei bedeutet der Wille Gottes nicht Unterdrückung oder Unfreiheit, sondern Friede und Gerechtigkeit. Gott wird das von den Völkern verursachte Chaos beenden und eine gute Ordnung durchsetzen, indem er die Menschen zur Einsicht führt. Und dadurch geschieht dann das, wovon alle träumen: Es entsteht ein neuer Wille zum Frieden und ein konkretes den Frieden förderndes Handeln. Der Krieg wird unnötig. Waffen werden überflüssig und von den Bekehrten in Geräte landwirtschaftlicher Arbeit verwandelt, in Gegenstände, die dem Leben dienen. Der Friede der Urzeit ohne Mordwerkzeuge und Kriegshandwerk kehrt wieder zurück.

Das beinhaltet die Vision, und sie ist ein großartiger Zukunftsentwurf. Er enthält die Hoffnung ewigen Friedens.

Die ist ja ein uralter Menschheitstraum, der von Anfang an bis heute thematisiert wird. Es geschah nicht erst in den Kirchen in der DDR. Viele Gruppen und Initiativen entwerfen dieses Bild und glauben daran, dass es eines Tages wahr wird. Z.B. erkannten die Kirchen auch schon nach 1945, dass Aufrüstung keine Antwort auf die Konflikte in der Menschheit sein kann. Papst Johannes XXIII. verfasste 1963 die Enzyklika Pacem in terris, die sich erstmals an „alle Menschen guten Willens“ richtete und u.a. forderte, „dass der allgemeine Rüstungswettlauf aufhört; dass ferner die in verschiedenen Staaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen auf beiden Seiten und gleichzeitig vermindert werden; dass Atomwaffen verboten werden; und dass endlich alle auf Grund von Vereinbarungen zu einer entsprechenden Abrüstung mit wirksamer gegenseitiger Kontrolle gelangen.“

Und natürlich verstehen wir es auch heutzutage noch als unsere christliche Pflicht, für den Frieden einzutreten und „Schwerter zu Pflugscharen“ zu machen. Es gibt die Friedensbewegung zum Glück immer noch. Christen und Christinnen erheben ihre Stimme für den Frieden und beten dafür.

Doch sind wir damit erfolgreich? Ist es nicht unrealistisch, sich die Vision des Propheten zu eigen zu machen? Sie scheint ein Traum zu sein, das empfinden wir heutzutage wieder stärker als in den zurückliegenden Jahrzehnten. Wir erleben gerade mehrere bewaffnete Konflikte, die furchtbar sind und uns Angst machen. Es scheint aussichtslos zu sein, die Völker zum Frieden erziehen zu wollen. Appelle verhallen, Menschen guten Willens werden überhört, sie reiben sich auf und erreichen am Ende nichts. Es ist leider nicht so einfach, die Kriege zu beenden, denn alle Menschen auf allen Seiten müssten „gleichzeitig“ mitmachen, wie Papst Johannes der XXIII. es betont hat. Solange es noch Aggressoren gibt, die nicht am Frieden interessiert sind und lieber zu den Waffen greifen, ist es nicht ratsam, wenn eine Seite abrüstet. Man muss sich schon verteidigen können, sonst geht man unter. Die gesamte Menschheit müsste sich auf Abrüstung einigen, doch das scheint leider in weiter Ferne zu liegen.

Was sollen wir also tun? Das müssen wir uns fragen, und dabei kann der Prophet Micha bzw. diese Zukunftsvision uns durchaus helfen. Drei Dinge können wir daraus lernen.

Als erstes kann sie uns Mut und Hoffnung machen. Hier wird zwar eine Welt entworfen, die es so noch nicht gibt, aber wir dürfen hoffen, dass sie eines Tages kommen wird. Wir dürfen gerne auf dieses Bild schauen. Jetzt müssen wir es noch aushalten, dass unsere Welt voller Ungerechtigkeit ist, dass es Terror und Krieg gibt, Vertreibung und Vernichtung. Das Heil Gottes hat noch nicht die ganze Welt erfasst. Wir stehen nach wie vor in vielen Kämpfen.

