Christi Leib, für dich gegeben – Christi Blut, für dich vergossen

Predigt: über 1. Korinther 11, 17- 26: Vom Abendmahl des Herrn

2.4.2015, 18 Uhr, Lutherkirche Kiel

1. Korinther 11, 17- 26

17 Dies aber muss ich befehlen: Ich kann’s nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt.
18 Zum Ersten höre ich: Wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, sind Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich’s.
19 Denn es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden.
20 Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn.
21 Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.
22 Habt ihr denn nicht Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.
23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
24 dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde.
Wir feiern in diesem Gottesdienst das Abendmahl, d.h. wir werden essen und trinken. Aber es ist keine gewöhnliche Mahlzeit, die wir einnehmen, sie dient nicht einfach nur der Sättigung und Stärkung des Leibes. Sie erinnert uns vielmehr an das letzte Essen Jesu mit seinen Jüngern, das einen besonderen Charakter hatte.
Paulus weist uns darauf hin. In dem Abschnitt im ersten Korintherbrief, den wir eben gehört haben, zitiert er noch einmal die Worte Jesu an diesem Abend, die in den Evangelien überliefert wurden. Denn die Korinther sollten darauf achten, dass bei ihren gottesdienstlichen Mahlfeiern Christus gegenwärtig war. Das war durch ein bestimmtes Verhalten nämlich undeutlich geworden. Das Herrenmahl war damals eine echte gemeinsame Mahlzeit im Kreis der Gemeinde, zu der sich die Gemeindeglieder etwas zum Essen mitbrachten. Damit es ein wirkliches „Herrenmahl“ sein konnte, war die Gemeinschaft dabei von entscheidender Bedeutung. Darauf kam es Paulus jedenfalls an. Doch die wurde in Korinth durch ein bestimmtes Verhalten zerstört. Es hatte sich eingebürgert, dass man aus den mitgebrachten Speisen eine eigene Mahlzeit nur für sich selbst machte, jeder verzehrte sein eigenes Essen. Er stellte es nicht für das gemeinsame Mahl zur Verfügung. So wurden die Reichen satt, die Armen blieben hungrig und wurden obendrein beschämt. Dieser Zerstörung des Herrenmahles stellt Paulus die Überlieferung entgegen, die er vom Herrn empfangen hatte.
Er erinnert die Korinther daran, dass das Mahl, das sie feiern, vom Herrn selber gestiftet ist, und zwar „in der Nacht, da er verraten ward“. Von daher empfängt es seine Einmaligkeit und seine Bedeutung, d.h. das Leiden und Sterben Jesu prägen es ganz entscheidend. Es ermöglicht eine Teilhabe an seiner Hingabe. Darauf weisen die Worte hin „für euch gegeben“ und „für euch vergossen“. Das Brot wird zum Leib Christi und der Kelch enthält sein Blut. Er ist gleichzeitig ein Sinnbild des Bundes, den Gott verheißen hat. Bei der Feier wird er vergegenwärtigt. Die Teilnehmenden bekommen das Heil geschenkt und „verkündigen den Tod des Herrn, bis er kommt“.
Das ist das, was Paulus hier hervorhebt, und so ist es auch in die kirchliche Tradition eingeflossen: Es gibt deshalb beim Reichen des Brotes und des Kelches die Spendeworte: „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen.“
Aber sind die eigentlich noch aktuell? Viele Christen haben damit heutzutage Probleme. Zum Einen wollen und können sie sich nicht vorstellen, dass sie den Leib Christi essen und das Blut Christi trinken. Das hat für sie etwas Abstoßendes und Kannibalisches an sich. Außerdem wirkt es wie Zauberei: Wie soll denn bitte aus dem Brot und dem Wein Leib und Blut Christi werden? Nicht umsonst ist aus der lateinischen Formel „Hoc est corpus meus“ – auf Deutsch, „das ist mein Leib“ – die Zauberformel „Hokus Pokus“ geworden.
