Lebendiges Wasser

Gottesdienst mit der Evangelischen Jugend Kiel Mitte am 25.1.2015, 11 Uhr, Jakobikirche Kiel

3. Sonntag nach Epiphanias,
Predigt über Johannes 4, 5- 14: Jesus und die Samariterin

Anspiel: Durstig?

Vor der Predigt haben vier Jugendliche zusammen mit Matthias Beckmann, unserem Gemeindepädagogen, den sogenannten „Marschmallow-Test“ nachgespielt. Er wurde ursprünglich in Amerika in den Jahren 1968 bis 1974 durchgeführt. In Einzelsitzungen wurde vierjährigen Kindern ein Marschmallow  vorgesetzt, das sie verzehren durften. Würden sie allerdings warten, bis der Versuchsleiter zurückkehrte, würden sie gleich zwei Marshmallows erhalten. Gewöhnlich kehrte der Versuchsleiter nach 15 Minuten zurück.

Die  Jugendlichen im Gottesdienst, die vorgaben,  durstig zu sein,  kamen nach vorne, setzten sich hinter einen Tisch, und Matthias hat ihnen jeweils ein Glas Wasser hingestellt und gesagt: „Wer nicht von diesem Wasser trinken wird, bis ich wiederkomme, dessen Glas werde ich mit Orangensaft auffüllen.“ Die Gemeinde konnte nun beobachten, wie alle, bis auf einen, sich selber gut unter Kontrolle hatten, obwohl das Objekt der Begierde sie offensichtlich gelockt hat. Sie wurden am Ende entsprechend belohnt.

Im Anschluss an das Anspiel wurde das Evangelium vorgelesen:

Johannes 4, 5- 14

5 Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab.
6 Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde.
7 Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!
8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen.
9 Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. –
10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser.
11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser?
12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh.
13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten;
14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

 