Doch gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns entscheiden, wo wir hinschauen wollen. Die Bibel lädt uns ein, an der Hoffnung festzuhalten und an den Frieden zu glauben. Es hilft nichts, wenn wir immer nur auf das Schreckliche starren, wir dürfen und müssen uns positiven Bildern aussetzen. Wir stellen sie bewusst der Verzweiflung und Ratlosigkeit entgegen und bleiben so in den Schrecken, die uns umgeben, zuversichtlich. Wir werden gestärkt und getröstet, und fühlen uns in der Gegenwart Gottes sicher und geborgen.

Denn das, was der Prophet hier ausmalt, ist nicht nur eine Phantasie. Als Christen glauben wir vielmehr, dass Jesus Christus diese Vision zum Teil wahr gemacht hat. Der Glaube daran ist der zweite Schritt. Der Weltfriede ist nicht nur ein Traum, sondern eine Realität, die im Verborgenen bereits da ist. Denn alle Prophezeiungen im Alten Testament, die von einem Retter und dem ewigen Reich Gottes handeln, haben sich in Jesus Christus erfüllt. Das ist die Botschaft des Neuen Testamentes. Jesus ist direkt von Gott gekommen. Er ist der Sohn Gottes, der die Menschheit erlöst. Das Reich des Friedens ist mit Jesus Christus angebrochen, das steht im Evangelium dieses Sonntags. (Lukas 17, 20- 24) Es gibt ein Gespräch zwischen Jesus und den Pharisäern wieder. Er wurde von ihnen gefragt: „Wann kommt das Reich Gottes?“ Und „er antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Das glauben und bekennen wir: Durch Jesus Christus ist eine neue Realität da, denn er hat den Tod und die Sünde besiegt.

Wir müssen uns nur davon prägen lassen, Christus in unser Herz und in unser Denken hineinlassen. Er hilft uns dann, ein gottgemäßes Dasein führen. Er lässt uns auf den Wegen und Pfaden Gottes wandeln, denn wir haben nicht nur sein Wort und seine Weisung, sondern auch seine Liebe und Gnade, sein Heil und seine Kraft. Wo Menschen sich darauf einlassen, beginnt der Friede. Und kein Schritt in diese Richtung ist sinnlos oder verloren. Die Kirche kann der Berg Zion sein, von dem die Impulse zum Frieden und zur Liebe ausgehen.

Und das heißt konkret: Wir dürfen nicht aufhören, den Frieden zu leben und dafür zu beten. Das ist das Dritte. Es ist nach wie vor der Wille und die Macht Gottes, eine neue Welt herzustellen, in der wir unsre „Schwerter zu Pflugscharen“ umbauen. Wir können und sollen ihn deshalb unermüdlich darum bitten, dass diese Welt kommen möge. Wir dürfen Gott daran erinnern, dass er mächtiger ist als das Böse und der Tod, als das Leid und die Zerstörung, und wir dürfen ihn darum bitten, der Welt das eines Tages ganz zu zeigen.

Gott ist die „Sonne der Gerechtigkeit, die schon in unserer Zeit immer wieder aufgehen“ kann. Wir können mit dem Lied, das so beginnt (EG 262), dafür beten, dass sein „Licht in der Kirche [und in der ganzen Welt] anbrechen“ möge, dass die „Christenheit“ aufwacht und sich „zu [seinem] Wort bekehrt“. „Keine List noch Macht [möge den] Lauf des Himmelreiches hemmen“.

Denn wenn wir so beten, bekommen wir „Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung und Liebesglut. [Wir] sehen [seine] Herrlichkeit [bereits] in dieser Zeit [und können] mit unserer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft“.

Amen.