Und das andere Problem, das viele haben, ist die Erinnerung an den Tod Jesu. „für dich gegeben, für dich vergossen“ klingt nach einem Opfer, das gebracht wurde, und das ist düster und negativ. Das passt nicht in unser Denken und Lebensgefühl. Die Spendeworte, die daran erinnern, sind deshalb in vielen Gemeinden und Köpfen überholt. Es hat sich eingebürgert, das Brot und den Wein mit den Worten weiterzureichen „nimm und iss vom Brot des Lebens“ und „nimm und trink vom Kelch des Heils.“ Das ist positiver und viel leichter zu verstehen. Und diese Worte liegen auch nahe. Sie stammen zwar nicht aus der biblischen Abendmahlstradition, aber dahinter steht die Aussage Jesu: „Ich bin das Brot des Lebens“. Und das ist ein Wort aus dem Johannesevangelium (Joh. 6,35). Insofern sind sie durchaus biblisch und legitim und ja auch sehr schön. Sie sind eingängiger und wirken bejahender.
Trotzdem möchte ich einmal fragen, ob damit nicht doch etwas verloren gehen kann. Der Ausdruck „Brot des Lebens“ hat für sich genommen zunächst ja nichts mit Jesus zu tun. Er könnte auch aus einer Naturreligion stammen. Ich muss dabei immer an rituelle Mahlzeiten denken, die das Geschenk des Lebens feiern. So etwas gibt es in anderen religiösen Gemeinschaften bestimmt ebenso. Wenn wir beim Brot also nicht an Jesus denken, wird der Ausdruck heidnisch und abergläubisch. Das Essen und Trinken bekommt einen esoterischen Charakter, und der Zusammenhang mit Christi Leiden und Sterben verblasst. Christus tritt in den Hintergrund. Die Größe seiner Tat, das Wunder seiner Auferstehung und das Geheimnis des Glaubens, all das droht unterzugehen. Die Tatsache, dass wir alle sterben müssen, dass es Krankheit und Leid gibt, Not und Elend, und dass Christus deshalb gekommen ist, all das wird ausgeblendet.
Ich möchte deshalb einmal ein Plädoyer für die Spendeworte „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen“ halten. Dabei will ich jetzt nicht auf die vielen Abendmahlsstreitigkeiten eingehen, die es im Laufe der Kirchengeschichte zu diesen Worten gegeben hat. Die verschiedenen Auffassungen spalten ja leider sogar die Kirchen, denn die Katholiken glauben, dass die Umwandlung so substantiell geschieht, dass auch nach dem Abendmahl das Brot weiter der Leib Christi bleibt. Die Lutheraner gehen zwar auch von einer Umwandlung aus, aber sie geschieht erst dann, wenn der Mensch, der es einnimmt, auch daran glaubt. Nur beim gläubigen Vollzug sind Brot und Wein wirklich Leib und Blut Christi, danach nicht mehr. Und die Reformierten halten das Abendmahl nur für ein Gedächtnismahl, Brot und Wein sind lediglich Zeichen, die an Christus erinnern. Aber das will ich hier jetzt wie gesagt nicht näher erörtern, sondern nur drei Dinge hervorheben:
Erstens wird mit den Formeln „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen“ unmissverständlich deutlich, dass beim Abendmahl Christus gegenwärtig ist. Er ist die Mitte, wir versammeln uns an seinem Tisch und folgen seiner Einladung. Es geht nicht um etwas Gefühlmäßiges, nicht um schöne Bilder oder angenehme Emotionen, und auch nicht nur um eine Erinnerung, sondern um eine Wirklichkeit, und zwar um die Wirklichkeit des Todes und Auferstehens Christi. Sie sind ein Geschehen, etwas Lebendiges und Kraftvolles, und da werden wir hineingezogen. Und es geht sogar noch weiter: Christus zieht gleichzeitig in uns ein, er verbindet sich mit uns und schenkt uns leibhaftig das Heil, das er durch seinen Tod und seine Auferstehung geschaffen hat. Christus wird die Mitte unseres Lebens und unserer Gemeinschaft. Das ist das erste, und das ist viel mehr, als ein schönes Gefühl oder ein angenehmer Zuspruch.