Predigt über Johannes 4, 5- 14

Liebe Gemeinde.
Wasser löscht Durst, wir brauchen es zum Leben. Pflanzen, Tiere und Menschen, alle müssen regelmäßig trinken. Nichts würde auf der Erde gedeihen, wenn es kein Wasser gäbe. Wir haben immer genug Wasser, deshalb ist uns oft nicht bewusst, wie wertvoll es ist. Wir merken das z.B. erst auf einer Wanderung, bei der wir das Wasser in einer Flasche mit uns tragen müssen, weil nicht ständig ein Wasserhahn oder ein Geschäft in der Nähe ist. Und auch nach einer Anstrengung, bei Hitze, beim Sport oder bei körperlicher Arbeit bekommen wir Durst und brauchen etwas zu trinken. In vielen Regionen ist das Wasser knapper und es kann zum Verdursten kommen. In der Wüste besteht diese Gefahr, darum gibt es dort so gut wie kein Leben.
Deshalb ist das Wasser ein wunderbares Bild für alles, was wir zum Leben brauchen. Dazu gehört ja noch vieles mehr. So war das Wasser für Jesus ein gutes Gleichnis. Wir haben es in dem Abschnitt aus dem Johannesevangelium eben gehört.
Jesus unterhält sich dort mit einer Frau, die er an einem Brunnen trifft. Es ist der Jakobsbrunnen, der eine Tiefe von 32 Metern hat. Es gibt ihn auch heute noch. Unten sprudelt frisches Quellwasser. Und dieses lebendige Wasser ist für Jesus ein Symbol für das, was er geben kann. Im Orient kamen solche Vergleiche bereits vor. So galt das Wasser als Spende für die Toten, als Lebenswasser und Jungbrunnen. Und im Alten Testament wird Gott bereits als „Quelle lebendigen Wassers“ (Jer.2, 13) bezeichnet. Hier sagt Jesus nun:
„Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Joh.4,14)
Jesus sagt damit: „Was ich euch schenke, bleibt ewig.“ Wir werden also keinen Durst mehr haben, wenn wir ihn empfangen und an ihn glauben. Wir müssen nicht auf noch mehr oder etwas Besseres warten. Es gilt vielmehr, in vollen Zügen das aufzunehmen, was er uns gibt. Er kann unseren Durst stillen, und wir können selber zu einer Quelle lebendigen Wassers werden. In unserem Inneren sprudelt durch den Glauben an Jesus eine Quelle, die uns zum ewigen Leben führt.
Es ist also ganz anders, als bei dem Test, den die Jugendlichen hier eben nachgespielt haben. Cedric, Svenja, Lola und Joshua hatten jeweils ein Glas Wasser vor Augen, das sie begehrten. Sie hätten es gerne getrunken, aber damit warteten sie, denn ihnen wurde gesagt, dass sie gleich ein noch ein Glas Orangensaft erhalten würden, wen sie warteten, bis Matthias es ihnen geben würde. Und darauf waren sie aus, denn sie waren durstig.
Wir haben gehört, dass es für diesen Test eine Vorlage gibt. Er wurde ursprünglich mit kleinen Kindern und leckeren Süßigkeiten durchgeführt. Der Versuchsleiter wollte wissen, wie gut schon Vierjährige sich selber kontrollieren können. Den meisten gelang das. Sie waren zwar in der Versuchung, die Süßigkeit zu essen, aber sie konnten sich beherrschen, und wurden dann belohnt.
Der Test zeigt gleichzeitig, dass wir schon früh viel mentale und seelische Kraft einsetzen, wenn wir etwas haben wollen. Das Experiment wurde deshalb auch in Werbespots kopiert. Denn wenn gezeigt wird, wie ein Mensch sich anstrengt, um von einem begehrten Objekt ein zweites zu bekommen, dann muss dieses Objekt wirklich toll sein. Der Zuschauer bekommt Lust, es zu kaufen und zu probieren.
Und davon ist unser Verhalten ganz oft geprägt, von der Lust und dem Begehren. Wir alle haben Bedürfnisse, die wir befriedigen möchten, und das tun wir auch. Die Werbung unterstützt das. Sie macht uns vor, dass wir etwas unbedingt haben müssen, wenn wir glücklich sein wollen. Deshalb konsumieren wir, und meinen, dass wir immer mehr Dinge brauchen. Dazu gehören Klamotten, Computer, Autos, Reisen und vieles mehr. Wir denken, „unser Durst wird gelöscht“, wenn wir das alles haben.
Und das ist der Punkt, an den Jesus mit seinem Vergleich anknüpft. Er sagt ja, dass wir von dem natürlichen Wasser immer wieder trinken müssen, und das ist eine kritische Bemerkung. Er stellt damit das normale Begehren in Frage. Er macht auf die Nachteile aufmerksam, die alles Materielle und die Dinge dieser Welt an sich haben.
Und darüber lohnt es sich einmal nachzudenken. Es stimmt nämlich, dass wir nie ganz zufrieden sind, wenn wir nur das suchen und haben wollen, was weltlich ist. Wir brauchen davon immer mehr, das Begehren hört nie auf.
Ein zweites Problem besteht darin, dass alles Irdische irgendwann vergeht. Was wir in unserem Leben erreichen oder aufbauen, kann wieder zerbrechen, nichts hält ewig. Und dazu gehören nicht nur Dinge, sondern auch Beziehungen, Freundschaften und Ehen. Ebenso Fähigkeiten, Ideen und Pläne, Gedanken und Vorstellungen. Alles, was wir aus uns selber heraus schaffen, kann kaputt gehen. Das ist das zweite Problem.
