ANDACHTEN

Abendsegen in der Lutherkirche Kiel

Donnerstag, 15.1.2026, Thema: Eltern und Kinder: Hanna und Samuel

Im Anschluss an Weihnachten lesen und betrachten wir in unserer Vesper gerade Geschichten aus der Bibel, die von Eltern und ihren Kindern handeln. Dabei finden wir noch weitere Erzählungen, die von einer besonderen Geburt berichten, von einem Auserwähltsein von Mutterleib an und einem göttlichen Auftrag, den das Kind erhält. Samuel war so ein Mensch, ein großer Prophet nach dem zwei Bücher im Alten Testament benannt sind. Er hat den ersten König eingesetzt und gesalbt und war damit der letzte charismatische Anführer des Volkes Israel, bevor die Staatsform ein Königtum wurde. Ich lese die Geschichte seiner Geburt in Auszügen:

1. Samuel 1 in Auszügen 

1a Es war ein Mann von Ramatajim-Zofim, vom Gebirge Ephraim, der hieß Elkana,
2 Und er hatte zwei Frauen; die eine hieß Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte Kinder und Hanna hatte keine Kinder. 

10 Und Hanna war von Herzen betrübt und betete zum HERRN und weinte sehr
11 und gelobte ein Gelübde und sprach: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem HERRN geben sein Leben lang, und es soll kein Schermesser auf sein Haupt kommen.

19b Und Elkana erkannte Hanna, seine Frau, und der HERR gedachte an sie.
20 Und Hanna ward schwanger; und als die Tage um waren, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Samuel; denn, so sprach sie, ich hab ihn von dem HERRN erbeten.
21 Und als der Mann Elkana hinaufzog mit seinem ganzen Hause, um das jährliche Opfer dem HERRN zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen,
22 zog Hanna nicht mit hinauf, sondern sprach zu ihrem Mann: Wenn der Knabe entwöhnt ist, will ich ihn bringen, dass er vor dem HERRN erscheine und dort für immer bleibe.
23 Ihr Mann Elkana sprach zu ihr: So tu, wie dir’s gefällt! Bleib, bis du ihn entwöhnt hast; der HERR aber bestätige, was er geredet hat. So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte.
24a Nachdem sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit sich hinauf nach Silo,
25b und brachten den Knaben zu Eli [dem Priester des Herrn].
26 Und sie sprach: Ach, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr: Ich bin die Frau, die hier bei dir stand, um zum HERRN zu beten.
27 Um diesen Knaben bat ich. Nun hat der HERR mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet hatte.
28 Darum gebe ich ihn dem HERRN wieder sein Leben lang, weil er vom HERRN erbeten ist. Und sie beteten dort den HERRN an.

Auslegung

Die Geschichte beginnt mit der Nennung von Elkana, einem Mann mit vornehmer Herkunft. Er hatte zwei Frauen, das wird hier auch nicht diskutiert, die Mehrehe war offensichtlich üblich. Die eine, Penina, war gebärfreudig, die andere, Hanna, bekam keine Kinder. Sie litt darunter sehr. Ihr Mann hielt zwar zu ihr und versuchte sie zu trösten, aber Trost fand sie wo anders, nämlich im Gebet. Bei einer ihrer jährlichen Wallfahrten wandte sie sich an Gott und erbat von ihm einen Sohn. Ihr Gebet kreiste ganz und gar um ihre persönliche Not und war mit einem Gelübde verbunden: Sie versprach, das Kind dem Heiligtum zu weihen. Das sollte Gott bewegen, ihre Bitte zu erfüllen. Und so kam es dann auch. Sie wurde endlich schwanger. Hanna hat nicht umsonst Gott angerufen. Sie nannte ihren Sohn deshalb Samuel, das ist vermutlich eine Zusammensetzung aus den beiden Wörtern „Schem“ für Name und „El“ für Gott. Es heißt also so viel wie: „Der, über dem der Name Gottes genannt ist.“ Gottes Eingriff hat ihn ins Dasein gerufen. Und Hanna erfüllte ihr Gelübde, mit dem sich offensichtlich auch ihr Mann identifizierte. Er beteiligte sich jedenfalls an dem Entschluss seiner Frau. Begreiflicher Weise zog sie die Zeit bis zur Hergabe des Kindes aber noch hinaus und zwar so lange, bis sie ihn nicht mehr stillte. Das war damals im Orient durchaus mehrere Jahre üblich. Sie hatte also einen allgemein verständlichen Grund, warum sie ihn erst nach drei Jahren dem Priester Eli übergab. Die persönlichen Gefühle, die sich aus dem Abschied der Mutter und dem Kind ergaben, bleiben dann aber unerwähnt, obwohl die mit Sicherheit heftig waren.