Der zweite Punkt betrifft seine Lebenshingabe, sein Leiden und Sterben, das in diesen Worten anklingt. Sie sind zwar etwas düster, aber so ist das Leben auch oft. Die Erinnerung an sein Opfer ermöglicht es deshalb, dass auch unser Leiden vorkommen darf. Es ist ja da, kaum jemand kommt unbelastet zum Abendmahl, irgendetwas treibt uns immer um. Es kann Schuld oder Angst sein, Ratlosigkeit oder Trauer. Und das müssen wir nicht ausblenden. Die schweren Gefühle, die damit einhergehen, müssen wir nicht abstellen. Im Gegenteil, gerade weil es uns oft nicht gut geht, ist Christus gekommen. Er hat unser Leid mit uns geteilt, wir sind in der Dunkelheit des Lebens nicht allein. Gott selber geht mit uns, er kennt die Tiefen und hat sie nicht gescheut. Und im Abendmahl zeigt er uns das. Da dürfen wir seine Liebe empfangen, die tröstet und stärkt. Sie beschönigt nichts, sondern überwindet das Leid. Christus schenkt uns im Abendmahl eine Kraft, die stärker ist als der Tod und die Dunkelheit. Es ist wie eine Medizin, ein heilbringendes Mittel. Deshalb dürfen wir alles mitbringen, was uns belastet. Wir werden so geliebt, wie wir sind, und sollen neues Leben empfangen. Natürlich ist das Brot des Abendmahls dadurch „Brot des Lebens“ und der Kelch ein „Kelch des Heils“. Aber sie sind es eben nur, weil Christus darin gegenwärtig ist, weil sie sein Leib und Blut sind. Das ist das Zweite.
Und als Drittes fordern die Formeln und die Vorstellung, dass wir Leib und Blut Christi zu uns nehmen, unseren Glauben heraus, und das ist gut und wichtig. Mit der Vernunft oder dem Verstand lässt sich die Umwandlung der Elemente nämlich nicht erklären oder begreifen. Es bleibt ein Geheimnis, wie Christus in ihnen gegenwärtig ist. Dahinter steht kein natürlicher Vorgang, sondern es ist ein Sakrament, d.h. eine Handlung, die die unsichtbare Wirklichkeit Christi vergegenwärtigt. Und damit kommen wir nur in Berührung, wenn wir zu Christus in Beziehung treten, wenn wir auf seine Worte hören, uns ihn vor Augen halten und uns auf ihn einlassen. Das hat besonders Luther betont. Er sagt im Kleinen Katechismus: „Essen und Trinken tut‘s freilich nicht, sondern die Worte, die da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Diese Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken das Hauptstück im Sakrament. Und wer diesen Worten glaubt, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden.“ Luther hat das „Wort“ und den „Glauben“ unterstrichen. Und das heißt, wir müssen das Abendmahl von innen her verstehen, es muss in eine lebendige Glaubenspraxis eingebunden sein. Auch andere religiöse Vollzüge sind wichtig, wie das Vertrauen, das Gebet, Lesen oder Hören des Wortes Gottes, Verkündigung und Gemeinschaft. Das Abendmahl ist ein Teil unserer Frömmigkeit, und nur wenn die lebendig ist, kann es uns etwas bedeuten. Deshalb war es Paulus wichtig, dass die Gemeinschaft der Christen von Liebe gekennzeichnet war. Auch unser Umgang miteinander ist ja ein Teil unserer Glaubenspraxis, er zeigt unsere innere Einstellung, ob Christus in unserem Leben vorkommt und es prägt. Das ist als Drittes wichtig.
Lasst uns also diese drei Punkte beachten: Dass Christus im Abendmahl gegenwärtig ist, dass er für uns gestorben und auferstanden ist, und dass wir an ihn glauben. Dann wirkt das Abendmahl tatsächlich. Es „schenkt Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit“, wie Luther sagt. Es stiftet Gemeinschaft und macht uns froh und zuversichtlich. Lasst es uns deshalb mit Ernst und Dankbarkeit empfangen und uns darauf vorbereiten, indem wir uns für Christus öffnen und ihm vertrauen.
Amen.

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