Und es gibt noch mehr Mängel. Wenn wir zu sehr nach den Dingen der Welt trachten, können wir rücksichtslos und egoistisch werden. Außerdem ist es irgendwann anstrengend, es kostet Geld, und wir werden oberflächlich. Viele Fragen im Leben bleiben unbeantwortet.
Es lohnt sich also, das Wasser zu trinken, das Jesus uns gibt, an ihn zu glauben und ihm nachzufolgen. Doch wie geht das nun, und was heißt das? Das müssen wir uns als letztes fragen.
Und dazu ist es gar nicht schlecht, wenn wir uns noch einmal den Test in Erinnerung rufen. Da geht es ja um Selbstkontrolle, und so ganz verkehrt ist die gar nicht. Es ist gut, dass wir das können, denn das spielt im Glauben auch eine Rolle.
Wenn wir Jesus wirklich in uns aufnehmen wollen, ist es nämlich wichtig, dass wir all die anderen Quellen einmal sein lassen, d.h. nicht immer nur der Lust und unserem Begehren folgen. Wir wollen ja etwas Größeres und Bleibendes gewinnen, und dazu müssen wir das Kleinere und Vergängliche einmal lassen.
Es gibt eine große spanische Heilige aus dem 16. Jahrhundert, Teresa von Avila, die in vielen Schriften sehr schön dargestellt hat, wie wir Jesus in uns aufnehmen können. Sie hat dafür auch oft das Bild vom Wasser benutzt. An einer Stelle sagt sie: „Alle Ratschläge, die ich euch in diesem Buch gegeben habe, zielen auf einen einzigen Punkt: dass wir uns von allem gelöst ganz dem Schöpfer schenken und unseren Willen in den seinen fügen. Dann wird der Weg kurz, auf dem wir zum Quell lebendigen Wassers gelangen. Aber nur der wird daraus trinken, der seinen Willen so ganz dem Herrn übergibt, dass dieser ihn gänzlich mit dem seinen in Übereinstimmung bringen kann.“ (aus: Teresa von Avila, „Ich bin ein Weib – und obendrein kein gutes“, ein Porträt der Heiligen in ihren Texten, ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Erika Lorenz, Freiburg, 1982, S.79)
Es geht also darum, dass wir uns Gott fügen und uns ihm hingeben. Wir müssen aufhören, uns selber glücklich machen zu wollen. Und dazu gehört es, dass wir den Mangel, den wir verspüren, zunächst einmal akzeptieren, dass wir unseren inneren Durst aushalten, ohne ihn gleich mit etwas Vergänglichem zu stillen. Es gehört zu unserem Leben, dass wir nie genug haben, dass wir oft nicht richtig klar kommen, dass vieles zerbricht, und dass wir leiden. Wir wollen das immer so schnell wie möglich beenden, aber das ist nicht der richtige Weg. Wir müssen die Brüchigkeit des Lebens ertragen, Ja“ dazu sagen und auf uns nehmen, was Gott von uns will.
Nur dann sind wir offen für das, was Jesus uns gibt. Denn dann können wir innerlich zu ihm gehen, zu ihm rufen und um seine Hilfe bitten. Sie ist sofort da, wenn wir das tun. Wir müssen uns um sonst nichts mehr bemühen, nichts bezahlen und uns noch nicht einmal anstrengen. Es ist nichts weiter nötig, als dass wir ihn anrufen und uns von ihm lieben lassen.
Wenn Leiden über uns kommen, können wir sagen: „Gib mir Kraft, sie zu tragen.“ Sind es Krankheiten, Enttäuschungen oder Verletzungen, können wir beten: „Hier bin ich, Jesus, ich halte das jetzt aus und sehe keinen Grund zur Flucht. Denn du hast dich für uns alle, also auch für mich, Gott hingegeben.“ (vgl. Teresa von Avila, a.a.O., S. 79) Wenn wir so beten, müssen wir nicht darauf warten, dass Jesus in uns einzieht. Es ist bereits wie ein Trinken des Wassers, das er uns gibt. In vollen Zügen fließt seine Kraft und Liebe in uns hinein. In demselben Moment, in dem wir uns ihm hingeben, wird „unser Durst ganz gelöscht“. Und wenn das geschieht, brauchen wir tatsächlich nicht mehr, kein zweites Glas Wasser und kein anderes Ding. Auch von anderen Menschen werden wir unabhängiger, von Erfolg oder Spaß. Denn Jesus erfüllt unser Inneres mit seiner Liebe, so dass sie in uns sprudelt.
Die tiefen Schichten in unserer Seele werden angerührt, wir bekommen Leben und Kraft. Wir können plötzlich lieben, wo wir vorher vielleicht wütend waren. Wir werden gelassen und mit Geduld und Freude erfüllt. Wir sind ganz von selber zufrieden und glücklich, auch im Leid, auch dann, wenn wir das eine oder andere, was die Welt so bietet, vielleicht nicht haben, und sich nicht alle unser Wünsche erfüllen. Denn Jesus stillt unseren Durst ganz. „Wer von dem Wasser trinken wird, das Jesus ihm gibt, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das Jesus ihm geben wird, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“
Amen.

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