Man kann sich gut vorstellen, dass es bei dem kleinen Samuel Tränen und Widerstand gab, und für Hanna war es möglicherweise noch schwerer: Wer gibt schon ein dreijähriges Kind her? Das wirkt heldenhaft und übermenschlich.

Doch so ist die Geschichte nicht gemeint. Im Mittelpunkt der Erzählung steht vielmehr von Anfang etwas anderes: Es geht um die Führung Gottes, sein Eingreifen, seinen Willen und die Hingabe an ihn. Hanna hatte eine lebendige Beziehung zu Gott. Sie war fromm und glaubte an ihn. Sie wusste sich selber bei ihm geborgen und dann auch ihr Kind. Und sie hat es ja auch nicht ins Ungewisse weggeschickt, sondern in die Hände Gottes gegeben. Sie glaubte daran, dass Gott es bewahren und führen würde. Deshalb konnte sie es loslassen.

Und das ist ein Hinweis darauf, wie auch wir in unseren engsten familiären Beziehungen miteinander segensreich umgehen können. Es gibt Situationen, da müssen auch wir Menschen, die uns lieb sind, Gott überlassen, sie ihm anvertrauen. Wir haben keinen Einfluss mehr auf sie, sie gehen ihre eigenen Wege und haben eigene Gedanken. Wir merken: Sie gehören uns nicht, wir können sie nicht festhalten. Das fällt uns manchmal schwer, es führt zu Schmerzen und Konflikten. Doch wir dürfen daran glauben, dass Gott sich um sie kümmert und uns alle segnet. Oft können wir deshalb gerade durch unsere menschlichen Beziehungen im Glauben wachsen und näher zu Gott kommen. Wir lassen unsere Lieben im Gebet los und geben sie und uns selber Gott hin.

So war es bei Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der im 18. Jahrhundert die sogenannte Herrnhuter Brüdergemeine gegründet hat, eine Gemeinschaft, die sich um den Herrn versammelte. Das Familienleben spielte dabei eine große Rolle. Die Familienmitglieder wurden alle in den Glauben hineingenommen, auch die Kinder wurden schon darin unterrichtet, denn Zinzendorf ging davon aus, dass sie ein persönliches Verhältnis zu Gott entwickeln können. Es gibt ein Lied, an dem sehr schön deutlich wird, wie er sich den inneren Weg von der menschlichen Gemeinschaft hin zu Gott und die Bedeutung der Gegenwart Gottes für die Gemeinschaft vorstellte. Es lautet:

LIED : Herz und Herz vereint zusammen

1 Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh. Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu. Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein, er der Meister, wir die  Brüder, er ist unser, wir sind sein.
2. Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder, und erneuert euren Bund, schwöret unserm Überwinder Lieb und Treu aus Herzensgrund; und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, o so flehet um die Wette, bis sie Jesus wieder stählt.
3. Legt es unter euch, ihr Glieder, auf so treues Lieben an, dass ein jeder für die Brüder auch das Leben lassen kann. So hat uns der Freund geliebet, so vergoss er dort sein Blut; denkt doch, wie es ihn betrübet,
wenn ihr euch selbst Eintrag tut.
4. Halleluja, welche Höhen, welche Tiefen reicher Gnad, dass wir dem ins Herze sehen, der uns so geliebet hat; dass der Vater aller Geister, der der Wunder Abgrund ist dass du, unsichtbarer Meister, uns so fühlbar nahe bist.

EG 251, 1- 4
Text: Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1723) 1725,
bearbeitet von Christian Gregor 1778 und Albert Knapp 1837

Schlussgebet:

Herr unser Gott, dir gehört unser Leben. Du gibst es uns und holst uns am Ende wieder zu dir. Auch die Menschen, die wir liebhaben, sind ein Geschenk von dir. Wir danken dir dafür und vertrauen sie dir an. Sei du unsere Mitte und lass uns bei dir Ruhe finden. Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

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